Lokalsport

"Haben Potenzial für den Oberliga-Aufstieg"

Seit rund sieben Monaten hat der Kirchheimer Unternehmer Dr. Jörg Mosolf (50) das Amt des VfL-Fußballabteilungsleiters inne. Seine Zwischenbilanz fällt positiv aus, denn sportlich und wirtschaftlich geht's mit dem Club aus der Teckstadt längst wieder aufwärts.

THOMAS PFEIFFER

Anzeige

KIRCHHEIM Im nachfolgenden Interview spricht Dr. Jörg Mosolf nicht nur über die sportlichen Perspektiven der VfL-Fußballer, sondern auch über Schuldenabbau, neue Finanzspielräume und persönliche Motive.

Gut sieben Monate sind Sie nun VfL-Abteilungsleiter Fußball. Zufrieden mit dem, was inzwischen geleistet wurde?

Ich kann sehr zufrieden sein. Nachdem wir ursprünglich eine Bestandsaufnahme gemacht hatten, haben wir die Finanzen inzwischen neu geordnet. Jetzt hat die VfL-Fußballabteilung deshalb wieder eine echte Perspektive und finanziellen Handlungsspielraum, weil sie nicht mehr wie im Vorjahr 13 200 Euro, sondern ab dem 1. Januar 2007 nur noch etwa 3 000 Euro pro Jahr zur Schulden

tilgung aufbringen muss. Das Beste ist: Bis spätestens zum Jahr 2017 wird der VfL Kirchheim gänzlich schuldenfrei sein.

Ursprünglich hieß es einmal, die letzte Ratenzahlung zur Darlehenstilgung könne frühestens im Jahr 2027 erfolgen.

Das ist überholt. Nach einer Umschuldung haben wir mit dem Hauptverein der ja Darlehensnehmer mit der Bank ist eine Vereinbarung getroffen, wonach die Fußballabteilung auf bestimmte Werbeeinnahmen zugunsten des Gesamtvereins verzichtet und wiederum nur einen Teil der ihr zustehenden Beitragsrückführungen erhält. Im Gegenzug ist der Fixbetrag, den die Abteilung dem Hauptverein regelmäßig überweist, geringer. Diese Neuregelung erlaubt, dass die Fußballabteilung finanziell unabhängig planen kann. Wir sind sozusagen wieder autark geworden.

Was erfreulich ist . . . Einstens betrugen die Altschulden laut VfL-Auskunft schon mal umgerechnet fast 400 000 Euro. Wie hoch sind die VfL-Verbindlichkleiten heute?

Mit Stand 30. Juni 2006: Sie betragen knapp 250 000 Euro. Wie gesagt, der Verein wird schneller als erwartet wieder schuldenfrei sein. Dank sagen muss ich in diesem Zusammenhang der VfL-Vorstandschaft und sämtlichen Abteilungen, die das Finanzkonzept mittragen und bei der entscheidenden Abstimmung im Hauptausschuss Mitte September auch einstimmig dafür votierten.

Wir müssen Ihnen gratulieren zur zweifachen Tabellenführung. Erst gelang das den VfL-Fußballern durch einen 2:0-Sieg über den TSV Schwieberdingen am vergangenen Samstag, tags später glückte dem VfB Stuttgart, dem Sie in der Bundesliga ja die Daumen drücken, dasselbe Kunststück.

Fußballerisch war das ein glücklicher Tag für mich. VfL gegen Schwieberdingen: Das war ein sehr gutes Verbandsliga-Spiel, und es freut mich, dass Michael Kutscher als junger, guter VfL-Spieler keine Ausnahme ist. Ebenso super ist unsere Abwehr, wie sich einmal mehr gezeigt hat. Großes Lob an unseren Trainer Michael Rentschler, der in diesen Tagen die Früchte seiner Arbeit erntet.

Gelingt dem VfL in dieser Saison der Oberliga-Aufstieg?

Ungeachtet der momentanen Spitzenstellung bleibt das angestrebte Ziel, unter die ersten fünf Mannschaften zu kommen. Trotzdem sage ich: Unsere Mannschaft, die in jedem Spiel weiter reift, hat das Potenzial für den Aufstieg. Im schlimmsten Falle könnte es im neuen Jahr freilich auch zu einer ungeahnten sportlichen Krise kommen. Erst dann wird sich zeigen, inwieweit unsere junge Mannschaft schon gefestigt ist.

Mit Walter Rau hat die VfL-Fußballabteilung einen bezahlten Geschäftsführer und Jugendleiter. Ist dieser Mann eine Art Sponsorengeschenk an den VfL, oder sehen Sie den hauptamtlichen Manager für Clubs in Größenordnung des VfL einfach nur als unabdinglich an?

Der bezahlte Geschäftsführer und Jugendleiter ist Bestandteil der geltenden Sponsorenverträge. Meines Erachtens braucht jeder Verein, der in einer oberen Amateurspielklasse nachhaltigen Erfolg will, solch eine bezahlte Kraft. Solch ein Posten war eine meiner Bedingungen für einen Einstieg als VfL-Abteilungsleiter. Ohne ihn hätte ich nicht zur Verfügung gestanden.

Wenn ein bekannter Unternehmer Fußball-Funktionär wird, fragt sich jeder nach dessen Motiv. Ihres?

Bei mir ist es der Spaß, mit erfolgsorientierten Menschen in einem Verein zusammenzuarbeiten, ebenso die Freude daran, etwas wenn man an die Jugendspieler denkt im Sinne von "sozial" zu tun. Hinzu kommt, dass meine Ehefrau Cristina Brasilianerin ist. Wenn jemand fußballbegeistert ist, dann sie.

In Hoffenheim versucht mit Dietmar Hopp ein milliardenschwerer Ex-Unternehmer derzeit, einen Verein nach oben zu bringen. Eine Leicht-Version des Hopp-Modells denkbar für Kirchheim?

Ich halte das Hopp-Modell für gefährlich. Erstens polarisiert der Mann im Umfeld sehr stark, zweitens könnte er eines Tages ja auf die Idee kommen, wieder abzuspringen. In diesem Fall könnte sich die finanzielle Abhängigkeit, in die sich der Verein jahrelang begeben hat, mit einem Male empfindlich rächen.

Noch nie in den letzten Jahren standen die VfL-Fußballer besser da als in Ihrer noch recht jungen Amtszeit, und gut möglich, dass man Sie 2008, bei den nächsten Neuwahlen der Fußballabteilung, um eine weitere Amtsperiode bitten wird. Sind weitere zwei Jahre als VfL-Abteilungsleiter eine Option für Sie?

Das kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Dieser VfL-Job ist absolutes Neuland für mich, und ich will erst einmal sehen, wie viel sich damit erreichen lässt. Auf alle Fälle möchte ich den Verein mittelfristig nach vorne bringen.