Lokalsport

Henzlers "amerikanischer Traum"

Zehnstündige Anflugzeiten, Jetlag und nicht immer saubere Rennbedingungen machen Wolf Henzler nichts aus: Der Porsche-Profi aus Nürtingen wird auch im kommenden Jahr wieder US-amerikanische GT-Serien bestreiten.

THOMAS PFEIFFER

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NÜRTINGEN Nürburgring, Magny Cours, Misano, Hockenheim: Das war einmal. Auf den meisten Rennstrecken Europas hat Wolf Henzler (30) gegen schnelle Fahrerkonkurrenz schon schnelle Runden gedreht. Eine Zeit, die abgelaufen ist. "Nach 2005 fahre ich auch 2006 wieder ausschließlich auf amerikanischen Rennstrecken", sagt Henzler. Die erneute Legitimation für den kostenlosen Eintritt in legendäre US-Motodroms wie Laguna Seca, Sebring oder Portland hat er seit neuestem schwarz auf weiß: Ein Vertrag mit dem Rennstall "Tafel Racing" und dessen Manager Tony Dow für einen Porsche-Fahrerjob in der Rolex-GT-Sportwagenserie ist ausgehandelt und unterschriftsreif. "Die Sache ist wasserdicht", sagt Henzler.

Der Nürtinger, langjähriges Mitglied des Motorsportclubs Kirchheim/Teck (MCKT), fuhr seine Porsche-GT-Boliden in der vergangenen Saison für verschiedene Rennställe zwei Mal auf Gesamtrang vier, doch ein "big shot", wie der Amerikaner sagt, war nicht darunter. Henzler im kritischen Saisonrückblick '05: "Der vierte Platz in der American Le Mans Series war okay, weil ich ja erst nach dem dritten Rennen eingestiegen bin, der vierte Platz im GT-2-Klassement der Speedworld Challenge eher enttäuschend." Doch Henzler, in Europa Porsche-Supercupsieger 2004 und in Übersee deswegen zu Jahresbeginn mit Vorschusslorbeeren begrüßt, fühlt sich nicht als Verlierer. Eher als "Opfer" unsportlicher Konkurrenz. "Ich glaube schon, dass Corvette und Cadillac etwas dagegen hatten, dass ein Porschefahrer in Amerika eine Gesamtwertung gewinnt." Mancher Crash, in den der deutsche Leichtbau-Sportwagen während eines der zahlreichen Rennen mit den schwereren und robusteren US-Cars verwickelt war, kam Henzler ("vielleicht gab es Absprachen") im Nachhinein spanisch vor.

Ein entgangener Titelgewinn, eine in letzter Minute verpasste Markenmeisterschaft noch immer reitet den Porscheprofi aus der Hölderlinstadt ein wenig der Frust, wenn er die letzten sieben Rennmonate Revue passieren lässt. Doch Henzler wäre nicht Henzler, würde er klein beigeben. "Ich will einen Titel im amerikanischen GT-Sport", sagt er. Und dieses über seinen neuen Rennstall, mit dem er vier Wochen lang verhandelte und vor wenigen Tagen zum Abschluss kam: "Tafel Racing ist hoch ambitioniert, die Rolex-GT-Serie zu gewinnen." Mit Henzler als Fahrer, der einen brandneuen, über 400 PS starken Porsche GT 3 997 pilotieren wird. Neues Auto, neues Glück?

Henzler, im US-amerikanischen GT-Sport als Fahrergröße fest etabliert und dank permanenter Pay-TV-Übertragungen Millionen von Motorsportfans bekannt ("in Amerika bin ich populärer als in Deutschland"), will in Übersee 2006 das sportliche "Turnaround" schaffen endlich auf einen Treppchenplatz. So wie in den Jahren 1995, 1998 (jeweils Gesamtdritter der Formel 3) und 2004 (Vizemeister im Carrera-Cup) in Deutschland. Seinen Ausstieg aus der von ihm eher ungeliebten Speedworld-Challenge ("die Organisation ist nicht gut") und den Einstieg in die Rolex-GT-Serie sieht der Supercupzweite von 2003 und Supercup-Meister 2004 als Fortschritt. "Diese Serie ist in den USA viel populärer als die Speedworld- Challenge, wird besser organisiert und vermarktet."

Irgendwann im Frühjahr, bevor die Rennserie ihr Auftaktrennen hat, wird Henzler wieder in die USA fliegen. "Den neuen Wagen testen, die Abstimmungen vornehmen." Danach beginnt für ihn eine terminvolle US-Rennsaison mit 14, 15 oder 16 bis zu zehn Stunden dauernden Luftreisen. Bis in den Herbst hinein dauert die US-GT-Saison, doch Henzler weiß nur zu gut um den Stress, den er sich da regelmäßig vor den Rennwochenenden antut. "Im Flugzeug saß ich in der vergangenen Rennsaison ein Vielfaches von dem als in meinem Sportwagen", weiß er.

Längst ist Henzler zum Vielflieger geworden sein "amerikanischer Traum" vom Gewinn einer Sportwagenmeisterschaft im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verlangt's.