Lokalsport

"Hoch kommt man immer"

KIRCHHEIM Ob als Zuschauer am Rande, im Läuferfeld vorneweg oder als helfende Hand im Hintergrund die Gründe, das alte Jahr auf

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BERND KÖBLE

sportliche Weise unter Gleichgesinnten ausklingen zu lassen, sind so unterschiedlich wie die Gesichter des Kirchheimer Silvesterlaufs.

Der Dauerläufer Ehre, wem Ehre gebührt: Keiner war öfter dabei und keiner hielt länger durch: Otto Schnizler (77) ist einer der acht Gründerväter des Silvesterlaufs. 20 Mal hat er die Strecke gemeistert, bis er vor zwei Jahren aus Rücksicht auf die Gesundheit erstmals auf die Zuschauerseite wechselte. Ein Abschied, der ihm nicht leicht gefallen ist: "Das Alter macht sich halt' doch bemerkbar", sagt der Senior, der zweimal die Woche trainiert. Dass das Laufen ein Jungbrunnen ist, hat Otto Schnizler inzwischen schwarz auf weiß: Bei seiner letzten Teilnahme vor zwei Jahren stoppte die Uhr bei der exakt selben Zeit wie bei der Premiere 1981.

Die Powerfrau Die besondere Stimmung ist es, die Eva Rother (51) jedes Jahr aufs Neue an den Start drängt. "Ich freue mich schon Wochen vorher darauf", meint die ehemalige Langstreckenläuferin des VfL, die auch bei ihrer 15. Teilnahme für Frauenpower auf der Strecke steht. Zwar hat sich mit dem Trainingspensum inzwischen auch das Tempo etwas reduziert, doch der Spaß ist ihr geblieben: "Hoch kommt man immer", meint die zierliche Läuferin, und so manch männlicher Mitstreiter wird's mit Ehrfurcht vernehmen.

Der gute Geist So lange die anderen sich am Berg quälen, kommt auch die Frau mit dem Zaubertrank ins Schwitzen. Linde Schopf (61) sorgt seit 20 Jahren dafür, dass die Läufer wieder auf die Beine kommen. Ihr Rezept für den Silvesterlauf-Punsch ist das best gehütete Geheimnis an diesem Tag. Ein famoser Mix mit reduziertem Alkoholgehalt. "Damit uns keiner aus den Schuhen kippt." Die Frau weiß, worauf es ankommt, schließlich zählt Ehemann Franz zu den Tecklauf-Pionieren.

Der Junior Seine Leidenschaft gehört dem Mountainbiking, doch wenn es gilt, auch auf ungewohntem Terrain die Zähne zu zeigen, ist er dabei. Seit Herbst trainiert Ralf Maier (14) beim MTB Teck, und weil der Mountainbike-Nachwuchs an Silvester die Stollenreifen mit den Laufschuhen vertauscht, ist auch er dem Ruf des Trainers gefolgt. Als "Bruder Leichtfuß" hat der Benjamin im Feld gut lachen: Überflüssige Weihnachtspfunde? Kein Problem.

Der Feuerwerker Wenn der Silvesterlauf sich dem großen Finale nähert, hört alles auf sein Kommando. Rolf Barner führt alljährlich das Regiment der 18 Fackelträger und sorgt dafür, dass der Pulk auf dem Rückweg durch die Fußgängerzone beisammen bleibt. Doch der 57-Jährige ist nicht nur ein Mann für die letzten Meter: Viermal hat er die Strecke an Silvester schon selbst unter die Schuhsohlen genommen.

Der Tempomann Seit neun Jahren ist er dabei und immer einer der Schnellsten: Markus Braun (36) holt sich seine Fitness auf dem Rad. 10 000 Kilometer ist sein Jahrespensum, da wird das Laufen zum reinen Wintersport. "Dieses Jahr war ich etwas faul", gesteht der ehemalige Leichtathlet ein. Doch Ausreden lässt Markus Braun nicht gelten: "Silvesterlauf ist Ehrensache."

Der Debütant Einmal ist immer das erste Mal. Dass er 2004 seinen Einstand als Teckläufer feiern wird, hat Bernd Janko (34) schon zu Jahresbeginn beschlossen und dafür auch jeden Sonntagmorgen fleißig trainiert. Der ehemalige Hobbyfußballer hat das Laufen als neue Leidenschaft und den Silvesterlauf als ersten Härtetest entdeckt. Weitere sollen im neuen Jahr folgen: 2005 will der Wellinger seinen ersten Marathon bestreiten.