Lokalsport

Im Mini-Boliden groß herauskommen

In der Kartgruppe des Motorsportclubs Kirchheim finden sich zahlreiche Jungen und nur drei Mädchen

Noch sind die Jungen fast unter sich, wenn in Saisonzeiten montags und dienstags auf dem Verkehrsübungsplatz Lindorf das Training steigt: In der Kart­gruppe des Motorsportclubs Kirchheim/Teck (MCKT) finden sich derzeit nur drei Mädchen. Die Mini-Schumis in ihren fliegenden Kisten goutieren das angebotene Trainings- und Rennprogramm mit viel Spaß.

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THOMAS PFEIFFER

Kirchheim. Der Kartsport – für den Motorsportclub Kirchheim/Teck (MCKT) ist dieses Clubangebot nicht nur ein attraktiver Bestandteil, sondern nachgerade lebenswichtig. Kaum eine andere Sparte zieht so den Nachwuchs an wie das motorisierte, eltern- und soundbegleitete Rasen durch den Pylonenwald. Und so kommt‘s, dass während der Rennsaison immerhin 27 aller 45 U18-Mitglieder damit befasst sind, der Konkurrenz auf Parkflächen, Motodromen oder stillgelegten Fluggeländen den Auspuff zu zeigen. Ob bei den württembergischen ADAC-Kartslalomläufen oder im Training auf dem clubeigenen Lindorfer Verkehrsübungsplatz Birkau: Tempo ist immer Trumpf bei den MCKT-Nachwuchspiloten. Doch wer mit 80 km/h konzentriert und behelmt über die Rundstrecke fliegt, fährt meistens sicher. Sicherheitslenksäule mit Sollbruchstelle und Heckauffahrschutz sind mittlerweile feste Sicherheitsstandards bei den Klein-Boliden.

Die Technik macht‘s, und irgendwann soll auch noch der Katalysator im Kart zur Pflicht werden. Noch ist dessen Nachrüstung (Kosten: rund 400 Euro) freiwillig, doch der Schadstoffausstoß jedes 80 Kilogramm schweren Miniflitzers hält sich angesichts von 60 bis 300 cm³ an Motorhubraum und geleisteten 6 oder 7 PS in Grenzen. Ohnehin sehen die Macher des MCKT den Nutzen des Jugendsports ganz woanders angesiedelt: in der Verkehrs(vor)erziehung. So werden die Mini-Schumis vor dem ersten Gasgeben in Lindorf ausgiebig instruiert, später, beim fortgeschrittenen Kartslalom, geht es dann um Fahrzeugbedienung, Fahrzeugbeherrschung, Bremswege, Ausweichmanöver und das richtige Kurvenverhalten. „Uns geht es darum, den Kindern und Jugendlichen sicheres Fahren beizubringen“, erläutert MCKT-Jugendleiter Karlheinz Madejsky die Club-Maxime, „und nicht etwa da­rum, sportlichen Fanatismus zu schüren“. Welcher Teenager Kart fährt, tut sich beim Führerscheinerwerb und der Verkehrsteilnahme leichter.

Die Kids nehmen das Einweisungs- und Fahrprogramm der seit 1992 bestehenden MCKT-Kartjugendgruppe mit ihren neuerdings fünf Übungsleitern gerne an. „Meistens sind es die Mütter, die ihre Söhne zu uns schicken“, weiß Karlheinz Madejsky zu berichten. Das Gute ist: Die meisten bleiben dem Verein dann auch erhalten. Der Spaßfaktor für die Kleinen, deren ideales Einstiegsalter fünf oder sechs Jahre ist, wie MCKT-Trainer Rainer Schmid aus Erfahrung weiß, ist nachhaltig und groß. Schmid, ein Fotograf und genau wie seine vier Kollegen zwar unlizenziert, aber äußerst fachkundig, betreibt den MCKT-Ehrenamtsjob seit mehr als fünf Jahren. „Inzwischen sehe ich schon nach dem ersten Einsteigen, ob ein Junge Talent zum Kartfahren hat oder nicht.“ Seine Söhne Tim (16) und Tom (13), die beide in seiner Trainingsgruppe sind, haben‘s nachweislich.

Was der Kartgruppe fehlt, sind Mädchen: Neben dem hoffnungsvollen Schlattstaller Kartslalom-Talent Lena Gräter (11) fahren derzeit nur noch die zehnjährige Alina und Lilly (5) beim MCKT einen heißen Reifen, das aber „mit einem Messer zwischen den Zähnen“, wie Karlheinz Madejsky deren weiblichen Ehrgeiz respektvoll umschreibt. Die Mädchen im Kartsport in der Minderheit ‑ wo-ran liegt‘s? Für den Jugendleiter ist das eine Frage, die dringend beantwortet werden müsse: „Wir brauchen mehr Mädchen. Die Atmosphäre ist dann einfach besser“.

Bis die Mädchen den Kartsport entdecken, wird‘s wohl noch eine Weile dauern. Bis dahin bleibt die MCKT-Unterabteilung eine Domäne der Jungen. Wahrscheinlich sind die auch wagemutiger, „obgleich das Verletzungsrisiko“, wie der MCKT-Jugendleiter sagt, „beim Kart kleiner ist als beim Fußball.“

Kartsport im MC Kirchheim/Teck

Zahl der Mitglieder unter 18: 45

Jahresmitgliedsbeitrag: 52,50 Euro (Familienbeitrag)

Trainingsstätte: Verkehrsübungsplatz Lindorf

Ansprechpartner: Eberhard Frech (Vorsitzender)

Internet: http://www.vuep.de/mckt.