Lokalsport

Höchststrafe nach Missverständnis

Das entscheidende Gegentor in den Schlusssekunden viel empfindlicher kann man eine Fußballmannschaft kaum bestrafen. Kirchheims Verbandsliga-Kicker machten diesen sportlichen Super-Gau in Ditzingen durch. Die Stimmung war dementsprechend am Boden.

KLAUS-DIETER LEIB

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DITZINGEN Nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichter Tobias Reichel im Ditzinger Trumpf-Stadion war die Enttäuschung den VfL-Spielern förmlich ins Gesicht geschrieben. Nichts war's geworden mit der angestrebten Tabellenführung obgleich viel mehr möglich gewesen war.

Die Niederlage (0:1) war die erste in dieser Saison für die Kirchheimer. Nüchtern analysierte Trainer Michael Rentschler die Ursache derselben: "Wir sind selber Schuld. Jeder muss sich seine Gedanken machen." Dass die wackeren VfL-Spieler verloren, lag nicht nur am dummen Missverständnis zwischen Ferdi Er und Archontis Siopidis, das in der dritten Minute der Nachspielzeit zum 1:0-"Todesstoß" durch Marius Müller geführt hatte, sondern auch am Auslassen der wenigen guten Einschussmöglichkeiten vor allem im zweiten Durchgang. "Es ist schon bitter, wenn der einzige Abwehrfehler im ganzen Spiel so hart bestraft wird", rekapitulierte VfL-Spieler Ferdi Er.

Fast eine Stunde lang war der VfL Kirchheim bemüht, ein Tor zu erzielen, aber gegen die teilweise hart einsteigende Gastgeberelf gab es kaum ein Durchkommen. Was VfL-Oldie Thorsten Raspe nach dem Spiel immer noch mächtig ärgerte. "Der Schiedsrichter hätte für das überharte Einsteigen der Ditzinger viel früher eine Rote Karte zeigen müssen." Über eine Viertelstunde lang kickte der VfL in Überzahl, hätte bei einem konzentrierteren Abschluss selbst das spielentscheidende Tor erzielen können. "Wir haben über 90 Minuten mehr als die Ditzinger versucht, Fußball zu spielen, sind aber letztendlich nicht belohnt worden", sagte der Kirchheimer Übungsleiter enttäuscht.

Einer strahlte wie ein Honigkuchenpferd: TSF-Coach Jens-Uwe Zierer. "Ich muss meiner Mannschaft ein Kompliment machen. Sie hat über die komplette Spielzeit toll gekämpft." Und, weiter: "Ein Tor machen wir immer, habe ich meiner Mannschaft vor dem Spiel gesagt." Er behielt recht, und Zierer war erleichtert darüber, dass trotz einiger wichtiger Ausfälle gegen einen spielstarken Gegner der "Dreier" gelang.

Grund zu doppelter Freude hatte der ehemalige Kirchheimer Marko Lovric im TSF-Dress, weil es im Vorfeld die eine oder andere Stichelei gegeben hatte: "Es war ein besonderes Spiel für mich. Ich freue mich riesig über den Sieg." Dass Lovric seit Saisonstart wieder für seinen Ex-Club TSF Ditzingen die Fußballstiefel schnürt, sieht er fast als naturgegeben an: "In Ditzingen geht es einfach familiärer zu."

Nicht nur wegen der Niederlage machte Christopher Eisenhardt einen nachdenklichen Eindruck. Nachdem der 22-Jährige in den letzten drei Jahren zum Stammpersonal zählte und insgesamt 99 Spiele für den VfL ablieferte, hat sich dies in dieser Runde geändert: In den fünf bisherigen Punktspielen gab es lediglich einen einzigen Kurzeinsatz von sechs Minuten gegen den FC Donzdorf dies war zugleich der 100. Einsatz in Reihen der Teckstädter. "Ich habe mir mein Jubiläumsspiel anders vorgestellt", stellte Eisenhardt klar. Seine Einsatzbilanz gefällt dem kampfstarken Kirchheimer Abwehrspieler gar nicht: "Es ist schon bitter, wenn man drei Jahre lang Stammspieler war und jetzt auf der Ersatzbank sitzt", sagte er.

Dabei legte Eisenhardt während der Woche sogar noch Extraschichten ein, um sich wieder in die Stammformation zu spielen. Dennoch will der derzeit ausgemusterte Abwehrrecke nicht aufgeben und die erstbeste Chance nutzen, wieder in die Mannschaft zu kommen.