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Knights steigen nach 105:102-Sieg nach Verlängerung gegen München in die Pro A auf

„Aufsteiger, Aufsteiger, Aufsteiger“ sangen die Fans noch lange nach Ende des Spiels. Unter den Augen von Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker und 180 mitgereisten Kirchheimer Fans gewannen die Knights das entscheidende Spiel um den Aufstieg gegen München Basket mit 105:102. Ein überragender David McCray führte sein Team in der Verlängerung zum Sieg. Die Partie in der überkochenden Münchner Sporthalle war an Dramatik und Spannung nicht zu überbieten.

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München. Es herrschte Heimspielatmosphäre für die Kirchheimer vor und in der altehrwürdigen Städtischen Sporthalle in München. Mit zwei Bussen und zahlreichen Pkw angereist, empfingen die Fans ihre Mannschaft schon zwei Stunden vor Spielbeginn gebührend. Die Stimmung war ausgelassen und positiv, das Vertrauen in die Nervenstärke und Leistungsfähigkeit der Mannschaft groß. Knights-Physiotherapeutin Uschi Wackershauser sprach das aus, was viele dachten: „Ich habe ein gutes Gefühl, die Mannschaft packt das.“

In der Halle herrschte indes der Kampf um die besten Steh- und Sitzplätze. Vom Heer der Kirchheimer Fans wohl überrascht, hatten die Gastgeber einen viel zu kleinen Bereich für die Gäste ausgewiesen, so- dass sich beide Fanclubs Seite an Seite wiederfanden. Spätestens eine Stunde vor Spielbeginn hatte Kirchheims Anhang die Vormachtstellung in der Halle erkämpft. Die Münchner Verantwortlichen und einige Sicherheitskräfte taten ihr Möglichstes, um reguläre Rahmenbedingungen zu schaffen. Trotz allem: Die Halle war einfach zu klein, um die begeisterten Fans auf beiden Seiten vom Spielfeld fernzuhalten.

Die Halle brodelte, als die Schiedsrichter zum Sprungball baten. Peter Klemm setzte sich mit seiner Sprunggewalt gegen Münchens Robero ­Aufiero durch, Kirchheim hatte den ersten Angriff. Ein erfolgreicher Dreier von Gordon Scott ließ die Knights-Fans das erste Mal jubeln – ein standesgemäßer Beginn. In einem zunächst ausgeglichenen Spiel hatten die Münchner leicht die Nase vorn. Pat Elzie musste erkennen, dass ­Bryan McAllister einen Sahnetag erwischt hatte. Die Kirchheimer Defense fand kein Mittel gegen den schnellen und wendigen Amerikaner, der ein ums andere Mal zum Korberfolg kam. Oftmals konnte er nur durch ein Foul gestoppt werden, seine Freiwürfe verwandelte er in dieser Spielphase traumwandlerisch sicher. Die Knights hielten mit schnellem Passspiel dagegen, der Ball lief gut durch die Reihen, Tim Burnette setzte mit seinen sehenswerten Dreiern das Gegenstück zu Münchens McAllister. Nach dem ersten Viertel führte München mit 28:25.

Im zweiten Viertel setzte sich der enge Kampf fort, wobei die Knights sich mühten, den Anschluss zu halten. Vor allem Scott und Burnette sicherten die Punkte. Das Zusammenspiel im Angriff wurde aber nicht mehr so konsequent praktiziert, häufig wirkten die Einzelaktionen erzwungen. Ab der Hälfte des zweiten Viertels verloren die Ritter dann endgültig den Anschluss und die Münchner zogen Punkt für Punkt davon. Die Schiedsrichter und deren Foulpfiffe rückten jetzt mehr in den Fokus des Spiels. Die Foulbelas­tung der Knights stieg bedenklich an. Zum Ende der Halbzeit wurden für Burnette, Wysocki, Peter Klemm, Scott, Kesselring und Hornig bereits je drei Fouls notiert. Das Spiel drohte den Kirchheimern zu entgleiten. Mit einem Rückstand von elf Punkten ging es in die Halbzeitpause. Derweil erreichte die Stimmung auf den Rängen allmählich den Siedepunkt. Unzufrieden mit der Schiedsrichterleistung, waren die meisten Anhänger nicht mehr auf ihren Sitzplätzen zu halten. Der Lärm war ohrenbetäubend.

