Lokalsport

„Ich bin auf dem richtigen Weg“

Für Manuel Fumic zahlt sich sein Wechsel zu Cannondale schneller als erwartet in Erfolgen aus

Manuel Fumic hat am Sonntag im belgischen Houffalize als Zweiter das beste Weltcup-Resultat seiner Karriere erzielt. Wir haben den 28-jährigen Kirchheimer über die Hintergründe des Erfolgs befragt.

Edgar Veloci

Manuel, am Sonntag hat es geregnet und sie haben trotzdem das beste Weltcup-Ergebnis Ihrer Karriere erzielt. Wussten Sie schon vorher, dass es ein guter Tag werden würde?

Fumic: Am Samstag wusste ich, dass es gut wird, und das ist eingetreten. Wie gut es wird, das konnte ich natürlich nicht sagen. Ich bin als Erster den Startberg hoch gekommen, aber ich habe es nicht als besonders schnell empfunden. Das wusste ich erst, als ich mich oben umgedreht habe und keiner hinter mir war.

Es war also nicht Ihre Taktik, gleich vorne weg zu fahren?

Fumic: Nein, ich wollte nur vorne mit dabei sein. Durch den Regen war es so rutschig und ich mag das eigentlich gar nicht. Ich wollte eine eigene Linie fahren können, um nicht Gefahr zu laufen in einen Sturz verwickelt zu werden. Ich bin einfach weiter gefahren, und als mir dann gesagt wurde, dass der Vorsprung größer wird, da dachte ich, jetzt probierst du es einfach.

Es ging alles gut bis zur letzten Runde, als Hermida kam.

Fumic: Ja, da gibt es sogar noch eine lustige Geschichte dazu. Vor dem Start standen wir beide nebeneinander. Da sagte er, Manuel heute attackieren wir. Ich zurück: Klar, wir attackieren. Er wieder: Aber ich warte nicht auf dich. Ich zurück: Nein, ich auch nicht auf dich. Und so ist es dann gekommen.

Hermida meinte, dass Ihnen in so einer Führungsposition die Erfahrung fehlt. Lag er da richtig?

Fumic: Ja, das war vor allem eine mentale Geschichte. Wenn du vorne liegst und von hinten aufgefahren wirst, dann ist das schwierig. Zumindest für mich. Ich habe da noch nicht so viel Erfahrung auf diesem Niveau. Das muss ich lernen. Dieses Rennen wird mir aber noch mehr Selbstvertrauen schenken.

Hätten Sie selbst damit gerechnet, in Houffalize um den Sieg mitfahren zu können?

Fumic: Nein, nicht unbedingt. Mein Ziel war die Top fünf. Ich wollte ja erst in Offenburg voll da sein. Ich habe mich selbst gewundert, dass ich so schnell fit werde. Normalerweise brauche ich im Frühjahr immer meine Zeit.

Sie galten immer als großes Talent, aber im Weltcup stehen Sie jetzt erst das zweite Mal auf dem Podium.

Fumic: Ich hatte schon gute Ergebnisse, aber bei großen Rennen öfter auch mal Pech. Immer mal wieder gab es ein Ausrufezeichen, aber es gab keine Konstanz. Die Leute sagten immer, das ist einer, der hätte es drauf, wenn alles stimmt.

Spielt da auch Ihr Wechsel zum Team Cannondale eine Rolle?

Fumic: Sicher, ja. Ich fühle mich super wohl im Team. Das Umfeld ist sehr professionell, wir haben einen großen Stab. Ich konnte mich nach Jahren auch mal wieder ganz auf den Sport konzentrieren, hatte Zeit zum Training, Zeit zur Erholung. Früher bin ich vom Trainingslager zurück gekommen und musste dann zuhause viel für das eigene Team machen. Ich wollte es noch einmal damit versuchen, mich ganz auf den Sport zu konzentrieren.

Was macht denn das Team so professionell?

Fumic: Es wird alles geplant, von der Anreise bis zum Essen, Trinken und auch die technischen Dinge. Wir sind ein Team, aber gleichzeitig hat jeder Fahrer auch seinen Spielraum für eine individuelle Planung und den Ablauf.

Sie machen den Eindruck, als würden Sie die Zeit mit dem Team, aber auch im Worldcup-Village sehr genießen.

Fumic: Ja, das tu’ ich. Es tut mir auch gut, wenn ein Mann wie Ralph Näf sagt, Manuel ich gönne dir das. Oder wenn Frischi (Bikelegende Thomas Frischknecht, die Red.) sagt, Mani willkommen zurück auf der Bühne. Ich bin jetzt nicht der super coole Typ, ich bin wie ich bin. Ich genieße das Leben als Mountainbikeprofi, ich bin ein Lebemensch.

Und bei den Fans kommen Sie auch gut an.

Fumic: Es ist großartig, wenn da einer kommt und sagt, hey, ich bin 350 Kilometer gefahren, um dich zu sehen, können wir ein Foto machen. Klar mache ich das. Ich will den Leuten ja was zurück geben. In Belgien ist das sowieso extrem. Die Leute haben mich so den Hang hoch gebrüllt, die sind so fanatisch. Ich denke, ich habe auch eine gute Show geliefert. Und ich fühle mich nicht als Looser, sondern als zweiter Gewinner. Vom Gefühl her ist der zweite Platz auch wie ein Sieg.

Der Klassiker in Houffalize ist was besonderes für die meisten Fahrer.

Fumic: Ja, das stimmt. Ich habe immer davon geträumt in Houffalize mal auf dem Podium zu stehen. Klar, will ich auch mal gewinnen, aber ich habe ja noch ein paar Jahre Zeit. ich bin total glücklich und denke, ich bin auf dem richtigen Weg.

Mit Wolfram Kurschat stand ja noch ein anderer Deutscher auf dem Podium.

Das ist gut für uns, gut für den Sport in Deutschland. Das bringt uns nach vorne.

Was kommt als nächstes?

Fumic: Jetzt ist eine Woche Wettkampfpause. Dann fahre ich in Heubach und dann kommt der Weltcup in Offenburg.

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