Lokalsport

"Ich bete jedes Mal, dasskein Spieler ausfällt"

Alljährlich zur Weihnachtszeit, wenn die Vereine hierzulande ihre ersten Turniere organisieren und der eine oder andere Spieler blessiert aus der Halle humpelt, kochen sie wieder hoch, die Diskussionen über das alte (Streit-)The-ma Hallenfußball. Was für die Fans ein echter Spaßbringer ist, ist unter Trainern mitunter recht ungeliebt.

THOMAS PFEIFFER

KIRCHHEIM Man liebt ihn oder man verflucht ihn, je nach eigenem Gusto. Ähnlich wie Bayern-Manager Uli Hoeness erhitzt der Hallenfußball immer wieder die Gemüter zumindest bei jenen, die sich über den sportlichen Sinn und Unsinn dieses "Wintersports" ernsthaft Gedanken machen (müssen). Unsere gestrige Umfrage unter Fußballtrainern zum Thema Hallenfußball belegt: Wegen der Gefahr von Spielerverletzungen blicken etliche Übungsleiter den Indoor-Spektakeln eher skeptisch entgegen.Wolfgang Frank (Sachsen Leipzig/aufgewachsen in Schlierbach): "Den Hallenfußball sehe ich im Großen und Ganzen positiv. Er ist ein gewisser Ausgleich für die Belastungen des Liga-Alltags. In der Halle kann jeder Spieler Motivation holen, doch darf es nicht so sein, dass wegen ein paar Euros Siegprämie überhart zu Werke gegangen wird. Nein, jeder erwachsene Fußballer sollte seinen Verstand einschalten, wenn er in der Halle aufläuft."Klaus Fischer (FC Frickenhausen): "Ich bin ein Freund des Hallenfußballs, habe früher selber gerne in der Halle gespielt. Meine Mannschaft bestreitet in der Winterpause fünf Turniere, eine erhöhte Verletzungsgefahr für die Spieler sehe ich nicht. Höchstens vielleicht dort, wo mit Rundumbande gespielt wird. Von harten Zweikämpfen an der Bande geht eine gewisse Gefahr aus."Norbert Stippel (SF Dorfmerkingen, davor VfL Kirchheim): "Hallenturnie-re sind für veranstaltende Vereine eine schöne Einnahmequelle, und zuweilen ist die Atmosphäre einfach fantastisch, beispielsweise beim hochkarätig bestückten Meeting in Heidenheim. Grundsätzlich bin ich aber froh, wenn meine Mannschaft an Hallenturnieren nicht beteiligt ist: Einige Spieler sind Rekonvaleszenten, laufen Gefahr, sich wieder zu verletzen."Klaus Müller (TSV Jesingen): "Bei uns spielen nur diejenigen bei Hallenturnieren, die freiwillig spielen wollen. Der Spaß steht beim Hallenfußball eindeutig im Mittelpunkt. Leider ist es aber so, dass der Hallenfußballsport inzwischen sehr hart geworden ist. Das liegt oft daran, dass manche Mannschaften übermotiviert sind. Viele ,Kleine' wollen es den ,großen' Clubs aus Prestigegründen zeigen und greifen auch schon mal zu unerlaubten Mitteln." Alexander Hübbe (GSV Dürnau): "Ich bin für den Hallenfußball, denn aus Hallenturnieren kann ein Trainer wichtige Erkenntnisse für die Pflichtspielrunde gewinnen. Für die Spieler kann der Hallenfußball ebenfalls profitabel sein. Die Turnier-Teilnahmen sollte man allerdings nicht übertreiben Wochenende für Wochenende in der Halle zu spielen und Europrämien nachzujagen, macht wenig Sinn. Meine Mannschaft wird in der Winterpause drei Turniere bestreiten." Karl-Heinz Toparkus (TSV Oberlenningen): "Bei Hallenturnieren habe ich schon Spieler erlebt, die tranken zwei Weizenbiere um danach aufzulaufen. Die Gefahr, dass sich Akteure bei Hallenturnieren verletzen oder im Kampfgetümmel die Rote Karte erhalten, ist groß, und ich bete jedesmal, dass keiner meiner Kicker deswegen für die Freiluftsaison ausfällt. Als Trainer bin ich gegen den Hallenfußball, und der TSVO wird auch nur ein einziges Turnier bestreiten: Unser eigenes Ende Januar." Wolfram Bielke (SF Dettingen): "Ich stehe dem Hallenfußball ausgesprochen positiv gegenüber. Er bietet eine schöne Abwechslung vom Pflichtspielalltag just in einer Saisonphase, wo die meisten Sportplätze ja unbespielbar sind. Das Problem mit der angeblich erhöhten Verletzungsgefahr sehe ich nicht. Meines Erachtens ist diese in der Halle auch nicht größer als beim Rasenfußball." Uwe Schulz (TSV Ötlingen): "Hallenfußball? Ich bin einer, der dagegen ist. Meine Mannschaft wird in der Winterpause nur ein einziges Turnier bestreiten jenes der Turngemeinde Kirchheim, der wir freundschaftlich verbunden sind. In Kirchheim werden hauptsächlich meine Reservisten spielen. Unser Spielerkader ist dünn, und ich will unter allen Umständen vermeiden, dass einer unserer Leistungsträger sich verletzt und für die Pflichtspielrunde ausfällt."

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