Lokalsport

Grün, schnell, bodenständig

Gerechter Lohn nach einem hitzigen Gefecht: Abgekämpft und mit empor gereckten Fäusten ließen sich Owens Handballer am Sonntagabend von ihren Fans feiern. Im Spitzenspiel um die Tabellenführung in der Landesliga boten die Owener alles, was eine junge, aufstrebende Mannschaft ausmacht: Tempo, Leidenschaft – und eine Vielzahl leichtfertig vergebener Chancen.

Bernd Köble

Owen. So recht dran glauben wollten sie noch immer nicht. Sechs Minuten verbleibende Spielzeit signalisierte die Anzeigetafel. Sechs Tore Vorsprung für die Gastgeber und dennoch kaum einer auf den Rängen, der dem Frieden traute. Die Reaktion der Owener Handballfans war symptomatisch für ein Spiel, das über weite Strecken offener war, als das Ergebnis vermuten ließe. Der Aufsteiger aus Blaustein setzte dem Owener Sturm und Drang schnörkellosen Zweckhandball entgegen, während der Tabellenführer vor allem zu Beginn eindrucksvoll zeigte, warum er in der Liga derzeit ganz oben steht: mit blitzschnellem Umschalten aus einer aggressiven und offensiv ausgerichteten Abwehr heraus ließ er dem Gegner kaum Luft zum Atemholen.

Die erste Viertelstunde war folglich ganz nach dem Geschmack des Publikums und auch des Trainers. Markus Brodbeck, der erneut mit etlichen Paraden glänzte, attestierte seiner Mannschaft hinterher Oberligaformat. Die Wurfausbeute kann er damit freilich kaum gemeint haben. Denn dass die Gäste aus Blaustein dank knapper Führung zur Halbzeit wieder Morgenluft witterten, hatte zweierlei Gründe: Owens katastrophale Chancenverwertung und Blausteins Spielertrainer Harald Michaeler, der mit der ganzen Erfahrung seiner 40 Lenze seinen Widersachern einen ganzen Sack voll Lehrgeld abknöpfte. Wie zart das aufblühende Owener Pflänzchen trotz der gegenwärtigen Tabellensituation ist, führte ein Schachzug der Gäste deutlich vor Augen: Die Manndeckung gegen Spielmacher Steffen Klett offenbarte in etlichen Szenen die Hilflosigkeit der Hausherren, aus dem ruhenden Spiel heraus zu einfachen Toren zu kommen. Dass sich dies am Ende nicht rächte, lag zum einen an Klett selbst, der trotz unentwegten Schattens an seiner Seite mit zehn Treffern einen Glanztag erwischte. Zum anderen an Heiko Hoyler, der im zweiten Durchgang trotz Verletzungs-Handicaps für Torgefahr und damit Entlastung auf der halblinken Rückraumseite sorgte.

In einem Spiel, das zunehmend hart und hektisch wurde, tat Brodbeck in der Pause das einzig Richtige, indem er versuchte, seiner Mannschaft Ruhe und Besonnenheit einzuimpfen. „Wir wissen, dass wir in punkto Cleverness noch einige Defizite haben“, meint Owens Trainer, der an diesem Tag das Positive sehen wollte: „Was das Tempo anbelangt, war dies ein Schritt dorthin, wo wir hin wollen.“ Ein klares Signal an künftige Gegner, dass da heißen soll: Wir können noch besser. Lichtblicke gab es aus Gastgebersicht tatsächlich mehrere. Die häufig beklagte weil fehlende Kaltschnäuzigkeit im Owener Spiel, scheint einer im Blut zu haben: Simon Wager demonstrierte einmal mehr, wie man auch aus scheinbar ausweglosen Situationen Tore macht. Am Ende waren es sieben an der Zahl. Der Neuzugang aus Göppingen, der bei der Turnerschaft noch häufig mit der Rolle des Bankdrückers vorlieb nehmen musste und dem hartnäckig der Ruf eines Luftikus anhaftet, ist auf der rechten Außenposition die vielleicht auffälligste Erscheinung in der neuen Saison. „Wir kennen seine Qualitäten“, sagt Trainer Markus Brodbeck. „Nur gelingt es ihm nicht immer, diese abzurufen.“ Lob gab es am Sonntag auch für den erst 19-jährigen Jörn Lehmann. Verdientermaßen: Mit welcher Entschlossenheit der wieselflinke Lockenkopf als Staubsauger vor der Abwehr agierte, war aller Ehren wert.

Am kommenden Sonntag müssen die Owener beim Aufsteiger in Zizishausen antreten, danach geht es auf die Alb zum Angstgegner TSV Grabenstetten, dem mutmaßlich härtesten Konkurrenten im Kampf um den Aufstieg. Für Brodbeck ist die Favoritenrolle keine Bürde: „Die Mannschaft ist stabil genug, um auch Rückschläge wegzustecken“, ist er überzeugt. Dass sieben Spiele ohne Niederlage den Leichtsinn beflügeln – keine Gefahr. „Das sind alles anständige und bodenständige Jungs“, sagt der Trainer. „Da hebt keiner ab.“