Lokalsport

"Kampfschwein Wilu"

Die Ansage von Knights-Co-Trainer Giorgios Poulos beim Training war glasklar: "Wenn wir diese Abwehr spielen, halten wir Trammell unter zehn Punkten." Gemeint war Dennis Trammell, der Topscorer des USC Heidelberg, der in der bisherigen Saison 18,8 Punkte pro Spiel erzielt hatte.

MAX DANIEL

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HEIDELBERG Der Defense-Spezialist sollte recht behalten: Seine Strategie funktionierte, der farbige Amerikaner blieb mit nur acht Punkten wirkungslos. Doch es nützte nichts, am Ende hatte der USC Heidelberg einen Punkt mehr. "Mehr Glück als Verstand", war denn auch auf der USC-Homepage zu lesen. (Basketball-)Verstand: Das ist ein Lieblingsthema von Knights-Coach Pasko Tomic, der wegen der fehlenden Routine seiner Truppe Woche für Woche Defizite anmahnt. So auch am Samstag, und diesmal tat's besonders weh. Tomic: "Wir haben schon wieder die Zeche bezahlt für unsere Unerfahrenheit."

Im Grunde fanden im Olympiastützpunkt drei Basketballspiele statt: Das erste bis zur Pause, das zweite bis zur 36. Minute, das dritte in der Schlussphase. Maßgeblichen Anteil daran, dass das zweite zum bisher besten der Knights in der zweiten Liga wurde, hatte Wilu Lenger, der sonst um jede Minute Einsatzzeit kämpfen muss. USC-Coach Torsten Daume: "Er brachte mit seinem Kampfgeist und seinem Reboundverhalten in Charles-Barkley-Manier mit purem Willen eine enorme Energie aufs Feld und riss sein gesamtes Team förmlich mit." Fazit: Das "Kampfschwein" ist wieder da. Leidtragende der aggressiven Ausrichtung waren die beiden Kirchheimer Center Alex Zyskunov und Bill Goehrke, die zusammen keine 24 Minuten Spielzeit bekamen. Goehrke, zunächst sogar in der Anfangsformation, kam zu Beginn mit USC-Center Peter Huber-Saffer nicht zurecht, später blieb Tomic bei seiner kleinen Aufstellung. Zyskunov wurde ebenfalls zum Opfer der neuen Defensiv-Taktik. Nach dem Spiel gab Tomic zu, in der Schlussphase, als die Kirchheimer Energie erlahmte, vielleicht einen Fehler begangen zu haben, als er Zyskunov nicht noch einmal brachte: "Ich dachte, die Mannschaft hätte sich gefunden. Im Nachhinein wäre vielleicht ein Wechsel besser gewesen." Offensichtlich hatte die Aufholjagd zu viel Kraft gekostet, vor allem geistig.

Mit der mentalen Belastung hatte aber auch Heidelberg zu kämpfen. Ex-Nationalspieler Wolfgang Fengler meinte: "Eine Niederlage wäre ein Schock gewesen." Ein Schock sicherlich auch für die Kirchheimer Konkurrenz im Abstiegskampf. Mit der Leidenschaft der zweiten Hälfte ist für das Kirchheimer Team noch einiges möglich in den restlichen 13 Spielen. Womöglich schon beim nächsten: Am kommenden Samstag kommt der TV Lich in die Sporthalle Stadtmitte, als erstes von fünf Mittelfeldteams in der Rückrunde. Nach Lich noch Ehingen, Crailsheim, Nördlingen und München mit einer Leistung wie in den vergangenen drei Wochen müsste der Klassenerhalt zu schaffen sein.