Lokalsport

INTERVIEW

VfL-Abteilungsleiter Dr. Jörg Mosolf setzt auf Nachhaltigkeit

Seit April 2006 ist Dr. Jörg Mosolf Abteilungsleiter der VfL-Fußballer. Im Interview spricht der 52-jährige Kirchheimer Unternehmer über die bisherige Saison, warum die Mannschaft seiner Meinung nach den Klassenerhalt schaffen wird und seine Ansichten zum geplanten Sportpark an der Jesinger Allee.

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Peter Eidemüller

Herr Mosolf, was werden Sie am 6. Juni dieses Jahres gegen 17.15 Uhr machen?

JÖRG MOSOLF: Das ist kurz nach dem letzten Spiel gegen Walldorf, richtig? Also, ich gehe mal fest davon aus, dass wir dann den Klassenerhalt feiern werden. Ich hätte aber auch nichts dagegen, wenn wir das schon vor dem letzten Spieltag schaffen würden.

Vor der Saison hieß das Ziel „einstelliger Tabellenplatz“. Damit hat man sich im Nachhinein betrachtet ein bisschen weit aus dem Fenster gelehnt, oder?

MOSOLF: Natürlich. Damals dachten wir, dass wir die Voraussetzungen für dieses Ziel hätten. Allerdings mussten wir uns schnell eingestehen, dass die Verpflichtung von Dietmar Sehrig als Trainer ein Fehler war. Da trifft alle in der Abteilung, auch mich, eine Mitschuld. Dass uns der zweite Trainer Hansi Kleitsch dann nach nur drei Spielen wieder verlassen hat, damit konnten wir bei bestem Willen nicht rechnen. Umso mehr freut es uns, dass wir mit Rolf Baumann jetzt einen Trainer haben, der etwas bewegt.

Warum ist er Ihrer Meinung nach der Mann, der den VfL aus dem Tabellenkeller führen kann?

MOSOLF: Bei ihm liegen Anspruch und Wirklichkeit nah beieinander. Darüber hinaus setzt er vermehrt auf junge Spieler, was unserer von Nachhaltigkeit geprägten Philosophie natürlich sehr entgegenkommt.

Bei Ihrem Amtsantritt im April 2006 machten Sie keinen Hehl daraus, dass Sie vom Fußball nicht viel verstünden und Ihr Fokus daher eher auf dem Organisieren läge. Wie verhält sich das drei Jahre später?

MOSOLF: Ob ich in dieser Zeit mehr in die „Fußballerrolle“ hineingewachsen bin oder nicht, sollen andere beurteilen. Ich sehe meinen Hauptjob schon eher im Organisieren, und zwar nicht nur in Bezug auf die Oberligamannschaft. Wir wollen vor allem auch mit den Jugendteams und der zweiten Mannschaft nach vorne kommen. Denn auf Dauer kann es nur das Ziel des VfL sein, eine starke personelle Basis zu haben, bei der sich möglichst alle Beteiligten mit dem Verein und seiner Philosophie identifizieren. Dazu gehört allerdings auch die entsprechende Infrastruktur, die momentan leider nicht ausreichend ist.

Sie reden vom Kirchheimer Stadion, das in seiner jetzigen Form wohl kaum eine Zukunft haben dürfte. Daher müssten Ihnen die Planungen zum Bau des Sportparks inklusive neuem Stadion an der Jesinger Allee doch absolut zusagen.

MOSOLF: Das Stadion ist abrissreif, keine Frage. Bevor es da jetzt aber weitergeht, sollten sich alle klar darüber werden, was sie wollen. Damit meine ich die Stadt als Stadioneigner, den VfL und alle anderen Vereine. Wenn alle nur ihr eigenes Süppchen kochen, kann ich schon verstehen, dass die Stadt sich hinstellt und sagt: „Warum sollen wir das jetzt machen, wenn die sich alle nicht einig sind.“ Ich bin aber auch der Meinung, dass die Vorschläge letztendlich der Eigentümer machen muss, also die Stadt. Allerdings habe ich das Gefühl, dass Entscheidungen wie diese in Kirchheim gerne vertagt werden. Wir warten auf die Vorschläge, damit wir mitwirken können. Und damit meine ich nicht nur die Fußballabteilung, sondern den gesamten VfL.

Zurück zu den Fußballern. Die sind bei ihren Heimspielen nicht gerade mit riesigen Zuschauerzahlen gesegnet. Der Schnitt in der Hinrunde lag bei nur knapp 270 – zu wenig, oder?

MOSOLF: Unser Ziel müssen sicher Zahlen zwischen 300 und 500 sein, ganz klar. Dafür müssen wir attraktiveren Fußball spielen. Das können wir aber nur, wenn die Basis stimmt und alle in der Abteilung an einem Strang ziehen: Jeder Jugendspieler muss ein Vorbild haben, ein Ziel, auf das er hinarbeitet – das kann nur die erste Mannschaft sein. Ohne entsprechende Perspektive ist es verständlich, dass Jugendspieler den Verein verlassen wollen. Da sind wir aber auf einem sehr guten Weg, weil alle – von der ersten über die zweite bis hin zu den Jugendmannschaften – von ihren Egoismen herunter gekommen sind.

Ist vor diesem Hintergrund der Aufstieg der zweiten Mannschaft in die Bezirks- und danach in die Landesliga nicht ebenso wichtig wie das Schicksal der ersten Mannschaft.

MOSOLF: Der Sprung von der A-Jugend in die Oberliga bei den Aktiven ist riesig. Dass den nicht alle schaffen können, ist auch klar. Daher wollen und müssen wir mit der Kreisligamannschaft bald nach oben kommen, um den jungen Spielern eine Alternative zur ersten Mannschaft bieten zu können – egal, ob diese nun in der Regionalliga, der Oberliga oder der Verbandsliga spielt.