Lokalsport

Im zweiten Viertel alles verspielt

Die VfL-Regionalliga-Basketballer müssen von vorn anfangen: Nach der 87:92 (38:50)-Niederlage im Duell gegen den Mitfavoriten SSC Karlsruhe ist die Spitze vorerst enteilt. 750 Zuschauer in der Sporthalle Stadtmitte erlebten dennoch ein echtes Spitzenspiel.

KIRCHHEIM "Ein sehr gutes Spiel, das beste, das wir bisher gemacht haben", fand Karlsruhes Trainer Drazan Salavarda am Ende der Partie auch lobende Worte für den Gastgeber: "Auch Kirchheim war gut, doch wir waren heute klasse." VfL-Coach Theo Leftakis gab zu, dass er trotz der Niederlage zum ersten Mal Spaß gehabt hätte. Beim Schlusspfiff hielt sich der Spaß allerdings in Grenzen, denn da stand es 87:92 für den Gegner. Verdient zwar, da die Karlsruher Übermacht unter dem Korb "zum Heulen" (Leftakis) und die VfL-Defensive "einfach zu schwach" (Landestrainer Reiner Braun) war, doch chancenlos war Kirchheim nicht: 35 Sekunden vor dem Ende verfehlte ein Dreier des erneut treffsicheren Kai-Uwe Kranz nur knapp es wäre das 88:89 gewesen.

Anzeige

Ausschlaggebend für die Niederlage war dies freilich nicht. Die handelte sich der Titelverteidiger im zweiten Viertel und zu Beginn des Schlussviertels ein. Nach gutem Start in der Offensive stand es nach zehn Minuten 26:20, wofür vor allem Kranz (zwei Dreier) und Ross Jorgusen verantwortlich waren. Die Bilanz des kleinen Amerikaners: 13 Punkte, 4:4 Würfe, zwei Rebounds, zwei Assists, zwei Steals, null Ballverluste. Doch im zweiten Viertel klappte gar nichts, am wenigsten die Verteidigung unter dem Korb. Immer wieder kamen die SSC-Akteure Arnold Tchiegne und Thorsten Raquet zu einfachsten Punkten, vor allem Tchiegne meist durch Sprungwürfe aus naher Distanz. Dazu Theo Leftaki : "Er verschafft sich jedes mal Platz mit dem linken Arm, gepfiffen wird es nie."

Unglückliche Aktionen der eingewechselten Bankspieler , sieben Ballverluste in zehn Minuten und einige unüberlegte Aktionen taten ein Übriges. Zur Pause war die Euphorie in der Halle beim 38:50 bereits verflogen. Doch die 750 Zuschauer wachten auf, der VfL kämpfte sich aus seiner Lethargie und überwand die schlechte Phase. In der Offensive wurde wieder systematischer gespielt, Nenad Lukic fand seinen Wurf, und zu Beginn der Schlussphase war beim Stand von 69:73 (31.) Land in Sicht. Doch es folgten verhängnisvolle vier Minuten mit 0:9 Punkten zum 69:82 (36.). Wilu Lenger, der überraschend einsatzfähig war, brachte nocheinmal neue Energie ins Spiel. Es begann eine tolle Aufholjagd, die bis zu jenem verfehlten Dreierversuch von Kranz währte. Die Schiedsrichter leisteten sich dabei einen Fauxpas: Nach dem fünften Foul von David Bouwmeester ließen sie Kustos einen Freiwurf werfen, obwohl Kirchheim eine Auszeit angemeldet hatte und vier Spieler auf dem Feld standen. Kustos verfehlte, durfte nach der Auszeit noch zweimal werfen und traf. Leftakis legte daraufhin Protest ein.

Das Fazit? Der VfL muss sich in der Verteidigung unbedingt verbessern, 94 Punkte gegen Rastatt und jetzt 92 gegen den SSC sind eindeutig zu viel, um vorne mitspielen zu können. Gefordert sind dabei vor allem die langen Spieler um David Bouwmeester, der ausgerechnet gegen seinen alten Verein kaum ins Spiel fand und diesmal nur zehn Punkte und fünf Rebounds zu verbuchen hatte. Auch die Zusammenarbeit in der Abwehr ist steigerungsfähig. Viel Arbeit also für Theo Leftakis, der die Herausforderung annimmt: "In der kommenden Woche werden wir ausschließlich Verteidigung trainieren."

mad

VfLKirchheim:

Bouwmeester (10), Bruck, Hayden (12), Jorgusen (24/4), Kikic, Kranz (22/6), Lenger (2), Lukic (12/1), Reiter, Stifel (4), Tsouknidis.SSC Karlsruhe:

Dodic (4), Vengert (6/1), Kustos (16/1), Tafra (11), Gundlach (6), Rudolph (2), Nobbe, Raquet (14), Schmitz, Tchiegne (33).Dreier:

11 (VfL), 2 (SSC).Viertel:

26:20, 12:30, 27:23, 22:19.Schiedsrichter:

Hermann Kolbe (Sindelfingen) und Björn Knapp (Stuttgart) wirkten nicht immer überzeugend.Zuschauer:

750.