Lokalsport

In Kanada platzt endlich der Knoten

EDGAR VELOCI

ST. FELICIEN Dass ihn Wolfram Kurschat (Neustadt) auf den letzten Kilometern noch passierte, hat ihn wohl schon ein wenig gewurmt. Das war jedoch der einzige kleine Schatten, der auf das positive Fazit von Lado Fumic fiel. Ansonsten konnte sich der 31-Jährige zufrieden zurücklehnen und sich gratulieren lassen. "Das Rennen war für mich so schön, so flüssig", meinte er genüsslich.

Mehr als 13 Monate hatte er auf eine Top-Ten-Platzierung im Weltcup gewartet. In St. Felicien scheint das Glück zurückgekehrt zu sein. Der Kirchheimer erledigte sein Rennen souverän, ohne Defekt und ohne Sturz. Schon kurz nach dem Start hatte er sich in die besten Zehn gefahren, als Achter kam er aus der Startloop. "Ich habe am Start richtig reingehalten", bekannte er. Offensichtlich nicht zu heftig, denn er konnte das Niveau halten. Nur ein Regenschauer brachte ihn eine Zeit lang durcheinander. Da passten die gewählten Reifen nicht mehr und Lado Fumic fiel zurück auf Rang elf.

Doch wer gedacht hatte, er würde jetzt weiter an Boden verlieren, sah sich getäuscht. Er stabilisierte sich und als die Strecke wieder trocken war, entdeckte man ihn plötzlich auf Platz acht wieder. In der fünften von sechs Runden schloss er zum siebtplatzierten Balz Weber (Schweiz) auf, doch der ließ ihn mit seinem voll gefederten Rad in einer der vielen Wurzelpassagen wieder stehen. Von hinten kam Wolfram Kurschat mit dem Amerikaner Adam Craig im Schlepptau. Auch Kurschat war auf einem voll gefederten Bike unterwegs und hatte in den technischen Passagen eindeutig seine Vorteile. Fumic rutschte das Vorderrad weg, Kurschat war dran und in der nächsten schwierigen Passage fuhr der Pfälzer einfach vorbei.

"Ich habe mich natürlich geärgert, weil ich eigentlich Kraft hatte ohne Ende. Aber mit dem Hardtail kommst du da nicht vom Fleck", schilderte Lado Fumic. Den Amerikaner konnte er sich immerhin noch vom Leib halten und sich 21 Sekunden hinter dem Achten Kurschat und mit 5,15 Minuten Differenz auf Julien Absalon (Frankreich, 2.07,56 Stunden) Rang neun sichern. Die EM-Nominierung ist damit kein Thema mehr. "Ich liege im Plan. Das Negativ-Geschwätz der letzten Wochen hat mich schon genervt. Ich bin Top-Ten gefahren, was ich wollte. Und das, ohne die Brechstange auszupacken", meinte Lado Fumic noch.

Enttäuschung bei ManuelBruder Manuel saß ein paar Meter hinter der Ziellinie wie ein Häuflein Elend und war mit sich selbst zutiefst im Unreinen. Für sich selbst lag er nach der zweiten Runde voll im Plan. Etwa 30 Sekunden hinter seinem Bruder rangierte er auf Platz 15, direkt hinter Christoph Sauser (Schweiz). Nachdem er diesen überholt hatte, passierte ihm ein Missgeschick, bei dem er sich das Pedal gegen das Schienbein schlug. Danach kam er einen kleineren Anstieg nicht hoch, weil das Bein wehtat. "Das hat mich mental so fertig gemacht, dass ich total abgeschaltet habe", bekannte er. Ab diesem Zeitpunkt wirkte er kraft- und emotionslos. Dass er sich durch eine solche Kleinigkeit hatte aus dem Konzept bringen lassen, darüber haderte er hinterher mit sich selbst. "Die Beine waren gut und bis dahin war meine Strategie voll aufgegangen. Ich weiß nicht, warum mich das so kaputt gemacht hat", schüttelte der 25-Jährige den Kopf. Platz 30 mit 9,14 Minuten Rückstand waren ernüchternd.

Der Sieg ging zum vierten Mal in Folge an Julien Absalon, der damit auch seinen dritten Weltcup-Gesamtsieg perfekt machte. Absalon profitierte von einer gerissenen Kette bei José Hermida, der bis zur fünften Runde gemeinsam mit ihm an der Spitze gelegen hatte. Hermida wurde trotzdem noch Zweiter vor dem Schweden Fredrik Kessiakoff. In der Weltcup-Gesamtwertung liegt Manuel Fumic jetzt auf Platz 22, sein Bruder Lado auf 24. Bei den Damen siegte zum dritten Mal in dieser Saison Irina Kalentieva (Russland). Diesmal vor Marie-Hélène Premont und Sabine Spitz (Murg-Niederhof).

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