Lokalsport

Jesinger Reise ins Ungewisse

Basketball: Nach Landesligameisterschaft basteln TSVJ-Frauen am Oberligakader

Kaum ist der Durchmarsch der Jesinger Basketballerinnen in der Landesliga beendet, laufen die Planungen für die neue Saison im Herbst bereits auf Hochtouren. Ob die erste Spielzeit in der Oberliga nach einjähriger Abstinenz zu einer ähnlichen Talfahrt gerät wie 2008/09, hängt nicht zuletzt von den ­Abiturientinnen im Team ab.

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Peter Eidemüller

Kirchheim. Kein Sekt stand kalt, keine Korken knallten, keine Nacht wurde zum Tage gemacht – die Feierlaune bei den Basketballerinnen des TSV Jesingen nach dem vorerst letzten Spiel in der Landesliga hat sich in Grenzen gehalten. Nachdem Meisterschaft und Aufstieg bereits vor dem Saisonschlussakkord in Villingen fix waren, mühte sich die TSVJ-Fünf vorvergangenes Wochenende im Schwarzwald zu einem schmeichelhaften 57:48-Sieg, der erst nach Verlängerung zustande kam – bis auf die knappen Matches gegen Ulm (66:61) und Überlingen (60:55) das einzige Mal, dass die Jesingerinnen in dieser Saison zittern mussten. Ansonsten legte die Mannschaft von Trainer Stefan Fortunat mit zwölf Siegen aus zwölf Spielen eine Dominanz an den Tag, die auf Landesligaebene nur noch in der Heidelberger Vorstadt getoppt wurde – der DJK Handschuhsheim holte den Meisterwimpel in der Rhein-Neckar-Staffel mit 16 Siegen aus 16 Spielen. Ein Duell mit den Kurpfälzerinnen wird es für den TSVJ in der kommenden Saison allerdings nicht geben: Handschuhsheim wird in die Oberliga West eingruppiert, Jesingen ins Ost-Pendant.

Um dort eine möglichst schlagkräftige Truppe beieinander zu haben, führt Trainer Fortunat seit dem Villingen-Match Gespräche mit der Mannschaft – wer bleibt, wer geht? Viele Spielerinnen machen im Frühjahr Abitur, visieren danach ein Studium an. Wie zum Beispiel Vera Plessing, die mit 11,3 Punkten pro Spiel nicht nur eine der Leistungsträgerinnen im Team, sondern auch zweitbeste Werferin der Liga hinter der Weingartenerin Kirsch (15,9) war. Oder Gina Spiller, die 22 von 32 Freiwürfen versenkte und damit ligaweit drittsicherste Schützin von der Linie war. Auch die Zukunft von Karin Bardens und Lea Tyler, laut TSV-Abteilungsleiter Frank Rödel „wichtige Stützen im Team“, ist nach dem Abitur noch offen.

„Wenn uns drei von diesen vieren erhalten bleiben, hätten wir im Herbst natürlich eine bessere Ausgangssituation“, hofft Rödel. Der Abteilungsleiter weiß nur zu gut, dass ein personeller Aderlass schnell zu einer ähnlichen Situation führen kann, wie in der letzten Jesinger Oberligaspielzeit. Ziemlich genau vor einem Jahr musste sich der TSV nach nur einem Sieg aus 16 Spielen sang- und klanglos aus der zweithöchsten baden-württembergischen Spielklasse verabschieden. Danach verzichtete man auf den Klassenerhalt, der durch den Rückzug eines Konkurrenten noch möglich gewesen wäre. „Wir wollen nicht noch einmal eine derartige Talfahrt riskieren“, hatte Rödel im April 2009 nach mehrwöchiger Bedenkzeit verlauten lassen.

Die Angst von damals ist auch heuer nicht unbegründet, schließlich ist das Leistungsgefälle zwischen Landes- und Oberliga mitunter eklatant. „Da hast du Mannschaften mit bezahlten Spielerinnen und Clubs mit professionellen Bedingungen“, weiß Rödel. Da Geld die Jesinger Basketball-Welt (noch) nicht regiert, setzt man hier auf die eigene Jugendarbeit, was dazu führt, dass sich der TSV-Kader seit jeher ausschließlich aus Eigengewächsen zusammensetzt.

Dass darunter auch mal solche Rohdiamanten wie Luise Büchele (bei Zweitligist TSV Viernheim) oder Nora Reinhardt (U 17-Bundesliga mit der BSG Ludwigsburg) versteckt sind, bestätigt die Nachhaltigkeit der Jesinger Schule – dass der Feinschliff nicht in den Lehenäckern vorgenommen werden kann, macht die Mannschaft in der Oberliga allerdings nicht gerade konkurrenzfähig(er). Was bleibt dem Verein also anderes übrig, als den jüngsten Aufstieg als Bestätigung der eigenen Nachwuchsarbeit zu begreifen und bei der Reise ins Ungewisse einfach das Beste für die neue Saison zu hoffen?

Bei aller personellen Ungewissheit gibt es jedoch auch Erfreuliches zu vermelden. So kehrt Routinier Susan Huschka nach Auslandssemester in Neuseeland ins Team zurück. Mannschaftsführerin Daniela Fischer, die bereits vor der letzten Saison ans Aufhören dachte, will noch ein Jahr dranhängen. „Das Abenteuer Oberliga wird sie sich sicher nicht entgehen lassen“, lacht Frank Rödel, der auch weiterhin auf Stefan Fortunat als Trainer setzen kann. Unterstützt wird der VfL-Landesligacrack von Benny Beck, der auch die zweite Jesinger Mannschaft betreut – mit Erfolg: Momentan spielt die „Zweite“ in der Aufstiegsrunde zur Landesliga. „Die Vernetzung zwischen beiden Teams hat sich voll ausbezahlt“, freut sich der Abteilungsleiter. Nicht zu Unrecht.