Lokalsport

Hier der Teamstar, dort das Kollektiv

Mit unterschiedlichen Konzepten versuchen TCK und TCW, den Klassenerhalt zu stemmen

Duplizität der Ereignisse: Sowohl beim Tennisclub Kirchheim als auch dem Lokalrivalen TC Weilheim halten sie den (Filz-) Ball flach in diesen Tagen. Beide erste Herrenmannschaften sind zuletzt aufgestiegen – in der am Sonntag startenden Sommersaison 2010 verfolgen sie laut Selbstauskunft nur ein bescheidenes Ziel: nicht gleich wieder abzusteigen.

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Thomas Pfeiffer

Kirchheim/Weilheim. Mit dem TC Tübingen und dem TC Lauffen zwei Großkopfete, die vorne weg marschieren, dahinter die restlichen fünf Vereine, die irgendwie alle gegen den Abstieg kämpfen müssen: So stellt sich TCK-Trainer Jörn Kaiser in einer ersten Hochrechnung schon mal den Saisonverlauf in der Oberliga-Gruppe 14 vor. Auch für die eigenen Cracks sieht Kaisers Tennis-Tipp eine Rolle als Hinter- oder Mittelbänkler vor. „Viel wird vom ersten Spiel am Sonntag beim TC Weissenhof abhängen“, sagt er. Gewinnt der TCK in Stuttgart, weicht der erste große Druck.

Die TCK-Hoffnungen ruhen vor allem auf der neuen Nummer eins: Tony Holzinger, der ganz vom Tennis und fürs Tennis lebt, hat sich ambitioniert „sechs Siege in den sechs Spielen“ in sein Pflichtenheft geschrieben. Neben Severin Welter, der Nummer zwei, und Benjamin Dröge, der drei, ist der 26-Jährige TCK-Rückkehrer bei Kaiser als Spieler gesetzt. Nicht zuletzt auch wegen neuester Referenzen: Vom Zweitliga-Gastspiel beim französischen Club Clermont-Ferrant kehrte Holzinger „mit lauter Siegen“ (Kaiser) zurück.

Einer wird auf dem Weissenhof-Court allerdings fehlen: Mit dem 27-jährigen Arndt Ott fehlt die eigentliche Nummer vier wegen eines gerissenen Meniskus. „Arndt hat sich Mitte der Woche in München operieren lassen und fällt die komplette Saison aus“, sagt Kaiser. Alternativen wären die beiden ex-jugoslawischen Standby-Spieler Zoran Golubovic und Vedran Siljegovic gewesen – beide sagten wegen anderweitiger Verpflichtungen aber für die Partie ab, sodass die Kirchheimer morgen ohne starken Ausländer antreten müssen: ein Novum. „Wir gewinnen in Stuttgart trotzdem 5:4“, glaubt Kaiser.

Auch die Weilheimer, die den Sprung in die Verbandsliga schafften und damit erstmals „die Nummer sechs im Tennis-Bezirk sind“, wie TCW-Vorsitzender Bernd Mehring stolz anmerkt, erwartet zum Auftakt der sechswöchigen Rundenhatz ein vermeintlich enges Auswärtsspiel: Der VfL Sindelfingen 1862 gilt als ein Konkurrent im Tabellenkeller. „Es ist eine der Mannschaften, die wir schlagen können“, glaubt Mehring, der allerdings jeden Druck von Trainer David Jacobson und dessen Team nimmt: „Wenn der TC Weilheim absteigen sollte, dann steigt er eben ab. Es gibt Wichtigeres für uns als den Verbandsliga-Klassenerhalt, zum Beispiel den Ausbau der Tennisanlage mit eventuell einem weiteren Platz.“ Kostspielige Spielertransfers auf Kosten des Wohlfühl-Klimas im 372-Mitglieder-Club werde es in seiner Amtsperiode jedenfalls nicht geben.

Zuletzt gab es einen Billigtransfer beim TCW: Der letztjährige Pliezhausener Bezirksoberliga-Spieler Arne Deihle (22) kam für ein Nasenwasser und ist ab sofort die neue Nummer zwei hinter Andreas Dietrich (20). Mathematik-Student Deihle passt nicht nur finanziell (Mehring: „Wir bezahlen keinen Cent für die Spieler und nehmen nur solche, die nichts kosten“) als auch altersmäßig perfekt nach Weilheim: Der 19-jährigen Patrick Mehring (3), der 22-jährige Matthias Friedl (4), der 21-jährige Dennis Hübbe (5) und der 23-jährige Tobias Mehring (6) zählen allesamt zu seiner Generation. Die Mannschaft ist jung, ambitioniert und eingespielt – und der TCW-Chef wittert die Chance, den Ligaverbleib auch ohne Euro-Investitionen zu verwirklichen.

TC Weilheim – es ist der Gegenentwurf zum TC Kirchheim, der zwar auch in die Infrastruktur der eigenen Anlage investiert, aber traditionell ebenso in Spieler. Irgendwie sind sie in diesem Jahr aber Schicksalsgenossen: Beide kämpfen gegen den Abstieg. Zumindest nach offizieller Lesart.