Lokalsport

Hält der Nimbus der Siegeshalle?

Wegen des Bundesliga-Wettkampfs der Ötlinger Sportschützen (siehe Artikel auf dieser Seite) müssen die Kirchheimer Zweitliga-Basketballer zum Spiel gegen den TV Langen am morgigen Samstag in die Walter-Jacob-Halle (Beginn um 19.30 Uhr) ausweichen.

MAX DANIEL

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KIRCHHEIM Wasserschäden, BDS-Messe, diesmal die Ötlinger Sportschützen: Der Ausflug in die Halle des Schlossgymnasiums ist für die Knights nichts Ungewöhnliches in den vergangenen sechseinhalb Jahren, seit die Sporthalle Stadtmitte zur Heimspielstätte wurde. Verloren haben sie dabei nie, offensichtlich bekommt die heiße Atmosphäre den Basketballern hervorragend. Die meisten werden sich noch gut an die letzten vier Spiele im Frühjahr erinnern, als Karlsruhe, Weißenhorn, Heidelberg-Kirchheim und Freiburg auf dem Weg zur Regionalliga-Meisterschaft in unglaublich dramatischen Spielen bezwungen wurden.

Und jetzt also der TV Langen, nach Abschluss der Vorrunde immerhin mit zehn Siegen und nur fünf Niederlagen der Tabellenfünfte der zweiten Liga Süd. Bei den Hessen, mit 30 Jahren Zugehörigkeit der "Methusalem" der zweiten Liga, gelang den Knights zum Saisonauftakt der bisher größte Coup. Das 77:71 am 30. September überraschte nicht nur die Fachwelt und ließ mittelfristig die Ansprüche im Umfeld des VfL gewaltig steigen. Zusammen mit dem Sieg zwei Wochen später in Lich blieb das aber die einzige Knights-Sensation und für Langen der einzige echte Ausrutscher.

Warum sollte das nicht wiederholt werden können? Offensichtlich liegen die Langener der Truppe von Pasko Tomic, zu der erst am Donnerstag der frische vermählte Alex Zyskunov hinzu stieß. Von nun an wohnt der Center übrigens in Kirchheim, die nervraubende Fahrerei fünfmal die Woche von Karlsruhe entfällt. Man hat sich schon einiges ausgedacht, um den 2,09-Meter-Mann in die Form zu bringen, die letzten Endes den Klassenverbleib sichern soll. Denn so viel ist klar: Ohne einen starken Center wird das nichts werden.

Bei Langen war bis gestern Abend noch nicht klar, ob der Star des Teams am Samstag nach Kirchheim oder nach Ulm reisen wird. Dominik Bahiense di Mello vom Kooperationspartner Skyliners Frankfurt machte bisher 14 der 17 Bundesligaspiele des Erstligisten mit, spielte dabei im Schnitt knapp zehn Minuten und erzielte drei Punkte pro Spiel. Ganz anders seine Werte in Liga zwei: fünf Spiele, 20,8 Punkte. Allerdings nützte sein Einsatz bei den Spitzenspielen gegen Kaiserslautern (65:94), in Bayreuth (80:86) und vergangenen Samstag gegen Chemnitz (76:78) dann auch nichts. Trotz nur vier Punkten Rückstand auf das Führungstrio denkt deshalb in Langen niemand über die Meisterschaft und den Aufstieg in die BBL nach.

Schließlich ist Langen seit Jahrzehnten ein vorbildlicher Basketball-Ausbildungsbetrieb, und dieses Konzept wäre in der ersten Liga nicht mehr durchzuhalten. Neun Spieler im 15er-Kader von Coach Frankie Ignjatovic, Kirchheimern als Trainer von Ober-Ramstadt aus der Aufstiegsrunde 2004 bekannt, sind jünger als 21 Jahre. Die interessantesten Talente, alles aktuelle oder ehemalige Jugendnationalspieler: Robin Benzing (2,08 m), der am kommenden Mittwoch erst 18 wird, Patrick Taubert (1,98 m, 20), Kai Barth (1,85 m, 17), Sebastian Barth (1,92 m, 21) und Max Weber (2,01 m, 21), im Sommer noch an der Angel der Knights, dann in Spanien im Gespräch und am Ende doch in der zweiten Liga. Angeführt werden diese jungen Wilden von zwei starken Amerikanern: Aufbauspieler LyRyan Russel und Center Ty Shaw (2,02 m), der nach dem schwachen Auftakt gegen die Knights inzwischen noch vor dem Ehinger Adam Waleskowski und dem Nördlinger Cedric Brooks zum effektivsten Spieler der Liga avanciert ist.

Viel (junges) Holz, das da auf die Knights zukommt, aber bange machen gilt nicht. Die Festung Schlossgymnasium soll gehalten werden, der Nimbus der Siegeshalle gewahrt bleiben.