Lokalsport

Jetzt wird es ganz hart für den VfL

Abstiegskampf Kirchheimer Turnerinnen müssen im entscheidenden Wettkampf um den Zweitliga-Klassenerhalt auf Oksana Chusovitina verzichten. Von Bernd Köble

Schwung holen für den entscheidenden Auftritt: Nele Rüping und ihre Teamkolleginnen müssen heute in Dresden über sich hinauswach
Schwung holen für den entscheidenden Auftritt: Nele Rüping und ihre Teamkolleginnen müssen heute in Dresden über sich hinauswachsen.Foto: Georg Hrivatakis

Morgenstund hat Gold im Mund? Von wegen. Um 5.34 Uhr am frühen Mittwoch war der Traum vom Klassenerhalt in der zweiten Bundesliga für die Turnerinnen des VfL Kirchheim so gut wie ausgeträumt. Die Mail, die Trainerin Michaela Pohl in dieser Stunde erreichte, hatte das zum Inhalt, von dem jeder wusste, dass es nicht passieren durfte. Oksana Chusovitina, hoch dekorierte Saisonkraft, die dem VfL in einem schwierigen Übergangsjahr das Überleben in der Liga hätte sichern sollen, hat sich drei Tage vor dem entscheidenden Wettkampf heute in Dresden verletzt abgemeldet. Damit ist klar: Der Auftritt der Ex-Weltmeisterin vor vier Wochen in Heidenheim, bei dem sie dem VfL in der Endabrechnung Platz sechs sicherte, bleibt der erste und einzige im Kirchheimer Dress. Die Hoffnungen, mit einem starken Finish in der Dresdner Margon-Arena den Absprung vom Tabellenende doch noch zu schaffen, sind damit auf ein Minimum gesunken.

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Jetzt muss es die jüngste Riege in der Zweiten Liga alleine richten, und man braucht kein Prophet zu sein, um zu wissen, dass das kaum zu schaffen sein wird. Es ist ihr Job, die Mannschaft aufzurichten, das weiß Michaela Pohl. „Im Turnen hat man schon viel erlebt“, sagt sie. Überraschende Patzer und Verletzungen, auch wenn man das keinem Gegner wünschen will. „Unsere Chancen sind natürlich sehr gering“, sagt sie. „Aber ich rede erst vom Abstieg, wenn es so weit ist.“

Ohne Chusovitina, die beim Saisonauftakt wegen der WM in Montreal noch fehlte, landete der VfL abgeschlagen auf dem letzten Platz. Dort steht er zwar noch immer, doch der Abstand zum Vorletzten aus Tittmoning ist seit dem zweiten Wettkampf auf zwei Punkte geschrumpft. Nur das Schlusslicht steigt am Ende ab. Ein Bild, das trügt, denn Michaela Pohl weiß: Der wahre Gegner heißt Eintracht Frankfurt, die mit vier Punkten Vorsprung Drittletzter sind. Dass die Reserve des Erstligisten aus Tittmoning im Abschlusswettkampf eine Zitterpartie riskieren wird, damit rechnen die wenigsten. Die Oberbayern verfügen über einen tiefen Kader und dürften bisher längst nicht alle Trümpfe ausgespielt haben.

Jetzt heißt es Verantwortung übernehmen. Maike Halbisch und Nele Rüping, bisher die Zuverlässigsten hinter Weltcupsiegerin Chusovitina, sind plötzlich als Führungskräfte gefragt. Eine 12- und eine 13-Jährige, denen nicht wenige im kommenden Jahr eine tragende Rolle in der Zweiten Liga zutrauen würden. Deshalb wäre der Klassenerhalt für die Kirchheimer Talentschmiede so wichtig. Deshalb Chusovitina, mit der man den Generationenwechsel schadlos überstehen wollte. Auf eines immerhin kann sich die Kirchheimer Riege verlassen: Motivation und Zusammenhalt sind ungebrochen. Dafür sorgte nicht zuletzt ein Trainingslager am französischen Vorzeige-Stützpunkt in Saint Etienne, das man gemeinsam mit dem Aufstiegsfavoriten SSV Ulm in den Herbstferien absolvierte. Wenn es stimmt, dass der Wille Berge versetzt, dann sind die Kirchheimer Mädchen heute nicht chancenlos.

Die VfL-Mannschaft

Maike Halbisch (Jahrgang 2005)

Nele Rüping (2004)

Joanna Varro (1997)

Noemi Rapp (2005)

Maike Brey (2003)

Sarah Widmann (2005)

Dritter und letzter Wettkampftag in der DTL. Beginn der Wettkämpfe in der 2. Bundesliga heute um 12 Uhr in der Margon-Arena in Dresden.