Lokalsport

"Gute Haltungsnoten" im Staub von Madrid

In der Gluthitze von Madrid schrieben die Fumic-Brüder erneut eine Renngeschichte im Konjunktiv: Ohne Sturz und ohne Kettendefekt hätten beide unter die ersten Fünf fahren können. So blieben die Plätze sechs und 21. Olympiasieger Julien Absalon (Frankreich) gewann vor dem Spanier Jose Hermida.

EDGAR VELOCI

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MADRID Wie schon beim Weltcup-Auftakt in Spa-Francorchamps drückte sich das Potenzial von Lado und Manuel Fumic nicht in der Ergebnisliste aus. Dafür musste man schon die Analyse der Rundenzeiten zur Hand nehmen oder das Rennen ganz aus der Nähe beobachtet haben. Bestzeiten von Lado in Runde fünf und sechs des Rennens über insgesamt sieben Runden, Bestzeit von Manuel in Runde vier.

Während der jüngere des Brüderpaares aus der dritten Startreihe die vorderste Gruppe von zehn Fahrern nicht erwischte, mischte Lado vorne mit bis zur dritten Runde, als er nach einem Sturz Bekanntschaft mit dem staubigen Boden des Madrider Stadtparks machte. "Gute Haltungsnoten" attestierte BDR-Teamarzt Dr. Olaf Schumacher sarkastisch dem Kirchheimer, der nach eigenem Bekunden ein Loch unter der Staubdecke übersehen hatte. Dadurch verlor er nicht nur Zeit, sondern auch den Rhythmus. Ohne Windschatten war es auf der schnellen Strecke im Casa del Campo kaum möglich, einen Rückstand wettzumachen. Zumal die Spitzengruppe gewaltig Tempo machte.

Manuel Fumic kämpfte sich mit Ex-Teamkollege Bart Brentjens nach vorne, und als der Rückstand auf die Spitze nur noch 25 Sekunden betrug, keimte Hoffnung. Doch an achter Position liegend erwischte auch den U23-Weltmeister das Pannenpech. In einem Streckenteil mit Stufen sprang ihm die Kette herunter und verbog sich. Manuel Fumic fiel zurück, wechselte an der Technical Zone die Kette und wurde am Ende noch 21. mit fünfeinhalb Minuten Rückstand.

"Ich bin sehr enttäuscht, meine Beine wären super gewesen", haderte der Pechvogel vom Dienst im Ziel mit dem Schicksal. An den kurzen, knackigen Anstiegen hatte er jedes Mal Zeit aufgeholt, doch vorne musste Lado jetzt alleine Tempo machen. Nachdem dieser seinen Rhythmus wieder gefunden hatte, schob er sich noch auf den sechsten Platz nach vorne. Elf Sekunden fehlten ihm am Ende auf den fünftplatzierten Marco Bui (Italien). Olympiasieger Julien Absalon (Frankreich) entschied ein begeisterndes Rennen am steilsten Stück der letzten Runde für sich und gewann 15 Sekunden vor Jose Hermida (Spanien) und dem Dritten Christoph Sauser (Schweiz).

Stefan Sahm (Giant Racing) war enttäuscht über Rang 60 (11.57 zurück). Aus einer hinteren Startreihe versuchte der Bissinger schnell Boden gut zu machen und ließ dabei zu viel Kraft auf der Strecke. Zu allem Überfluss verlor er zum wiederholten Mal eine Kontaktlinse und musste über fünf von sieben Runden mit diesem Handicap fahren. "Madrid sollte ich vielleicht in Zukunft meiden", stellte er frustriert fest.

Auch Marc Gölz durfte nur zwei Runden lang auf eine gute Platzierung hoffen. Der Weilheimer hatte offensichtlich gute Beine, arbeitete sich schnell unter die besten 60 nach vorne. Dann handelte er sich allerdings einen Defekt ein und musste 500 Meter bis zum Radwechsel schieben. Er verlor seinen Rhythmus, kämpfte aber weiter, um sich später noch den Umwerfer zu verdrehen. In der vorletzten Runde wurde er aus dem Rennen genommen, weil er mehr als 80 Prozent der Rundenzeit als Rückstand aufwies. "Ich würde gerne einmal ein Rennen zu Ende fahren", regierte auch bei ihm im Ziel der Frust.

Die deutschen Damen hatten mit Sabine Spitz als Dritte hinter Gunn-Rita Dahle (Norwegen) und Marie-Helene Premont (Kanada) eine Fahrerin auf dem Podium. Auch die Plätze zehn für Ivonne Kraft (Gaggenau), zwölf für Katrin Schwing (Mosbach) und 16 für Adelheid Morath (Freiburg) waren Anlass zur Freude.