Lokalsport

„Ich möchte Handball-Profi werden“

Das Kirchheimer Nachwuchstalent Dominik Eisele misst 1,98 Meter und ist auf dem Sprung in die DHB-Auswahl

„Ich möchte Handball-Profi werden“: Dominik Eisele weiß genau, wohin ihn sein beruflicher Weg führen soll. Der 17-jährige Kirchheimer der Klasse 11 b des Ludwig-Uhland-Gymnasiums gilt als Riesentalent – im wahrsten Sinne des Worts.

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THOMAS PFEIFFER

Kirchheim. Als Fremder in einer auswärtigen Mannschaft muss er sich nicht fühlen. Dominik Eisele, den der süddeutsche Handball-Zerberus Kurt Reusch im Vorjahr von der VfL-B-Jugend in die Jugendabteilung der JSG Neuhausen/Metzingen lotste, hat an seiner neuen sportlichen Wirkungsstätte Kumpels, die genau wie er aus der Teckregion stammen. Auch Manuel Vogel (Ötlingen), der Torhüter, und Owens Jörn Lehmann zählen zum JSG-A-Jugend-Team, das in der baden-württembergischen Oberliga spielt, dort Vizemeister wurde und noch nie spielstärker war als in der eben zu Ende gegangenen Runde 2007/08: Den Vorstoß einer JSG-A-Jugend bis in die Finalspiele zur süddeutschen Meisterschaft gab‘s seit Einführung dieser Jugendspielgemeinschaft 1998 noch nie.

Manuel und Jörn sind bereits Stammspieler, Dominik noch nicht: Er ist der Jüngste der drei und darf seine (Rückraum-)Tore noch in der JSG-B-Jugend-Mannschaft werfen. Auch die spielt hochklassig – in der württembergischen Oberliga.

Noch eines hat der junge Kirchheimer seinen beiden Kollegen voraus: die Körperlänge. Vom Kopfhaar zur Fußsohle sind‘s bei ihm genau 198 Zentimeter – absoluter Rekord. Weil Dominik Eisele der Längste der JSG-Nachwuchsspieler ist, fallen seine Auftritte erstens auf – und zweitens im Spiel Tore. Der Größenvorteil ist neben seinem immensen Bewegungstalent das größte Pfund, mit dem er wuchern kann. Längst ist der Rechtshänder im linken Rückraum positiv auffällig, württembergischer Jugendauswahlspieler und Länderpokalsieger geworden, und die endgültige Qualifikation für die DHB-Jahrgangsauswahl winkt weiterhin. Drei Einladungen zu DHB-Lehrgängen erhielt er bereits, doch alle drei musste er wieder absagen. Ursache: ein spät diagnostizierter Kreuzbandriss, die Operation und eine lange Rekonvaleszenz, die niemand auf der Rechnung hatte.

Das war im Vorjahr. Anno 2008 ist der 17-Jährige raus aus seiner Leidenszeit („davor hatte ich mir fünf Mal das Knie verdreht“) und leistungsmäßig wieder „bei 85 Prozent“, wie er selber wähnt.

Dominik Eisele auf dem Weg nach oben? Die Größe zur Größe hat der langjährige Schützling des Kirchheimer Oberligaspielers und VfL-Jugendtrainers Jörg Vogel („ihm habe ich das meiste zu verdanken“) unverkennbar. Talent hat er objektiv auch, doch was fehlt ihm noch? „Ein körperlich großer Spieler muss vor allem lernen, seinen Körper voll einzusetzen, nur so kommt man zum Erfolg. Die Langen werden aufgrund ihrer Torgefährlichkeit nun mal öfters in Manndeckung genommen“: So beantwortet Peter Müller die Frage. Der inzwischen 64-jährige Pensionär trug in den 80er-Jahren das Kirchheimer Oberliga-Trikot und weiß nur zu gut, wovon er spricht: Müller ist selbst ein Langer – misst 1,97 Meter. Allein Ex-Mannschaftskamerad Alwin Schorr erreichte in den goldenen VfL-Zeiten ähnliche Lufthoheit.

Der Tipp des alten Hasen Müller, der mit 39 noch immer wie ein Heißsporn spielte, an den jungen Emporkömmling ist simpel: „Einfach lernen, sich auf dem Spielfeld durchzusetzen. Ich habe meinen Gegenspieler damals gefragt: Möchtest Du wie ich am Montag wieder gesund zur Arbeit? Das reichte zumeist.“

Ex-Größe Müller plädiert für Aggressivität

Auch wenn Teil zwei von Müllers Empfehlung eher Spaßcharakter hat: Ohne ein gerüttelt Maß an Agressivität kommt kein (langer) Spieler aus. Sagt er zumindest und holt gleich nochmals aus: „Ich kenne JSG-Trainer Kurt Reusch im Übrigen schon seit 1963. Damals leisteten wir als junge Männer beide im Fernmeldebataillon 10 in Sigmaringen unseren Bundeswehrdienst ab und spielten außerdem Handball dort. Bei Reusch ist Dominik Eisele sicherlich in allerbesten Händen.“ Und so traut Müller ihm auch den Durchbruch zu.

Tatsächlich hat der junge Handball-Könner aus Kirchheim, dessen Vater Bürgermeister ist (in Aichelberg), die Planung der nächsten Jahre ein Stück weit im Hinterkopf. Studieren (BWL), Handball spielen (in einer aktiven Mannschaft, „am liebsten in Neuhausen“), Vertragsspieler werden – so schauen seine Perspektiven aus.

„Profi zu werden ist mein absoluter Traum“, sagt er.

Mal abwarten, was aus den hehren Plänen wird. Wie gesagt: Die Größe zur Größe hat er. . .