Lokalsport

Hermida, Absalon: Favoriten sind andere

Kluisbergen in den belgischen Ardennen ist am kommenden Sonntag der Schauplatz der Mountainbike-Europameisterschaft. Für die Profis aus der Region ist es eines von zwei verbliebenen Saisonhighlights.

EDGAR VELOCI

Anzeige

KLUISBERGEN Viermal hintereinander hat Lado Fumic bei den Europameisterschaften eine Medaille geholt. Bisher war kein Gold dabei. "Eine Goldene wäre nicht schlecht", schmunzelt der Kirchheimer. Dass er nicht zu den hoch gehandelten Figuren zählt, wird ihn nicht kümmern. Das war auch letztes Jahr nicht so trotzdem kam er aus Polen mit Silber zurück. Häufig hat Fumic bewiesen, dass er sich auf einen Saisonhöhepunkt konzentrieren kann.

Manuel Fumic setzt voll auf seinen Bruder. "Lado ist ziemlich fit", sagt er. Eine Fitness, die auf fünf Wochen Rennpause basiert zählt man den Albstadt-Marathon nicht mit. Eine Pause, die für Beide ungewöhnlich ist vor einem Höhepunkt, eine Pause, die ein wenig im Ungewissen lässt über den eigenen Zustand. "Ich weiß nicht, wie ich meine Beine einschätzen soll. Aber mit Rennen dazwischen hätte ich nicht so gut trainieren können", weiß Manuel Fumic. Er hat sich vorgenommen, in die Top-Ten zu fahren.

Um die Medaille soll der sechs Jahre ältere Bruder kämpfen. Die käme Lado Fumic schon deshalb gelegen, weil sie vermutlich die Sponsorensuche für die Zukunft erleichtern würde. "Es ist immer positiv, wenn man eine internationale Medaille gewinnt. Wenn es nicht klappt, ist es auch nicht so schlimm: Ein Mensch ist keine Maschine", versucht Lado Fumic den Ball flach zu halten. Unter Druck sieht er sich in Kluisbergen nicht. Er redet von einem "guten Gefühl", das er habe, und dem Versuch, eine "Super-Leistung" abzurufen.

Die EM in Kluisbergen ist neben der WM Ende August der einzig verbliebene Saisonhöhepunkt. Der eine oder andere europäische Top-Biker wird die EM auslassen, um sich ganz auf die Weltmeisterschaft zu konzentrieren, die meisten aber werden da sein. Zum Beispiel Titelverteidiger Jose Antonio Hermida (Spanien) und Ralph Näf (Schweiz), die mit Lado Fumic 2004 auf dem Podium standen. Aber auch Olympiasieger Julien Absalon (Frankreich) will Europameister werden und der belgische Lokalmatador Roel Paulissen erst recht. Es könnte am Ende also auch ein fünfter Platz für Lado Fumic zu Buche stehen selbst nach einem guten Rennen.

Vielleicht stapelt U23-Europameister Manuel Fumic vor seiner ersten Elite-EM etwas tief? Ohne seine Defekt-Serie wäre es bisher eine "Wahnsinns-Saison" für ihn gewesen, befindet er. Doch die Ausfälle nagen an ihm, haben ihn etwas vorsichtiger werden lassen. Falls Manuel Fumic ohne Probleme durchkommen kann, könnte er den Favoriten freilich durchaus einen Schrecken einjagen: Das zackige Kursprofil ist nicht nachteilig für ihn.

Auch Stefan Sahm backt verbal kleine Brötchen. "Primär will ich ins Ziel kommen. Bei Europameisterschaften ist mir das zuletzt nicht gelungen", sagt er. 2004 und 2003 schied er jeweils mit Defekt aus, 2002 musste er auch reparieren und hatte keine Chance mehr auf ein gutes Ergebnis. Trotzdem hat der Bissinger positive Erinnerungen an Polen. Mit dem Team gab es im Staffelrennen Silber.

Selbstbewusster dank Sieg

Die fünftägige Sachsentour zuletzt hat Sahm besser überstanden als die Jahre zuvor. "Entweder ich war fitter oder es wurde ruhiger gefahren", bilanziert er. "Bisher war es immer so, dass eine Woche nach der Rundfahrt die Beine noch nicht so richtig frisch sind, dass die Spritzigkeit fehlt." Vielleicht kann er am Sonntag (14 Uhr) mit guten Beinen am Start stehen. An Selbstbewusstsein wird's Sahm diesmal nicht fehlen. Der Bundesliga-Sieg in Sankt Märgen sein erster Sieg überhaupt hat ihm einen zusätzlichen Schub verliehen.