Lokalsport

Husarenstreich in der Nachspielzeit

Mit viel Leidenschaft und mindestens genauso viel Kampfgeist kam der VfL Kirchheim in der Fußball-Verbandsliga beim Tabellenzweiten TSG Balingen zu einem nicht unverdienten 2:1 (0:0)-Erfolg.

KLAUS-DIETER LEIB

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BALINGEN Nach dem Spiel fand VfL-Trainer Michael Rentschler die richtigen Worte: "Die Mannschaft mit dem größeren Siegeswillen hat heute gewonnen." Vor allem in der ersten Halbzeit waren es nicht die favorisierten Gastgeber, die den Ton angaben, sondern der VfL. Obwohl es im ersten Spielabschnitt auf beiden Seiten keine nennenswerten Torchancen gab, lag das spielerische Übergewicht eindeutig bei den Gästen. Erwähnenswert aus Balinger Sicht war ein Kopfball von Torjäger Tobias Göbel, der jedoch gut einen Meter über das Kirchheimer Gehäuse strich (21.). Auf der Gegenseite hatte kurz vor der Pause Mario Grimm Pech, als sein abgefälschter Schuss knapp am Tor vorbeisegelte (42.).

Dies sollte sich dann in der zweiten Halbzeit ändern, die an Spannung und Dramatik kaum noch zu überbieten war. Nun waren es die Hausherren, die sich ein deutliches Übergewicht erspielten und zu drei guten Einschussmöglichkeiten kamen. TSG-Trainer Karsten Maier bestätigte in der anschließenden Pressekonferenz: "Meine Mannschaft hat es verpasst, durch diese drei Chancen selbst in Führung zu gehen." Die erste Möglichkeit hatte Turhan Sahin, der jedoch aus spitzem Winkel völlig frei am Tor vorbeizielte (58.). Die zweite Balinger Chance resultierte aus einem Freistoß den Nenad Nikolic an die Querlatte setzte (62.). Schließlich hatte auch der eingewechselte Robert Gasparovic kein Glück, als seine Direktabnahme das Ziel nur knapp verfehlte (75.). Zuvor hatte Kirchheims Neuzugang Torsten Raspe wegen Reklamierens bereits die Gelb-Rote Karte des Unparteiischen gesehen (68.).

Danach bewies Trainer Michael Rentschler ein goldenes Händchen mit der Einwechslung von Marcel Klon. Zählte das erst 20-jährige VfL-Talent in den letzten Spielen nicht zur Stammelf, so war er es doch, der an beiden entscheidenden Toren maßgeblich beteiligt war. Nach einem Eckball von Fabio Morisco hatte Klon das Leder per Hacke weitergeleitet. Der aufgerückte Christopher Eisenhardt nutzte die Verunsicherung in der Balinger Abwehr zum zu diesem Zeitpunkt etwas glücklichen 1:0 (80.). Die Freude war indes nur von kurzer Dauer, denn zwei Minuten später sah Coskun Isci wegen angeblicher Spielerbeleidigung zu Unrecht die Rote Karte (siehe Hintergrundgeschichte).

Auf Balinger Seite sah kurz darauf Ivan Todorovic nach wiederholtem Foulspiel die "Ampelkarte". Dennoch gelang es den Hausherren, eine Minute vor Schluss eine Unachtsamkeit in der VfL-Abwehr durch Gerhard Rill zum 1:1-Ausgleich auszunutzen. Die Begegnung war wieder völlig offen und der Tabellenzweite drängte mit aller Gewalt auf den Siegtreffer. Doch der Schuss ging sprichwörtlich nach hinten los: Nach einem Foulspiel am auf und davon stürmenden Klon gab es in der Nachspielzeit einen Freistoß für die Gäste. Was in der Folgezeit passierte, war kaum zu beschreiben. Der eingewechselte Ramus Dashi legte sich das Leder zurecht und sein abgefälschter Freistoß zappelte unversehens im Tornetz der Hausherren 1:2. Nach dem Schlusspfiff kannte die Freude bei den VfL-Spielern keine Grenzen. Nur hoffnungslose Optimisten hätten wohl vor zwei Wochen vermutet, dass der VfL aus den Spielen bei der SpVgg Au und der TSG Balingen sechs Punkte mit nach Hause bringen würde.

TSG Balingen: Chatzikiriakos Todorovic, Raab (78. Krämer), Link, Cus Schelling, Heinrich, Taube (73. Gasparovic), Nikolic Sahin (66. Rill), GöbelVfL Kirchheim: Gühring Fuchs, Eisenhardt, Rentschler, Siopidis Grimm, Raspe, Polat (67. Dashi), Isci, Morisco (87. Baumer) Singh (73. Klon)Tore: 0:1 Eisenhardt (80.), 1:1 Rill (89.), 1:2 Dashi (90. + 2)Gelbe Karten: Todorovic Fuchs, Singh, Polat, Grimm, Raspe, GühringGelb-Rote Karten: Raspe (68.), Todorovic (84.)Rote Karte: Isci (82./ wg. angeblicher Spielerbeleidigung)Zuschauer: 400Schiedsrichter: Josef Rieger (Leutkirch)