Lokalsport

Gummersbach wie entfesselt

Beim Lenninger Handball-Jahresevent, dem Vorrundenspiel anlässlich des Universa-Cups, deklassierte der VfL Gummersbach Frisch Auf Göppingen mit 43:30 (27:16): Balsam für die einen, Frustnummer für die anderen.

RUDI DÖLFEL

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LENNINGEN Nach Spielende, bei der Pressekonferenz, hatte FA-Hallensprecher Karl-Heinz Beck VfL-Trainer Alfred Gislasson und dessen Antipoden Velimir Petkovic als Gesprächspartner. "Herr Petkovic, was war los mit Frisch Auf heute?" Petkovic flüchtete sich in Sarkasmus: "Nichts war los. Wir hatten einfach keine Lust, mit so einer guten Mannschaft wie Gummersbach Handball zu spielen."

Der FA-Coach weiß jetzt, was in den nächsten Wochen noch zu verbessern ist. Überrascht von der Göppinger Magerleistung war auch Gislasson: "Ich weiß nicht, was mit Göppingen los war. Uns ist in diesem Spiel hingegen alles gelungen." Gummersbach nun Topfavorit des Turniers? Der Isländer aus Gummersbach wiegelte ab: "Dieses Spiel sagt wenig aus. Die Mannschaft wird sich weiterentwickeln."

Für die fast 550 Zuschauer in der proppenvollen Sporthalle stellt sich indes die Frage: Ist die Gummersbacher Spielkultur noch zu toppen? Solch einen Klassehandball hatte das Täle noch nie erlebt. Der bergische IC überrollte förmlich den Filstal-Express, der nie auf Touren kam. Nach zehn Minuten lag Frisch Auf 2:9 zurück, musste blitzschnelle Angriffsvarianten und fehlerfreies Passspiel über sich ergehen lassen die FA-Abwehr sah unverhofft oft schlecht aus. Nun legte Petkovic den Grünen Karton auf den Tisch, das Problem: Seine Ansprache kam nicht an. Frisch Auf konnte die eigenen Angriffe nicht strukturiert vortragen.

Anders die Blauen aus dem Bergischen. Im Angriff und in der Abwehr war Gummersbach einfach schneller und ballsicherer. Wie gut eingespielt sich die Gislassons-Sieben präsentierte, zeigte eine Szene, in der im "Tiefparterre" der Ball vor der Frisch Auf-Abwehr entlang lief und Robert Gunnarsson mit einem "Taucher" zum 11:5 (14.) abschloss. Staunend mussten selbst eingefleischte FA-Fans anerkennen, wie präzise Sigurdsson und Co. ihre Angriffsmaschinerie in Gang setzten. Beim Champions-League-Teilnehmer fügten sich alle Neuerwerbungen nahtlos ein. Blauer Angriffswirbel ließ die Yoon-Ära glatt vergessen.

Und Göppingen? Das Grün-Weiße-Zeugnis fiel schlecht aus in Lenningen: Sie bemühten sich zwar stets, doch Michael Kraus konnte dem Angriff keine Impulse geben. Sein Widerpart Bennet Wiegert spielte wesentlich effizienter. Jürgen Lehmann ("Leos Sportmarketing"), der dieses Spiel nach Lenningen geholt hatte, kommentierte die Göppinger Leistung so: "Ein Glück, dass Heiner Brand nicht in der Halle ist." Der Bundestrainer hätte an diesem Abend nur Freude am VfL gehabt. Selbst FA-Torsteher Martin Galia war gefrustet. Viel zu oft ließen ihn seine Vorderleute im Stich. Auch Anfeuerungen von den Fans nutzten wenig. Allein Christian Schöne und Volker Michel mit seinem Strafwurf-Pflichtprogramm hoben sich leistungsmäßig etwas ab: Petkovics Anweisungen liefen weitgehend ins Leere.

Da zeigten sich Gislassons Spieler wesentlich konzentrierter. So in der 27. Minute, als ein Schiedsrichter Zeitspiel anzeigte. Ein kurze Ansage des Isländers zu Daniel Narcisse, und dieser tanzte seinen Gegenüber aus 23:12. Nach zwei geblockten FA-Angriffen zeigte Gudjon Sigurdsson, warum er in der Saison 2005/2006 Bundesliga-Torschützenkönig war. Beide Male allein vor Galia, ließ er ihm keine Chance das 25:12. Absolut professionell agierte Gislasson 20 Sekunden vor dem Halbzeitpfiff: Er nahm eine Auszeit, um Narcisse auf ein Tor einzuschwören. Der düpierte beim Eins-gegen-Eins FA-Neuzugang Maciej Dmytruszynski und traf zum 27:16.

Auch in Abschnitt zwei gelang es Frisch Auf nicht, den Gummersbacher Tempohandball wirkungsvoll zu stören. VfL-Neuzugang Vedran Zrnic tanzte wie ein Irrwisch durch die FA-Abwehr. Die Rückennummer 77 wurde für den jetzt im Göppinger Tor stehenden Michal Shejbal zum Albtraum. Fürs Publikum war klar: Ohne Spielmacher und Abwehrorganisator kann Frisch Auf den VfL nicht stoppen. Zudem stellten sich bei den Schwaben immer häufiger technische Fehler ein. Dadurch kamen die Bergischen durch Sigurdsson und Zrnic zu leichten Toren. Gummersbach spielte weiterhin mit hohem Tempo. Technische Fehler: Fehlanzeige.

Erst gegen Ende der Partie, als sich der Gummersbacher Kantersieg deutlich abzeichnete, konnten Göppingens Jaliesky Garcia und Michael Schweikardt die Torstatistik etwas schönen.