Lokalsport

Johannes B. Kerner ist beliebter als Günther Netzer

Laut einer Langzeitstudie der Universität Hohenheim zur Fußball-Weltmeisterschaft 2006 sind über 80 Prozent der Befragten mit der Internet-Verlosung der WM-Tickets unzufrieden.

STUTTGART Dank der aktuellen Auswertung der WM-Langzeitstudie der Universität Hohenheim liegen jetzt belastbare Zahlen über die Kundenzufriedenheit bei der Ticket-Vergabe zur Fußball-WM vor. Demnach kritisieren 81 Prozent der insgesamt 2093 befragten Personen die Ticket-Vergabe im Internet. 25 Prozent wollen bei weiteren Vergaberunden dennoch dabei sein, 28 Prozent planen, ihr Glück auf dem grauen Markt zu probieren. Nur zwei Prozent lobten die Ticketvergabe als "sehr positiv".

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Für Unmut sorgten vor allem die geringe Anzahl der regulären Tickets im Verkauf als auch die relativ hohe Anzahl der VIP-Tickets, gefolgt von den Umtausch-Modalitäten und der Verpflichtung, die Nummer des Personalausweises bei der Bestellung angeben zu müssen. Kritisiert wurden außerdem das Losverfahren und der Ticket-Preis. Akzeptiert werden dagegen die Aufsplittung in mehrere Vergaberunden, Bestell-Modalitäten wie die Art der Bezahlung und die Abwicklung des Verfahrens über das Internet.

Dass die Ticketnachfrage abflaut, ist dennoch nicht zu erwarten. "Insgesamt zeigt die Hälfte der Bevölkerung Interesse, ein WM-Spiel anzusehen. Knapp 25 Prozent der Befragten will sich deshalb auch an weiteren Vergaberunden beteiligen", bilanziert Stefan Sandulescu, Co-Projektleiter der WM-Studie.

Für alle, die bei der WM 2006 (9. Juni bis 9. Juli/mit sechs Spielen in Stuttgart) nicht ins Stadion können, bleibt Fernsehen mit Live-Übertragungen und Spielzusammenfassungen das Medium Nummer eins. Dahinter folgt die Berichterstattung der Tageszeitungen und Kurznachrichten in Radio/Fernsehen noch vor dem Internet, Sportmagazinen und individuellen Informationsdiensten.

Eindeutiger Star der Fernseh-Moderatoren ist Johannes B. Kerner, den sich 45 Prozent der Befragten als Berichterstatter wünschen. Zum Spitzentrio gehören weiterhin Günther Netzer (36 %) und Reinhold Beckmann (35 %). Erst an vierter Stelle folgt Franz Beckenbauer (31 %), im Anschluss Gerhard Delling und Marcel Reif mit je 27 Prozent.

Bei den Sendern liegen ARD und ZDF in der Zuschauergunst vorne: Gut 80 Prozent finden es richtig, dass ARD und ZDF sich die Live-Übertragung von mindestens 48 Spielen gesichert haben. Die derzeit realisierte Lösung, bei der sich öffentlich-rechtliche und Privatsender die Exklusivrechte teilen, gilt immerhin als "Second Best" (34 % Zustimmung). Für eine Gebührenerhöhung zur WM-Finanzierung zeigt eine Mehrheit (85 %) kein Verständnis.

"Laut Studie wünscht sich die Bevölkerung mehr Hintergründe zu Geschehnissen rund um die WM aus den Spielorten", liest Sandulescu aus den Ergebnissen. Vor allem Expertengespräche und Spielanalysen aus dem WM-Studio könnten dafür nach Ansicht der Befragten gern reduziert werden. Zurückgefahren werden sollten auch Spielstatistiken wie zum Beispiel Kopfballtreffer pro Spieler, gefolgt von Spielwiederholungen, Interviews mit den Spielern und technische Spielereien wie zum Beispiel Linienzug/Abstandsmessungen, erklärten die meisten Befragten.

pm

ONLINE-INFOwww.wm-studie.de.