Lokalsport

Hinauf kommen sie am Ende alle

Kaum hat das Christkind seine Koffer gepackt, hält der Winter mit aller Macht Einzug. Die weiße Pracht spaltet derzeit nicht nur Weihnachtsromantiker und Leid geprüfte Autofahrer. Auch unter den Teckläufern reicht vor der morgigen 24. Auflage des Kirchheimer Silvesterlaufs die Gefühlsspanne von furchtsam zurückhaltend bis hellauf begeistert.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM "Halb zog sie ihn, halb sank er hin. . .", so wie der Fischer in Goethes Gedichtzeile mag sich der eine oder andere Sportsfreund gefühlt haben, der am letzten Nachmittag des Jahres 2004 dem Lockruf der Teck erlegen war. Weniger dem Reiz der Liebsten als den körperlichen Strapazen war freilich manch weiches Knie geschuldet, das es an diesem Tag bis in den Burghof schaffte. Als lauerten auf den neun Kilometern vom Kirchheimer Rathaus hinauf zur Teck nicht schon genügend Tücken, verwandelte der himmlische Winterzauber die steilsten Passagen zu allem Überfluss in eine höllische Rutschbahn.

Das könnte in diesem Jahr nicht anders sein, denn wieder zeigt sich die Teck gerade rechtzeitig zum letzten lokalen Sportereignis des Jahres tief verschneit. Und wieder einmal gilt: Aufs richtige Schuhwerk kommt es an. Was dem Skifahrer der Griff in die Wachskiste, ist dem Jogger die Wahl der passenden Laufsohle. Zumindest für ambitionierte Läufer keine leichte Entscheidung, schließlich führt ein nicht geringer Teil der Strecke über meist schneefreien Asphalt. Überhaupt: Was die Streckenverhältnisse anbelangt, hat ein jeder der zuletzt mehr als 500 Teilnehmer seine eigenen Vorlieben. Während für die einen der Lauf durch die verschneite Winterlandschaft ungeahnte Glücksgefühle weckt, schreckt andere der Gedanke an eine kräftezehrende Rutschpartie. Hinauf kommen sie am Ende alle.

Wichtiger als eine gute Bodenhaftung ist jedoch auch diesmal, gut vorbereitet an den Start zu gehen. Wenn Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker Schlag 15 Uhr die Startpistole hebt, geht es weder um Zeiten noch um Platzierungen. "Dennoch legen wir die Strecke nur gut trainierten Läufern ans Herz", warnt Reinhard Köster vom Organisationsteam des VfL-Lauftreffs Debütanten vor übertriebenem Ehrgeiz. Zwar ist der Kirchheimer Silvesterlauf auch 2005 ein Breitensportereignis für Jung und Alt, doch ein Zuckerschlecken ist die Strecke beileibe nicht: Rund 450 Höhenmeter verteilen sich recht ungleichmäßig auf eine Distanz von neun Kilometern, die im Regelfall auch wieder retour bewältigt werden will.

Geht es bis hinter dem Dettinger Guckenrain anfangs noch gemächlich bergan, zerrt der berüchtigte "Ho-Tschi-Minh-Pfad" je nach Wetterverhältnissen erstmals gewaltig an den Kräften. Wem der Weihnachtsbraten zu sehr auf die Hüfte schlug, der wird hier meist mit ersten Gehpausen bestraft. Wohl dem also, der noch Reserven hat, denn wesentlich leichter wird es von da an kaum mehr. Im Gegenteil: Gleich nach der Schranke am Parkplatz Hörnle wartet das steilste Teilstück auf die Läufer. Hier walten die Gesetze der Schwerkraft mit ganzer Macht. Spätestens jetzt heißt es Abschied nehmen von hehren Ansprüchen an den eigenen Laufstil. Ankommen, lautet die Devise.

Wesentlich entspannter gestaltet sich der Rückweg. Wer will, kann vor dem Start einen Satz trockene Kleidung mit dem Begleitfahrzeug auf die Reise schicken und am Parkplatz Hörnle in Empfang nehmen. Dort sammeln sich die Läufer nach der Rückkehr von der Teck, um nach kurzer Verpflegungspause gegen 16.15 Uhr gemeinsam die letzten Kilometer zurück zum Ausgangspunkt in Angriff zu nehmen. Einen letzten Zwischenstopp legt der Pulk dann um 16.50 Uhr beim "Minimal"-Einkaufsmarkt am Gaiserplatz ein, damit auch Nachzügler beim großen Finale dabei sein können. Flankiert von den Fackelläufern des Kirchheimer Lauftreffs geht es die letzten Meter durch die Fußgängerzone bis vors Rathaus, wo heißer Punsch und Gebäck von den zahlreichen Helfern angeboten werden und zu einem stimmungsvollen Ausklang beitragen. Ein Großteil davon stammt wie immer aus Spenden der Kirchheimer Geschäftswelt, die ihre Restbestände von Silvester kostenlos zur Verfügung stellt.

INFODie Mitglieder des Lauftreffs der VfL-Leichtathletikabteilung, die mit mehr als 60 Helfern alljährlich die Organisation des Kirchheimer Silvesterlaufs übernehmen, weisen darauf hin, dass jeder Teilnehmer auf eigenes Risiko an den Start geht. Der Veranstalter übernimmt für mögliche Personen-, Sach- oder Vermögensschäden keine Haftung. Um wenigstens einen Teil der Sachkosten decken zu können, hat der Lauftreff beim Abschluss vor dem Rathaus wieder Spendenkässchen aufgestellt.