Lokalsport

Gühring nicht mehr im VfL-Tor

Kirchheimer Keeper nimmt eine Auszeit

Personeller Paukenschlag an der Jesinger Allee: Patrick Gühring, Kapitän und Torwart von Fußball-Oberligist VfL Kirchheim, steht der Mannschaft ab sofort nicht mehr zur Verfügung. Der bis 2011 laufende Vertrag des 28-Jährigen wurde auf seinen Wunsch hin bis Saisonende stillgelegt – ein Schritt, der nicht nur den Trainer überrascht.

Peter Eidemüller

Kirchheim. „Für mich kam das wie aus heiterem Himmel.“ So die erste Reaktion von VfL-Trainer Rolf Baumann auf die Entscheidung der etatmäßigen Nummer eins im Kirchheimer Tor, seinen Posten zwischen den Pfosten zu räumen: Patrick Gühring hat die sportliche Leitung des abstiegsbedrohten Fußballoberligisten gebeten, seinen Vertrag bis zum Saisonende stillzulegen. Nachdem gestern alle Versuche scheiterten, eine Stellungnahme des 28-Jährigen zu erhalten, kann über die Gründe nur gemutmaßt werden.

Der Trainer ist sich sicher, „dass es nichts mit mir oder der Mannschaft zu tun hat. Wir haben ihm keinerlei Druck gemacht“, so Rolf Baumann. Der ehemalige sportliche Leiter der Teckstädter, Norbert Krumm, will erfahren haben, dass Gühring „ausge­laugt und müde“ sei und deshalb eine Auszeit brauche. In der Tat waren die vergangenen Monate nicht einfach für den Keeper. Im November hatte er eine wahre Mammut-Operation am Knie, in dem Patellasehne, Kreuzband, Knorpel, Meniskus, Kniescheibe und -kehle lädiert waren. Gut möglich also, dass Gühring einfach noch ein bisschen mehr Zeit in Anspruch nehmen will, um wieder ganz zu Kräften zu kommen.

Allerdings ist es auch kein Geheimnis, dass ihn und Rolf Baumann nicht das beste Verhältnis verbindet. Nach dem Abgang von Ex-Kapitän Mario Grimm Anfang Dezember hatte Gühring den Unmut des Trainers auf sich gezogen, als er „tiefe Gräben“ im Team ausmachte, in deren Folge Grimm dem VfL den Rücken kehrte. Zwar war die Angelegenheit nach einem klärenden Gespräch wieder bereinigt, doch dürfte es dem als sensibel geltenden Gühring sauer aufgestoßen sein, dass Baumann bei Vorbereitungsbeginn Anfang Januar auf der Torwartposition den Konkurrenzkampf ausrief – für den Mann, der seit der Saison 2004/05 im Kirchheimer Tor gesetzt war, gab‘s plötzlich keine Stammplatzgarantie mehr. Gegen die Theorie des gekränkten Keepers spricht allerdings, dass Gühring seinen Vertrag nicht auflösen sondern stilllegen ließ. Bei einer Auflösung hätte er den VfL im Sommer verlassen können, bei einer Stilllegung müsste ein interessierter Klub Ablöse zahlen. Zudem bleibt Gühring dem Verein weiterhin als Torwarttrainer im Jugendbereich erhalten, was bei einem vermuteten Bruch mit dem VfL kaum der Fall gewesen wäre.

Gührings Rückzug eröffnet nun dem Mann die Chance, der ihn bereits in den letzten drei Spielen 2008 vertreten hat: Philipp Uttikal könnte mit seinen 19 Jahren die neue Nummer eins im VfL-Gehäuse werden. Hinter ihm stehen noch die Nummer drei, Edgar Porada (20), Kreisligakeeper Michael Stowers (22) und A-Jugendgoalie Denis Jercic (19) bereit. „Wir haben eine gute Dichte an Torleuten“, glaubt Rolf Baumann, „die Möglichkeit, Patricks Ausfall zu kompensieren, ist da.“ Allerdings ist auch nicht ausgeschlossen, dass der Verein bis zum Ende der Wechselfrist am morgigen Samstag noch auf dem Transfermarkt aktiv wird. „Das entscheiden wir kurzfristig“, so Geschäftsführer Walter Rau.

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