Lokalsport

Glänzende Thermik: Mit 200 km/h ins Rheintal

Die Segelflieger gehen wieder in die Luft um Bundesligapunkte zu jagen: Am vergangenen Wochenende startete die Erstliga-Saison. Die Piloten-Trios der vertretenen Teckvereine Fliegergruppe Wolf Hirth (Sechster) und Fliegergruppe Dettingen (Achter) flogen dem Gros der Konkurrenz zum Auftakt davon.

KIRCHHEIM Kontrastprogramm zum Auftakt der Segelflug-Bundesliga: Während die Flieger im Norden der Republik über schlechtes Wetter klagten, konnte in Baden-Württemberg weit geflogen werden. Für die beiden vertreteten Teckvereine reichte es zu Vorderplätzen.

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Der neue Segelflugreferent der Fliegergruppe Wolf Hirth, Peter Bittner, hatte das Saisonziel während eines vorbereitenden Treffens im Frühjahr nicht gerade tief gehängt: "Ein Platz unter den ersten sechs", hatte Peter Bittner verlangt. Diesem Ziel ist die Fliegergruppe an diesem Wochenende ein Stück näher gekommen. Zunächst sahen die Bedingungen für das erste Bundesligawochenende allerdings gar nicht so gut aus: die tiefen, regennassen Wolken wollten sich einfach nicht auflösen. Die moderne Wetterinformation über Satellitenbild und Internet versprach Hoffnung tatsächlich kamen am Samstagnachmittag auch die ersten Sonnenstrahlen durch und verwandelten den trüben Himmel in eine geradezu explosive Thermikmixtur.

Die Hahnweidpiloten waren rasch zur Stelle und in Rekordzeit in der Luft. Obwohl der Tag schon weit fortgeschritten war die ersten Piloten starteten gegen 14 Uhr konnten spät abends die erforderlichen zweieinhalb Stunden eingereicht werden. Eine Stunde vor Sonnenuntergang landete Tilo Holighaus. Der gab seinem Ventus-2ax buchstäblich die Sporen und flog an diesem Tag mit über 105 km/h die schnellste Zeit in ganz Deutschland. Sein Flug hatte ihn zunächst die Schwäbische Alb nach Südwesten hinunter geführt, bis er diagonal in den Schwarzwald eine Wolkenstraße entdeckte, die er mit Geschwindigkeiten bis weit über 200 km/h bis ins Rheintal entlang raste. "Solch eine knackige Frühjahrsthermik habe ich schon lange nicht mehr erleben dürfen", schwärmte der Geschäftsführer der Firma Schempp-Hirth Flugzeugbau aus Kirchheim. "Nur die vielen Schneeschauer versperrten einem öfters die Ideallinie. Außerdem war es eisig kalt."

Noch besser, obgleich sie nicht ganz so schnell waren, erwischten es Horst Heimann und Eberhard Schott am Folgetag. Über sagenhafte 750 Kilometer steuerten sie ihre Segelflugzeuge; es ging über den Schweizer beziehungsweise Französischen Jura bis kurz vor den Genfer See. Zwischendurch war der Sprung vom Schwarzwald in die Schweiz alles andere als einfach gewesen. Komplizierte Luftraumbeschränkungen wegen der Flughäfen Zürich und Basel zwangen die Segelflieger, äußerst tief zu fliegen eine "ungemütliche" Situation. Allerdings war diese für die beiden routinierten Wolf-Hirth-Piloten diesmal kein großes Problem und sie landeten um 17.45 Uhr wieder auf der Hahnweide. Eberhard Schott hatte eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 97,42 km/h erzielt, Horst Heimann einen Schnitt von 95,97 km/h.

Nachdem sich die Fliegergruppe Dettingen/Teck 2005 durch beständige Leistungen ebenfalls für die 1. Bundesliga qualifiziert hatte, waren alle gespannt auf ihr Abschneiden beim Saisonauftakt. Es lief alles nach Plan: Für das Dettinger Piloten-Quartett, das sich den Klassenerhalt auf die Fahnen geschrieben hat, sprang Platz acht heraus.

Am Samstag war auf dem Dettinger Flugplatz an Fliegen nicht zu denken von den Niederschlägen der vergangenen Tage war das Terrain noch völlig aufgeweicht. Die brauchbare Wetterlage gab's tags später, weshalb für die vier Pilotenstarts die Winde aufgebaut wurde. Obwohl an einen regulären Flugbetrieb auf Grund der Platzbedingungen nach wie vor nicht zu denken war, bekamen Andreas Belz, Frieder Belz, Michael Kapp und Ulrich Häfner die Chance, die ersten Bundesligapunkte zu erfliegen. Das Wetter stellte sich besser als erwartet dar insbesondere auf der Alb und im Donautal. So erzielte Andreas Belz einen Wertungsschnitt von 102 km/h, Frieder Belz war mit 99 km/h nicht viel langsamer. Als dritter Pilot kam Ulrich Häfner mit 85 km/h in die Wertung. Unter dem Strich erreichten die drei damit den achten Platz und 13 Punkte.

il/pm

INFODie Bundesliga-Saison 2006 der Segelflieger bestreiten 31 Vereinsmannschaften an 19 Wertungs-Wochenenden. An jedem dieser Durchgänge kommen jeweils die drei besten Piloten in die Wertung. Das Kriterium zur Errechnung der Bundesliga-Tabelle sind die Punkte, die jede Vereinsmannschaft erzielt: Der Tagessieger erhält 20 Punkte, der Tageszweite 19 (usw.). Ab Platz 20 gibt es für jeden Verein noch einen Punkt.