Lokalsport

Hopp oder topp Aufstieg oder geordneter Rückzug

Beruf oder Sport? Im ersten Jahr nach seiner Verbannung aus dem DSV-Kader muss Philipp Hauff sein Visier neu ausrichten. Ob das 16-jährige Skitalent des VfL Kirchheim weiter um den Anschluss an die nationale Spitze kämpft oder dem Leistungssport den Rücken kehrt, soll sich in diesem Winter zeigen.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Manche Sportler treten zu spät von der Bühne ab, andere denken bereits mit 16 ans Aufhören. Im Winter fällt eben nicht nur der Schnee, sondern auch die eine oder andere Richtung weisende Entscheidung. Der Gedanke, die Bretter nur noch zur Gaudi unterzuschnallen ist keiner, der Philipp Hauff schlaflose Nächte bereitet. "Leistungssport ist nicht alles", sagt er im Brustton der Überzeugung und wirkt dabei reichlich abgeklärt. Fast klingt es so, als habe der Teenager mit sich und seiner sportlichen Karriere bereits einen Nichtangriffspakt geschlossen. Doch eben nur fast. Denn das Skifahren ist nach wie vor seine große Leidenschaft, und seitdem er vom D-Kader des DSV zurück ins Glied des Schwäbischen Skiverbands gekehrt ist, stellen sich plötzlich auch die Erfolge wieder ein.

Trainingsrückstand und mangelnde Kraft so lautete das Trainerurteil, das den Kirchheimer zum Saisonende den Platz unter den besten Nachwuchsläufern der Republik kostete. Ein Platz, den er zwei Jahre lang behauptet hatte, nachdem er 2002 durch eine ganze Serie guter Resultate zielsicher in den Förderkader des DSV gefahren war. Doch wie gesagt Leistungssport ist nicht alles und als im Sommer Büffeln für die mittlere Reife im Kalender stand, kam die Vorbereitung auf die kommende Wintersaison gelegentlich zu kurz.

Was den Leistungsdiagnostikern des DSV missfiel, scheint dem Slalom- und Riesenslalomspezialisten Flügel zu verleihen. Mit weniger Druck und im neuen Trainerumfeld des Schwäbischen Skiverbandes fühlt er sich augenscheinlich wohl und scheint dabei zu alter Stärke zurückzufinden. Sein neunter Platz in der Qualifikation vor zwei Wochen hätte gereicht, um sich erstmals wieder bei einem FIS-Rennen mit den Besten seiner Alterklasse messen zu können. Doch weil diese Rennen schon mal wochentags stattfinden und zeitgleich eine wichtige Klausur auf dem Stundenplan stand, musste er schweren Herzens passen.

Wenn schulische Leistung und sportlicher Erfolg zu Konkurrenten werden, hat jeder junge Sportler ein Problem. Lösungen bieten meist nur die Sportinternate an, die optimale Ausbildungs- und Trainingsbedingungen an sieben Tagen der Woche bieten. Im Skiinternat in Furtwangen, dort wo einstige Heroen wie Sven Hannawald oder Martin Schmitt den Grundstein zum Erfolg legten, gelingt inzwischen auch früheren Teamkollegen des jungen Kirchheimers der schwierige Spagat. Doch die Isoliertheit eines Internats passt nicht zum Lebensstil eines Philipp Hauff. Der liebt seinen Sport aber auch die Freiheiten, die der prall gefüllte Terminkalender gelegentlich lässt. Das macht es schwerer als es ohnehin schon ist, gegen die Konkurrenz aus Bayern und der Schwarwaldregion zu bestehen. "Als Schwabe hast du's schwer, im DSV-Kader Fuß zu fassen", stellt er fest.

Stattdessen drückt er seit diesem Sommer für ein weiteres Jahr die Schulbank. Ein Jahr, das eine Entscheidung bringen soll. "Wenn's diesen Winter gut läuft, bleibe ich dran." Wenn nicht, will er eine Lehre beginnen, um anschließend ins elterliche Friseurgeschäft einzusteigen. Ein Abschied, mit dem er leben könnte, weil er keinen endgültigen Abschied vom Sport bedeutete. Dazu ist die Familie viel zu sehr mit dem Skilauf verwachsen: Der Vater als Vorstandsmitglied der VfL-Skiabteilung, die Schwester als ebenfalls engagierte Rennläuferin. Vielleicht ist all dies aber auch Motivation, es allen noch einmal zu zeigen: den einstigen Trainern, der Konkurrenz und vor allem sich selbst. Zum Haare schneiden bliebe dann immer noch Zeit.