Lokalsport

In fast jedem "Ritter" schlummert Potenzial nach oben

Neu gewonnenes Selbstvertrauen, der zweite Platz in der Regionalliga und ein nomineller Ritterschlag die stolze Vorrundenbilanz der "Kirchheim Knights" ruft Erinnerungen wach: Auch im Vorjahr waren die Basketballer des VfL mit lediglich 4:3 Siegen in die Saison gestartet, bevor eine in der Vereinsgeschichte einmalige Siegesserie ihren Lauf nahm.

KIRCHHEIM Vier Siege in Folge konnte der VfL zuletzt verbuchen, elf waren es im vergangenen Jahr. Die Wiederholung dieser Erfolgsserie dürfte allerdings nicht so einfach sein, schließlich stehen im neuen Jahr die Auswärtsspiele bei der SG Heidelberg-Kirchheim, beim Tabellenführer SSC Karlsruhe, dem MTV Stuttgart und dem Tabellendritten, der KGJ Schwenningen, auf dem Programm.

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Doch zurück in die Vergangenheit: Vor einem Jahr gewann der VfL seine Vorrundenspiele im Schnitt mit 80,4:70,8, jetzt lautet die Bilanz 83,4:75,7. Verantwortlich für die neue Offensivstärke ist sicherlich die größere Ausgeglichenheit und die stärkere Bank. Ross Jorgusen mit 21,9 Punkte pro Spiel auf Platz fünf der Liga machte weniger Punkte als bis zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahrs (26,5). Kai-Uwe Kranz kam ihm mit durchschnittlichen 16,8 Punkten pro Partie noch am nächsten. Verbessern können sich sicherlich alle anderen, vorneweg David Bouwmeester und James Hayden. Seine Rolle erfüllt hat bisher Nenad Lukic, der durch Verletzungsprobleme allerdings in den letzten Wochen nachgelassen hat.

Nachgelassen hat auch die Genauigkeit an der Freiwurflinie, obwohl die Leftakis-Truppe da mit 64,3 Prozent Dritter in der Liga ist, hinter Karlsruhe (66,0) und Crailsheim (70,1). Vor einem Jahr fanden noch 69,2 Prozent der Freiwürfe ihr Ziel. Die schlechtere Quote ist zu einem gewissen Teil James Hayden anzulasten. Verwandelte er 2003 noch 71 Prozent seiner Freiwürfe, klappte es diesmal nur 17-mal bei 40 Versuchen (42,5 Prozent). Zweiter in der Liga ist dafür Nenad Lukic mit zehn von zehn. Ross Jorgusen ist Neunter mit 79,5 Prozent, wobei auffällt, dass der kleine Wirbelwind so oft wie kein anderer in der Regionalliga an die Linie trat. Auch Kai-Uwe Kranz ist ein starker Freiwerfer: Achter in der Liga mit 80 Prozent Trefferquote. Lukic und Kranz können aber eindeutig noch aggressiver werden, damit sich ihre gute Quote auch auszahlt. David Bouwmeester ist oft genug an der Linie (26:46), seine Quote von 56,5 Prozent scheint aber ausbaufähig.

Klar verbessert hat sich der VfL im Drei-Punkte-Land: Mit 88 Treffern (Vorjahr 55) liegt Kirchheim auf Platz zwei hinter dem MTV Stuttgart (100), wofür natürlich vor allem Liga-Primus Kai-Uwe Kranz mit bisher schon 43 Treffern verantwortlich ist. Nur Al Elliott (MTV Stuttgart) ist ihm mit 3,6 Einschlägen pro Spiel auf den Fersen. Hinter Kranz finden sich mit Ross Jorgusen (Platz 16 mit 17 Treffern) und Nenad Lukic (22. mit 12) weitere Scharfschützen, die ihre Trefferquote verbessern können.

Nach dem ersten Spiel wurden auch die übrigen Leistungen auf dem Spielfeld erfasst, wofür vor allem Videomaster Paul Oesterle verantwortlich war, der jedes Spiel aufzeichnete und so die Grundlage für die Auswertung lieferte. Effektivster Spieler ist natürlich mit Abstand Ross Jorgusen. In der Spezialwertung, bei der die Punkte, die Rebounds, die Assists, die Ballgewinne und die geblockten Würfe addiert und die Ballverluste und Fehlwürfe subtrahiert werden, kam er auf sagenhafte 24,8 Wertungspunkte pro Spiel. James Hayden bewies seinen Wert durch 18,3 Punkte, auch David Bouwmeester (16,8) leistet einiges außer scoren. Stark natürlich auch Kranz (12,6) und schon nach fünf Spielen Bill Goehrke (9,4), der es in dieser aussagekräftigen Wertung schon weiter als auf dem Feld gebracht hat: In die Starting Five.

Interessant sind natürlich auch die Wurfquoten, und da liegt möglicherweise eine Ursache für die Kirchheimer Stärke. David Bouwmeester trifft überragende 61,1 Prozent seiner Würfe, Bill Goehrke 50 und Wilu Lenger 45,9 Prozent. Aber auch die Kleinen sind akkurat: Kai-Uwe Kranz (44 Prozent), Ross Jorgusen (43,6 Prozent), James Hayden (42,9 Prozent) und Nenad Lukic (42,5 Prozent) übertreffen alle die 40-Prozent-Marke, die die Spreu vom Weizen trennt.

Überraschungen bietet der Blick auf die Rebounds: Der 1,80 Meter kleine Ross Jorgusen liegt vorn. Er angelte sich 64 Abpraller, vor James Hayden (63), der pro Spiel sogar die meisten (7,9) holte. David Bouwmeester reboundet am besten von den Langen (62/6,2 pro Spiel), Bill Goehrke ist ihm auf den Fersen (6,0 pro Spiel trotz bisher wenig Spielzeit). Hayden ist aber nicht nur der beste Rebounder, sondern auch der beste Passgeber der Knights: 6,4 Anspiele pro Spiel nutzen seine Kollegen zu Korberfolgen. Ross Jorgusen folgt mit 6,2 nur knapp dahinter. Auf Platz drei Jorgo Tsouknidis mit 2,4. Kurz drei weitere Spitzenreiter: Ross Jorgusen ist natürlich wie immer der beste Ballklauer (3,6 pro Spiel), Bill Goehrke der beste Shotblocker (1,2) und James Hayden führt eine Statistik an, bei der keiner vorne sein will: 4,3 mal pro Spiel verliert er den Ball was Spielern mit Hang zum Risiko oft passiert. Was sagen all diese Zahlen? Vor allem dies, dass sich jeder Einzelne verbessern kann. Denn nur dann kann der Traum vom Wiedereinzug in die Aufstiegsrunde Realität werden.

mad