Lokalsport

Jetzt stehen entscheidende Wochen bevor

Jetzt ist es amtlich: Das Kirchheimer Radrennen auf dem Alleenring wird 2006 unter neuer Regie stattfinden. Nach dem endgültigen Bruch mit Organisator Johannes Dornhofer und dessen Firma SEC wechselt der RKV Kirchheim die Pferde. Neuer Vertragspartner ist die Racing Team GmbH, hinter der der Name Fumic steht.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Im goldenen Oktober lichtet sich der Herbstnebel. Spät, aber immerhin. Das gilt nicht nur fürs Wetter. Nach wochenlanger Hängepartie, persönlichen Scharmützeln, Wirrungen und Irrungen rund ums Kirchheimer Radrennen, scheint der Gärprozess in der Gerüchteküche vorerst beendet. Es gibt einen neuen Vertrag und damit auch zwei neue Partner. Der RKV Kirchheim, der nach wie vor als Veranstalter hinter dem Rennen steht, hat sich mit der Racing Team GmbH der Fumic-Brüder einen lokalen Strippenzieher ins Boot geholt.

Dessen bisheriger Mangel an entsprechenden Referenzen soll ein Dritter im Bunde wett machen: Die Firma Skyder Sportpromotion mit Sitz in Straßberg auf der Zollernalb hat unlängst bewiesen, dass publikumswirksame Radsportveranstaltungen auch in der Provinz Anklang finden können. Bei den deutschen Cross-Country-Meisterschaften der Mountainbiker im Juni in Albstadt, säumten rund 12 000 Zuschauer die Strecke, angelockt durch ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Galaabend, Erlebnispark und Showbühne. Stephan Salscheider Skyders verantwortlicher Mann der schon Stars wie Jan Ullrich und Erik Zabel am Mikro begleitete, soll in Kirchheim nicht nur die Moderation übernehmen und für die nötige Infrastruktur sorgen, sondern gemeinsam mit der örtlichen Racing Team GmbH auch das Thema Sponsoring abdecken.

Dahinter verbirgt sich das eigentlich spannende Thema, denn bereits jetzt steht fest: Ein Rennen auf kleinerer Flamme, das im RKV bisweilen Befürworter fand, wird es mit den neuen Organisatoren nicht geben. Im Gegenteil. Noch vor Beginn der Gespräche mit möglichen Geldgebern, machen Namen wie Jens Voigt und Erik Zabel die Runde. 60 000 Euro nennt Stephan Salscheider als groben Richtwert für ein derart hochkarätig besetztes Fahrerfeld. "Wir wollen 2006 den bisherigen Standard auf jeden Fall halten und danach schauen, was geht", sagt er.

Der sportliche Teil ist allerdings nur eine Seite der Medaille. "Die Stadt muss leben", sagt Uwe Wetzig, Geschäftsführer der Racing Team GmbH, der das Potenzial der Veranstaltung noch nicht ausgeschöpft sieht. Das Zuschauerinteresse dürfe sich nicht nur auf den Sonntagnachmittag beschränken, meint Wetzig. Er spricht von einem Rahmenprogramm, das sich möglichst über zwei Tage erstrecken und auch die Kirchheimer Gastronomie stärker mit einbinden soll etwa mit einem Musikkonzert zum Auftakt, einer kulinarischen Meile und anderem mehr. Dafür gilt es in den kommenden Wochen Überzeugungsarbeit bei Stadt und bei Sponsoren zu leisten, denn ein größeres Angebot verlangt auch nach einem größeren Budget.

Der Weg nach oben dürfte allerdings mit regionalen Finanzpartnern alleine kaum zu beschreiten sein. Also müssen Hochkaräter mit ins Boot. Ob die Muntermacher des österreichischen Sportgetränkeherstellers Red Bull dem Kirchheimer Radrennen Flügel verleihen werden, bleibt abzuwarten. Immerhin drapierten sich die Fumic-Brüder bei der Marathon-DM im heimischen Münsingen vor Wochen schon einmal werbewirksam um deren Firmenlogo. Die ersten Finanzierungs-Pflöcke hofft man bei den Organisatoren in den kommenden vier Wochen einschlagen zu können. "Bisher fehlte dafür die Grundlage", sagt Wetzig. Mit der Vertragsunterzeichnung könne jetzt die Sondierung beginnen.

Albert Bosler, der im Sommer Roland Geiger an der Spitze der RKV-Radsportabteilung beerbte, hat den 4. Juni 2006 schon mal als Renntermin beim Verband angemeldet. Eine Woche vor dem ursprünglich geplanten Termin, zu dem Kirchheims seitheriger Organisationschef Johannes Dornhofer mit seiner Firma SEC nun in Esslingen Premiere feiert. Dass der seit längerem von den Zwiebelstädtern Umworbene seine Zelte am Neckar aufschlägt und dabei im Esslinger Rathaus auf begeisterte Mitstreiter trifft, macht die Sache aus Kirchheimer Sicht nicht einfacher. Dornhofer schied im Zorn und zog damit seine Konsequenzen aus einer monatelangen Hängepartie, die nicht zuletzt im persönlichen Machtkampf mit der neuen RKV-Spitze wurzelte. Mit seinem Rückzug läuft man in Kirchheim zumindest Gefahr, auch einen Teil der Geldgeber zu verlieren. Der Kreissparkasse als seitheriger Titelsponsor fiele es naturgemäß leicht, eine Brücke zur Kreiskapitale zu schlagen. Schließlich hat die Bank dort ihren Stammsitz. In der Chefetage am Alleenring macht man zudem keinen Hehl daraus, dass man mit dem Status quo auch fürderhin gut hätte leben können.

Dennoch zeigen sich die beiden Kirchheimer Regionalbereichsleiter Werner Löffler und Dietmar Ederle neuen Wegen gegenüber aufgeschlossen: "Wir haben das Rennen mit aufgebaut, da hängt auch ein Stück Herzblut dran", bekennt Ederle. Entscheidend sei das Konzept und Professionalität in der Durchführung, meint Löffler. "Wenn beides stimmt, sitzen wir mit am Tisch."

Ob die Unterstützung beider Rennen, in Kirchheim und eine Woche später in Esslingen, ein gangbarer Weg wäre, will die Bank derzeit nicht beantworten. "Wir kennen beide Konzepte nicht", sagt Ralf Tögel, Pressesprecher der KSK-Zentrale in Esslingen. Man wolle weder einen hausinternen Konkurrenzkampf, noch einen Wettbewerb der Städte vorantreiben. Wie auch immer: Zumindest was den Termin anbelangt, geht Kirchheim mit einem Handicap ins Rennen, denn der 4. Juni 2006 liegt inmitten der Pfingstferien. Dem Kirchheimer Radrennen jedenfalls stehen entscheidende Wochen bevor.