Neu eingestellt kamen McCray, Scott, Burnette, Tom Klemm und Hornig aus der Kabine. Was zu diesem Zeitpunkt niemand in der Halle ahnte war, dass Kirchheims Coach neben der unglaublichen Nervenbelastung und Verantwortung noch einen anderen Kampf auszufechten hatte. Schon die ganze Woche über mit Rückenproblemen belastet, war er zur Halbzeit kaum mehr in der Lage, sich zu bewegen. Das Kirchheimer Physiotheam Dr. Lukas und Uschi Wackershauser hatten alle Hände zu tun, den Coach wieder zu mobilisieren. Elzie biss auf die Zähne und kam zurück – wie auch seine Jungs: Punkt für Punkt schmolz der Rückstand, selbst ein technisches Foul gegen Teammanager Volker Oesterle konnte die Aufholjagd nicht stoppen.

In der Mitte des dritten Viertels nahm Elzie beim Stand von 65:57 eine Auszeit und schickte eine ungewöhnliche Zusammensetzung auf das Feld. Kranz, McCray, Wysocki, Howard und Hornig mussten kurzfristig noch einen Zehn-Punkte-Rückstand hinnehmen. Kranz und Howard erzielten danach aber wichtige Dreier und MyCray war es, der mit der Pausensirene zum 71:68 verkürzte. Die Knights waren wieder im Spiel.

Es folgten dramatische Minuten. Hornig, Scott und McCray sorgten 7,16 Minuten vor Schluss beim 75:73 für die erste Kirchheimer Führung seit langem. Kein Team konnte sich von diesem Zeitpunkt an mehr entscheidend absetzen. Das Spiel wurde auf höchstem Niveau geführt. Beim Stand von 84:83 bekam Tim Burnette zwei Freiwürfe zugesprochen, wovon er nur einen verwandelte: Ausgleich – noch 23 Sekunden waren zu spielen. Die Münchner in Ballbesitz. Sollte sich das Drama von Essen wiederholen? McAllister brachte den Ball nach vorne, dribbelt die Zeit runter, zog auf der rechten Seite zwei Spieler auf sich, legte auf Florian Moysich ab, und der setzte eine Sekunde vor Schluss zum Dreier an – und vergab. Die Zeit war um – Verlängerung.

Wer hatte am Ende die besten Nerven? Wer die bessere Bank? Viele Spieler auf beiden Seiten waren stark foulbelastet. Der Krimi fand seine Fortsetzung: Die Spieler kamen auf das Feld, und München erhielt den Einwurf. Jan Stephan brachte die Gastgeber mit einem Dreier in Front, doch Tim Burnette fand die richtige Antwort. Wieder Ausgleich – die Halle stand Kopf. Dann nahm eine Nachwuchshoffnung des deutschen Basketballs das Heft in die Hand: David McCray. Von seinen Mitspielern blendend in Szene gesetzt und mehrmals von Hornig freigeblockt, übernahm der 21-Jährige die Verantwortung und baute den Vorsprung aus. 24 Punkte, eine hundertprozentige Freiwurfquote, vier Assists und zwei Steals summierten sich zu 25 Effektivpunkten und sprechen eine deutliche Sprache. Die Knights erzielten in der Verlängerung 21 Punkte, München dagegen nur 18. Es wurde zum Schluss nochmals richtig eng, als McAllister einen Dreier versenkte. Doch die Zeit war abgelaufen. Die Knights holten sich mit 105:102 die entscheidenden beiden Punkte und steigen somit neben Meister Essen in die Pro A auf. Die Münchner Halle glich nach der Schlusssirene einem Tollhaus. Fans, Spieler und Funktionäre lagen sich mit Freudentränen in den Armen. Harte Minuten für die Gastgeber, während der Kirchheimer Jubel keine Grenzen kannte.

Nach dem Aufstieg aus der Regionalliga im Jahr 2006, geht das Basketball-Märchen in Kirchheim weiter. Der Eintritt in den Kreis der besten 34 Teams in Deutschland stellt die Kirchheimer in den kommenden Monaten vor größere Aufgaben. Doch alles zu seiner Zeit. Noch regiert der Jubel in der Teckstadt. bs

Fotos: Frinke/Auerbach