Lokalsport

Holder-Debüt alsMotivationsschub

Wo andere Paare samstagnachmittags spazieren gehen oder faulenzen, lassen sich Tobias Unger und Katja Holder lieber von tausenden von Zuschauern bejubeln. Das Leichtathletik-Pärchen startet beim diesjährigen Sparkassen-Cup in der Stuttgarter Schleyerhalle allerdings mit unterschiedlichen Zielsetzungen.

PETER EIDEMÜLLER

Anzeige

KIRCHHEIM Die Vorfreude ist ihr deutlich anzumerken: "Das wird total klasse", ist sie sich sicher. Logisch, wenn man bedenkt, dass sie am kommenden Samstag vor etwa 7 000 Zuschauern in der Stuttgarter Schleyerhalle bei einem der renommiertesten Hallenmeetings der Welt an den Start gehen wird. Die Rede ist von Katja Holder, 18-jährige VfL-Sprinterin und Debütantin beim Sparkassen-Cup. Dieser findet heuer zum 20. Mal statt und ist seit der ersten Auflage 1987 untrennbar mit dem Namen Fredy Schäfer verbunden. Der als Meetingdirektor fungierende Koblenzer steht wenige Tage vor dem Topereignis gehörig unter Strom: "Mein Fax und Telefon stehen nicht mehr still", seufzt er, "ich ersaufe förmlich in Papier." Der mit 72 Jahren getrost als "alter Hase" zu bezeichnende Schäfer weiß, was es für Nachwuchstalente wie Katja Holder heißt, in einer ausverkauften Halle zu laufen. "Das ist ein nicht zu unterschätzender Motivationsschub."

Katja Holder sieht's ähnlich und ist umso froher über ihre Teilnahme, da sie in der gesamten letztjährigen Hallensaison verletzt war. "Da konnte ich überhaupt keinen Wettkampf bestreiten", erinnert sie sich. Am Samstag wird sie auf Bahn eins im Hauptprogramm über die 200 m an den Start gehen. Mit zu Buche stehenden 24,77 Sekunden dürfte sie mit dem Ausgang des Rennens angesichts solch namhafter Konkurrentinnnen wie der Amerikanerin Stephanie Durst (22,64) oder der WM-Goldmedaillengewinnerin von 2001 in der Staffel, Birgit Rockmeier (23,05), nichts zu tun haben, aber die Zeit sei sowieso zweitrangig: "Der Spaß steht im Vordergrund", sagt sie unverblümt, "außerdem habe ich als relativ große Läuferin (1,78 m) wenig Chancen auf Bahn eins."

Der Auftritt ihres festen Freundes, Tobias Unger, ist da schon mit anderen Vorzeichen versehen. Im vergangenen Jahr Sieger der 200-m-Konkurrenz in 20,66 Sekunden, werden heuer schon größere Erwartungen an ihn herangetragen. Schließlich belegt er mit den vergangenes Wochenende in Karlsruhe gelaufenen 20,71 Sekunden Rang zwei der aktuellen Hallen-Weltrangliste hinter US-Boy Wallace Spearmon (20,57). Auch Fredy Schäfer weiß um die Ansprüche des Stuttgarter Publikums "Die sind ein bisschen verwöhnt, was Rekorde und Topleistungen angeht", gibt er schmunzelnd zu. Dennoch will der Meetingdirektor die Zugkraft des Lokalmatadoren nicht missen. "Es ist immer schön, wenn die Leute ihren 'Local hero' anfeuern. Das bringt Stimmung in die Halle."

Unger-Coach Micky Corucle bleibt maßvoll mit den Forderungen an seinen Schützling: "Nochmal eine Zeit im 20,70er-Bereich und ich wäre zufrieden." Die ist laut Corucle durchaus drin, geht Unger doch auch über die 60 m an den Start und hat für die 200 m dann die richtige Betriebstemperatur: "Der zweite Lauf ist immer schneller", sagt der Rumäne, der neben dem Pärchen Holder und Unger auch gerne Anja Wackershauser in der Schleyerhalle an den Start geschickt hätte. Aber die Lungenentzündung, die sich die VfL-Sprinterin vor rund zwei Wochen zugezogen hat, lässt noch keine Einsätze zu. "Wir wollen Anja lieber noch etwas schonen", betont Corucle. Mit dabei sind hingegen seine Schützlinge Ann-Kathrin Fischer (VfL/60 m) und Stephanie Lichtl (Salamander Kornwestheim/60 m Hürden).

Eine Minimalchance auf eine Teilnahme hat noch Hürdensprinter Lukas Erdmann. Der 22-jährige Weilheimer steht auf einer Art Warteliste und würde kurzfristig einspringen, sollte ein bereits gemeldeter Athlet absagenen. Die Chancen hierfür sind aber relativ gering. "Hürdensprinter sagen selten in letzter Minute ab", weiß Micky Corucle.