Lokalsport

Gesucht wird ein Organisator

Wo in den sechziger Jahren noch tausende Zuschauer mit Leichtathletikveranstaltungen der Spitzenklasse verwöhnt wurden, herrscht heute gähnende Leere: Das Kirchheimer Stadion darbt, was Wettkämpfe angeht. Muss das angesichts solch prominenter Nutzer wie Sprint-Ass Tobias Unger sein?

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Seit Ende der neunziger Jahre befinden sich die Kirchheimer Leichtathletikstätten im Tiefschlaf. Bis vor fünf Jahren fand noch ein Volkslauf im Stadion statt. Seitdem dient die Anlage nur noch eifrigen Sportabzeichenjägern, Schulklassen und hochkarätigen Trainingsgästen. Erfolgscoach Micky Corucle hat neben Sprint-Ass Tobias Unger noch zahlreiche weitere Topathleten, die regelmäßig das Kirchheimer Stadion zu Übungszwecken aufsuchen. Dieser Umstand hat nicht zuletzt dazu geführt, dass die Leichtathletik-Abteilung des VfL Kirchheim einen regen Mitgliederanstieg verbuchen konnte. Vor allem Kinder und Jugendliche lockt der Name des Halleneuropameisters und Olympiateilnehmers Unger ins Stadion. Eine Tatsache, um die andere Kommunen die Kirchheimer sicherlich beneiden dürften. Nicht wenige fragen sich angesichts solch namhafter Stadionnutzer wie Unger, ob nicht ein reines Läufer- und Sprintmeeting im Kirchheimer Stadion möglich sei Wettkämpfe oder Meisterschaften mit sämtlichen Disziplinen sind aus baulichen Gründen nicht möglich (siehe nebenstehender Artikel).

"Wenn jemand die Organisation in die Hand nimmt, bin ich sofort dabei", signalisiert Micky Corucle grundsätzlich Bereitschaft, seine Schützlinge auf ihrer Hausbahn starten zu lassen. "Aus Zeitgründen kann ich das jedoch nicht selbst in die Hand nehmen", klagt der Rumäne, "aber wenn ich einen Meetingdirektor hätte, würde ich ihn nach Kräften unterstützen." Auch sein prominentester Zögling Tobias Unger ist der Idee eines Kirchheimer Meetings nicht abgeneigt, zumal er das Zugpferd schlechthin für ein solches Event wäre: "Eine super Sache. Das würde sicher viel Zuspruch finden", sagt der 200-m-Sprinter, der an der Jesinger Allee den Grundstein für seine heutigen Erfolge gelegt hat.

Auch auf Funktionärsebene stünde man einer Wiederbelebung des Stadions positiv gegenüber. "Ich würde das sehr begrüßen", sagt Leichtathletik-Urgestein Paul Kuppler. Er könne sich einen Läuferabend, wie er alljährlich in Plochingen stattfindet, vorstellen. WLV-Sportwart und Vizepräsident Hans Krieg denkt an eine landesoffene ausgeschriebene Veranstaltung, stellt aber klar: "Man muss sich bemühen, um so eine Veranstaltung auf die Beine zu stellen und braucht viele Helfer im Hintergrund." Just diesen Faktor führt der Geschäftsführer des WLV, Gerhard Müller, als höchste Hürde an: "Oft ist eben kein Verein vorhanden, der so etwas organisiert."

Die VfL-Leichtathleten sehen sich außerstande, alleine eine Veranstaltung zu stemmen. "Dafür ist die Abteilung zu klein", verweist Hans Pawlik, seit 33 Jahren als Kassenwart der Abteilung tätig, auf logistische Probleme, die nur in Kooperation mit den anderen VfL-Abteilungen zu lösen seien. Der ehemalige Abteilungsleiter Dieter Helber (von 1985 bis 95 in Amt und Würden) sieht darüber hinaus monetäre Sachzwänge: "Der VfL kann sich keine finanziellen Risiken leisten." Eine Veranstaltung aus dem Boden zu stampfen, würde aber genau dies bedeuten, sagt der Kirchheimer, der es wissen muss: Helber ist Vorstandsmitglied der hiesigen Volksbank. "In Kirchheim könnte man nur Ideen umsetzen, die kein oder wenig Geld kosten", resümiert er, "schließlich haben schon viel größere Vereine einstmals große Veranstaltungen aus Geldmangel wieder abgesetzt."

Die Thematik eines Läufermeetings ist an der Jesinger Allee dennoch nichts Neues. "Die Idee, etwas auf die Beine zu stellen, besteht schon seit geraumer Zeit", sagt der stellvertretende VfL-Abteilungsleiter Siegfried Hauff, der gleichzeitig Vorsitzender des Stadtverbandes für Leibesübungen ist, "doch bisher hat es an der Umsetzung gehapert." Am Ende aller Überlegungen habe bisher immer die zentrale Frage gestanden: Wer macht's? Die Stadt als Eigentümer des Stadions zeigt sich auf alle Fälle offen für jedwede Art von Vorschlägen: "Wenn wir uns einbringen können, sind wir gesprächsbereit", sagt Sportamtsleiter Steffen Weigel.