Lokalsport

"In den letzten zehn Minuten fehlte Disziplin"

Die SG Lenningen hat vor rund 450 Zuschauern den Lokalkampf gegen den TSV Wolfschlugen 25:28 (15:14) verloren. Im Mittelpunkt einer emotionalen, aber jederzeit fairen Partie standen immer wieder die beiden Unpar-teiischen.

LENNINGEN Bis zur 52. Minute, als Hagen Braunwarth zum 23:23 traf, war das Spiel offen. Danach verfiel die SG in Hektik, suchte den schnellen Abschluss und scheiterte. Cleverer stellten sich die Gäste aus Wolfschlugen an. Mit längeren Spielzügen hielten sie den Ball in den eigenen Reihen und suchten den Torerfolg über den Kreis. Besser konnten sich die Wolfschlugener Spieler auch auf die Schiedsrichter einstellen, die mit stellenweise fragwürdigen Entscheidungen auf beiden Seiten die Emotionen hochkochen ließen.

Anzeige

Wolfschlugens Abteilungsleiter Wolfgang Stoll analysierte richtig: "In den letzten zehn Minuten hat sich unsere Cleverness durchgesetzt. Meine Spieler haben die richtigen Entscheidungen getroffen". Das sah so aus: Frank Illi setzte sich Haken schlagend gegen die SG-Abwehr durch 24:23 (54.). Und selbst in Unterzahl, Kai Heanssler musste auf die Bank, traf Lars Schwend zum 25:23 (57.). Ein Tor, das von einem perfekten Anspiel durch Christian Lang eingeleitet wurde. Die SG rieb sich mit Einzelaktionen an der TSV-Abwehr auf. Jeder sah sich jetzt als "Retter", nahm sich unvorbereitete Würfe, die Torwart Heiner Probst wegfischte. Die endgültige Entscheidung fiel dann, als Steffen Kazmaier in der 58. Minute eine Strafzeit erhielt und Lars Schwend im Gegenzug das 26:23 markierte Wolfschlugens Sieg war nicht mehr zu verhindern. Die TSVW-Fans dankten mit stehenden Ovationen, während sich Lenningens Ergebnis-Korrektur noch auf Treffer von Jochen Leitner und Hagen Braunwarth zum 25:28-Endstand beschränkte.

Florian Beck, mit 28 Jahren jüngster Ligatrainer, realisierte nüchtern: "Für uns war es das erwartet schwere Spiel. Letztlich entschied in den letzten Minuten die individuelle Klasse von Frank Illi und Simon Reich das Match. Es war ein verdienter Sieg, nachdem wir kurz vor der Halbzeit bei drei Würfen hintereinander am Pfosten scheiterten."

In der ersten Viertelstunde brannte die SG ein Angriffs-Feuerwerk ab. Marc Segeritz überraschte mit variabler Wurftechnik die TSV-Abwehr und Torhüter Mark Witzel. Auch Hagen Braunwarth zeigte sich inspiriert und legte beim 7:3 (14.) gekonnt nach.

Und dennoch war grübeln angesagt. Jan Lamparter bekam bereits in der 13. Minute seine zweite Zeitstrafe, was den SG-Abwehrverband schwächte. Fast zeitgleich schickten die Schiris auch Kai Haenssler und Frank Illi auf die Bank. Wolfschlugen zeigte sich davon unbeeindruckt und holte bei doppelter Unterzahl zum 6:8 (15.) auf. Beim 11:11 (21.) machte Sven Lamparter im SG-Tor Platz für Jörg Tombrägel es war nicht Lamparters Tag. Die 15:14-Halbzeitführung schmeichelte der SG, denn kurz vor dem Wechsel trafen Kai Haenssler, Markus Stratmann und Lars Schwend den Pfosten.

In Abschnitt zwei traten die spielerischen Elemente in den Hintergrund. Das lag auch daran, dass sich die beiden Göppinger Schiris mit fragwürdigen Entscheidungen in den Vordergrund schoben und gellende Pfeifkonzerte beider Fanblöcke auf sich zogen. Auch bei SG-Coach Bruno Rieke schoss der Adrenalinpegel nach oben. Eine Strafzeit gegen Jochen Renz wollte er nicht widerspruchslos hinnehmen. Für den kurzen Disput mit den Schiris folgte die "Belohnung": Lenningen spielte mit vier Feldspielern weiter. Und nicht genug, auch Bastian Baumann musste in der 48. Minute vom Feld. Das Unglaubliche dann: Marc Segeritz' Solo wurde mit dem 22:22 belohnt. Im Spiel, bei dem die Emotionen überkochten, kam die Fairness nicht zu kurz. Jörg Tombrägel, mit ausgezeichneten Torhüter-Reflexen, behandelte in der 49. Minute seinen Gegenüber Mark Witzel, der sich am Ringfinger verletzt hatte. Bei seinem Nachfolger im TSV-Tor, Heiner Probst, fanden dann die SG-Werfer ihren Meister.

Bruno Rieke suchte nach Spielende Erklärungen: "Meine Mannschaft hat sich vor allem in der zweiten Halbzeit nicht auf die Schiris einstellen können. Zu oft wurde uns der Vorteil abgepfiffen. In den letzten zehn Minuten hat die Disziplin gefehlt." Das sah auch SG-Abteilungsleiterin Silvia Klein, die zudem eine überzogene Selbstdarstellung der beiden Unparteiischen ausmachte.

döl

SG Lenningen:

S. Lamparter, Tombrägel; Segeritz (9), Braunwarth (5), Leitner (4), Kazmaier (3/2), Kirschmann (2), Baumann (1), Renz (1), J. Lamparter, Schwohl, J. Wiesinger.TSV Wolfschlugen:

Witzel, Probst; Lang (6), Schwend (5), Kutschbach (4), Haenssler (4/3), Reich (4), Illi (3), Brack (1/1), Stratmann (1/1), Geiger, Lillich.Zuschauer:

450.Schiedsrichter:

Groll/Ruess, Göppingen.