Lokalsport

Im VfL-Kasten bricht der Notstand aus

Kurz vor dem Verbandsliga-Start mit dem Trip nach Dorfmerkingen (26. 2.) melden die VfL-Fußballer auf einer Schlüsselposition akuten Personalnotstand: Nach Ersatzkeeper Fabian Goretzki (Trümmerbruch am Zeh) müssen sie nun auch auf ihren Stammtorhüter Patrick Gühring (Schienbeinbruch/mindestens drei Monate Pause) langfristig verzichten.

THOMAS PFEIFFER

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KIRCHHEIM Die bittere Nachricht erfuhr VfL-Trainer Michael Rentschler am Montagnachmittag vom Pechvogel selbst: Gleich nach seinem mehrstündigen Aufenthalt in einem Reutlinger Krankenhaus griff Patrick Gühring zum Telefon. Nach dem Gespräch war Rentschler restlos bedient, denn Gührung hatte nach Erhalt der Diagnose ("Schienbeindurchbruch") eine echte Hiobsbotschaft zu verkünden. "Jetzt falle ich zwischen drei und vier Monate aus, so lange wie noch nie in meiner bisherigen Laufbahn", klagte Gühring.

Was war passiert? Der 24-jährige VfL-Torhüter, der zusammen mit seinem Bruder in Mössingen eine kleine Baufirma betreibt, machte auf einer Baustelle unliebsame Bekanntschaft mit einem umkippenden Baustein, der 150 Kilogramm wiegt und gegen sein Schienbein schwappte. "Als der Notarzt kam, hieß es erst, ich hätte eine schwere Prellung", rekapitulierte Gühring den Arbeitsunfall gegen zehn Uhr morgens, "dem war leider nicht so." Die Ernüchterung folgte im Klinikum in Form der Röntgenaufnahme.

Jetzt trägt Gühring, im VfL-Test gegen Calcio Leinfelden am Dienstag (4:5) durch Jürgen Rechner ersetzt, Gips und hofft inbrünstig, ohne Operation davon zu kommen. In diesem Falle könnte er ("ganz abgehakt habe ich diese Saison noch nicht") ein wenig früher sein VfL-Comeback geben und womöglich doch noch die letzten Saisonspiele in Böblingen (28. 5.) und gegen FV Olympia Laupheim (4. 6.) bestreiten.

Zumindest bis dahin muss der VfL-Trainer aber improvisieren: Nacheinander fiel in den letzten Wochen ein Torhüter nach dem anderen aus, angefangen bei der VfL-A-Jugend, wo sich Andreas Späth bereits im Dezember mit einem Kreuzbandriss mindestens für das nächste halbe Jahr aus dem Kasten verabschiedet hatte. Danach das Missgeschick mit VfL-Verbandsliga-Ersatz Fabian Goretzki (Trümmerbruch am rechten großen Zeh/wir berichteten), dessen Ausfallzeit nach neuesten Erkenntnissen ebenfalls bis in die letzte Saisonphase 2004/05 andauern wird: Vorgestern unterzog sich Goretzki in einer Privatklinik auf den Fildern einem operativen Eingriff und "fällt nun rund drei Monate aus", wie Norbert Krumm hochrechnete.

Der Sportliche Leiter des VfL ("zu allem Übel hat sich ja auch noch Feldspieler Stefan Ziegler verletzt") ist angefressen: Der Notstand im VfL-Kasten wenige Tage vor dem Verbandsliga-Aufgalopp ist riesengroß. "Wir bekommen derzeit Prügel, wie sie einfach nicht mehr normal sind", sagte Krumm.

Ins triste Bild passte da, dass die vom VfL angekündigte Installation von Youngster Norman Volber (18) als Ersatzkeeper der Verbandsliga-"Ersten" wegen eines clubinternen Malheurs ernsthaft zu platzen drohte: Volber war mit im VfL-Trainingslager, holte sich in den Übungseinheiten dort sehr gute Kritiken ab und stand zum Zeitpunkt des Kirchheimer Thüringen-Trips de facto schon längst auf der Liste der sicheren Neuzugänge des Kreisligisten AC Catania. "Der Spielerpass liegt uns vor", bestätigte AC-Spielleiter Pasquale "Paschke" Martinelli die Neuverpflichtung gestern.

Volber zeitgleich VfL-Hoffnungsträger und AC-Catanese wie kam's? "Der Wechsel zum AC Catania war ein Alleingang unserer Jugendabteilung", antwortete Norbert Krumm, "die VfL-Abteilungsleitung hat davon nichts gewusst." VfL-Jugendkoordinator Erwin Bressmer sagte dieses: "Volber ist ein VfL-Jugendspieler, die Zuständigkeit liegt deshalb bei der Jugendabteilung." Vielleicht haben ja beide recht den internen Kommunikationsfluss sollte man dennoch rasch wiederbeleben.

Ein weiteres personelles Loch durch den Fall Norman Volber besteht indes nicht nicht mehr: Die Verantwortlichen des AC Catania haben einem sofortigen "Rückkauf" des Spielers auf Grund der VfL-Torhütermisere inzwischen zugestimmt. Kostenpunkt: weniger als 30 Euro. "So viel verlangen wir, nämlich die Erstattung der fixen Unkosten von 20 Euro plus Kostenersatz für die Fahrt zur WFV-Geschäftsstelle in Stuttgart", wie Pasquale Martinelli sagte.

Volber also kehrt zurück als VfL-Zweitkeeper. Trainer Rentschlers neue Nummer eins wird mit Routinier Jürgen Rechner (32) kurzfristig wohl jener Crack werden, der im offiziellen Spielerkader 2004/05 als Nummer drei ausgewiesen ist und eigentlich nur noch in Notfällen spielen sollte.

Jetzt ist der Notfall da.