Lokalsport

Im Rotationsprinzip ins Daimler-Stadion

Sicherlich, es gab schon bessere Zeiten, um Mitglied eines VfB-Fanclubs zu sein ein Blick auf die aktuelle Tabellensituation der Stuttgarter reicht. Doch wer allsamstäglich das T-Shirt mit der Aufschrift "Rot-Weiß Leberkäs" überstreift, feuert ja nicht nur den Fußball-Bundesligisten bei seinen Auftritten an.

PETER EIDEMÜLLER

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KIRCHHEIM Nein: Das 47 Mitglieder zählende Sammelsurium von VfB-Enthusiasten unterstützt auch die Kirchheimer Regionalliga-Basketballer nach Kräften, unlängst wieder beim 95:63-Heimsieg des VfL gegen die BSG Ludwigsburg.

Die Idee, sich zu einem Fanclub des VfB Stuttgart zusammenzuschließen, kam dem harten Kern um Vorstand Michael Hack (24) während der Übertragung eines DFB-Pokalspiels zwischen dem VfB und Borussia Mönchengladbach vor rund zwei Jahren. Warum nicht der Liebe zu den "Roten" dadurch Ausdruck verleihen, indem man einen Fanclub aus der Taufe hebt? Gesagt, getan: Wenige Wochen später lag den Fanbeauftragten am Cannstatter Wasen Satzung und Mitgliederliste der Leberkäsliebhaber vor der offizielle Name rührt nämlich daher, dass es vor der besagten Übertragung des Pokalkicks Leberkäse zum Essen gab. Gepaart mit den Vereinsfarben des VfB kam es dann zum klangvollen Namen "Rot

-Weiß Leberkäs", der seit dem 28. März 2004 als offizieller VfB-Fanclub mit Urkunde ausgewiesen ist.

"Wir sind aber eigentlich mehr, als das", betont Michael Hack. "Wir sind eine bunt zusammengewürfelte Gemeinschaft, die auch sonst viel miteinander unternimmt." So nehmen diejenigen Mitglieder, die selber in lokalen Fußballvereinen an den Ball treten, des öfteren an Hobbykickerturnieren teil. Für das kommende Jahr ist zudem ein gemeinsamer Urlaub in Dänemark geplant. "Wir wollen mal gucken, wie die Heimat von Jon-Dahl Thomasson aussieht", sagt Hack augenzwinkernd.

Die fußballerische Heimat des dänischen Stürmers, das Daimler-Stadion, besucht der Fanclub allwöchentlich. Unweit des berühmt-berüchtigten "Commando Cannstatt" hat der RWL im Block 33 B seine Stammplätze. "Das ist mittendrin, da geht 90 Minuten die Post ab", weiß Hack. Stolze 17 Dauerkarten nennt der RWL-Tross sein Eigen. "Wir wechseln uns mit den Stadionbesuchen regelmäßig ab", verrät Hack, "das entspricht sozusagen dem Rotationsprinzip von Giovanni Trappatoni." Auswärtsspiele werden in der Regel eher geschlossen vor dem Fernseher verfolgt, nur bei besonderen Anlässen machen sich die Schlachtenbummler auf den Weg in fremde Stadien. Am liebsten natürlich in die Arena des Erzfeindes FC Bayern München, der jedoch auch innerhalb des Fanclubs thematisiert wird: "Wir haben in unsere Satzung die ehrenhafte Verpflichtung aufgenommen, dass die Bayern-Fan-Quote 20 Prozent nicht übersteigen darf", so Hack schmunzelnd.

Eine weitere Verpflichtung, welche die Mitglieder ernst nehmen, ist die Unterstützung des Kirchheimer Basketballs. Auf Anregung von Ex-VfL-Spieler Bernd Hübner begann der harte RWL-Kern kurz vor der Clubgründung, den Regionalligisten bei Heim- und Auswärtsspielen anzufeuern. Fortan begleiteten Hack und Co die Kirchheimer Korbjäger bei ihren Spielen, begründeten so ein bisschen den Basketball-Boom und den wachsenden Zuschauerzuspruch beim VfL mit. Auch dem heutigen reinen VfL-Fanclub "Squires", der sich im März dieses Jahres gründete, leisteten sie gewissermaßen Vorschub. "Zwischen beiden Fanclubs herrscht aber totale Harmonie", versichert Hack, der jedoch zugeben muss, dass der RWL längst nicht mehr jede Partie des VfL besucht. "Das gilt vor allem für die Auswärtsspiele. Da haben inzwischen halt oft andere Dinge Vorrang."

Und dennoch: Sind Squires und RWL bei einem Basketball-Heimspiel vereint, bewegt sich die Akustik in der Sporthalle Stadtmitte im oberen Dezibelbereich. Knapp eineinhalb Stunden lautstarkes Trommeln, Singen und Tröten lassen auch Michael Hack zugeben: "Die Gefahr, taub zu werden, ist beim VfL größer als im Stadion beim VfB."

ONLINE-INFOwww.rot-weiss-leberkaes.de