Lokalsport

Im Bergwald brennt‘s lichterloh

Was für ein verrücktes Spiel im Bergwald zwischen dem TSV Ohmden und dem TSV Ötlingen – 5:0 zur Pause, 5:5 am Ende. Keiner der Zuschauer konnte sich erinnern, jemals zwei so grundverschiedene Halbzeiten erlebt zu haben wie an diesem Nachmittag. Doch damit nicht genug. Nach dem Schlusspfiff gab ein völlig frustrierter Ohmdener Trainer Martin Schu­macher noch auf dem Platz seinen sofortigen Rücktritt bekannt.

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KLAUS SCHLÜTTER

Ohmden. Es sei keine spontane Entscheidung gewesen und wenn er vorher eine Nacht darüber geschlafen hätte, wäre sie auch nicht anders ausfallen, betont Martin Schumacher. Erst Mitte Juni hatte er das Traineramt in Ohmden angetreten. „Wenn ich gewusst hätte, was da auf mich zukommt, hätte ich den Job nicht übernommen“, sagt er vier Monate später.

Die Mannschaft funktioniere nicht. Sie sei keine Einheit, sondern in Grüppchen zerfallen. Man arbeite mehr gegen – als miteinander. Das wäre schon in der Rückrunde der vergangenen Saison so gewesen, als Ohmden dem Abstieg gerade noch entronnen ist, betont Schumacher.

Beim gestrigen Spiel gegen Ötlingen kam für den Trainer das Fass zum Überlaufen. Nach Krankheit und Verletzungen waren Nelson Abrantes und Manfred Heiland wieder einsatzbereit. Schumacher griff auf seine bewährten Stürmer zurück. Mit Erfolg: Abrantes erzielte zwei Tore, bereitete einen weiteren Treffer vor. Auch Heiland leistete bis zu seiner erneuten Verletzung mit einem Tor seinen Beitrag zur sensationellen 5:0-Führung. Der Trainer wechselte einen 18- und einen 19-Jährigen ein. Mit ihnen kam der Bruch im Spiel. Schumacher: „Aus Frust, weil sie am Anfang nicht dabei waren, haben sie nicht alles gegeben. Sie haben gegen mich gespielt.“ Als er deshalb einen der Beiden wieder auswechselte, zog der sein Trikot aus und warf es dem Trainer vor die Füße – wie weiland Hansi Müller beim VfB Stuttgart gegen den damaligen Trainer Lothar Buchmann.

„Jeder auf dem Platz hat‘s gesehen: Die Eingewechselten haben den Trainer boykottiert. Dabei ist Herr Schumacher ein guter Trainer. Ich stehe hundertprozentig zu ihm, er kann nichts dafür“, sagt Nelson Abrantes, der in vier Jahren über 100 Tore für Ohmden erzielt hat. Nachdem Schumacher das Handtuch geworfen hatte, teilte Abrantes dem Vorstand mit: „Die Jungen haben keinen Respekt mehr. Ich trete auch zurück, wenn ich weiter mit Stinkstiefeln spielen muss. Ich habe keine Lust mehr. Die Abteilungsleitung hätte längst handeln müssen.“ Czengiz Akseki trägt sich aus denselben Gründen ebenfalls mit Rücktrittsgedanken.

Abteilungsleiter Peter Scherrer hält sich mit einer Stellungsnahme weitgehend zurück. „Die Entwicklung hat sich in den letzten Wochen abgezeichnet. Bei uns gibt es Grüppchen wie in jeder anderen Mannschaft auch. Jetzt kochen die Emotionen hoch und jeder hat seine Meinung. Ich habe eine andere als der Trainer, ich werde sie aber nicht äußern. Ich kann nur sagen: Der Trainer hat die Mannschaft nicht erreicht. Das Spiel heute war ein Nackenschlag, aber wir werden garantiert nicht mit fliegenden Fahnen untergehen.“

Wie es in Ohmden weitergeht, ist ungewiss. Sicher ist nur, dass das Duell der Trainerbrüder Martin und Roland Schumacher am nächsten Sonntag in Neidlingen geplatzt ist.

Nicht nur in Ohmden gibt es reichlich Gesprächsstoff. Mit Spannung wartet der TSV Bad Boll auf die Entscheidung des Sportgerichts zum abgebrochenen Spiel gegen den SV Ebersbach. WFV-Öffentlichkeitsreferent Heiner Baumeister erwartet ein mildes Urteil mit einer Geldstrafe für den Heimverein wegen Vernachlässigung der Platzaufsicht. Zur Erinnerung: Ein Zuschauer aus Dürnau hatte dem Linienrichter einen Faustschlag versetzt, worauf der Unparteiische die Partie in der Nachspielzeit beim Stande von 1:0 vorzeitig beendete. Aber um ein Wiederholungsspiel werden die Boller wohl kaum herumkommen. Baumeister: „Dafür spielt es keine Rolle, ob noch eine Stunde oder eine Minute zu spielen war.“

Drastische Strafen setzte es für den Syrisch-Orthodoxen Sport- und Kulturverein Göppingen nach dem Spielabbruch gegen Türk. SV Ebersbach (3:2). Zwei Spieler wurden jeweils zwölf Monate aus dem Verkehr gezogen, einer für eineinhalb Wochen. Die drei Punkte wurden aberkannt. Dazu muss der SSV 600 Euro wegen mangelnder Platzaufsicht berappen. Noch etwas Erfreuliches: In Köngen leitete Sybille Schiele aus Dischingen das Bezirksligaspiel gegen Weilheim souverän. Von der Ostalb kommen also nicht nur talentierte Fußballer, sondern auch fähige Damen an der Pfeife.