Lokalsport

Karlsruhe wird zum ersten Ernstfall

Jetzt wird es ernst: Die leichten Spiele sind vorbei, morgen steht für die Kirchheimer Regionalliga-Basketballer mit dem SSC Karlsruhe das erste Schwergewicht der Liga auf dem Rückrundenspielplan. Gespielt wird in der Walter-Jacob-Halle beim Schlossgymnasium (19.30 Uhr).

KIRCHHEIM Das ist doch einmal etwas Neues: Alle Spieler sind gesund, das erste Mal seit langer Zeit waren alle im Training. Theo Leftakis, Coach der Kirchheimer Regionalliga-Basketballer, kannte dieses Gefühl schon gar nicht mehr. Bei allen Hiobsbotschaften der letzten Wochen, darunter die Vertreibung aus der Sporthalle Stadtmitte wegen des Wasserschadens als negativem Höhepunkt, tut es gut, auch mal etwas Positives zu hören. Der Grieche, der gestern früh auf einen Zwei-Tagestrip nach Neapel zu einem Euroleague-Spiel der Frauen bei dem er als Fiba-Kommissar fungiert aufbrechen musste, hatte sogar für die Trainingsstätte in der Eduard-Mörike-Schule ein Lob: "Das ist eine gute Halle."

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Montags Training in der Walter-Jacob-Halle, mittwochs in Ötlingen, donnerstags in der alten Alleenschul-Turnhalle die Knights üben sich derzeit als fahrende Ritter. Dass das Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit hat, kann nicht ausgeschlossen werden. Leftakis gibt sich trotzdem ungewohnt optimistisch: "Wir sind gut in Form und werden gut spielen." Übrigens mit der gleichen Mannschaft: Den letzten Wechseltermin der Saison (31. Januar) ließ das VfL-Management verstreichen, man vertraut im Rennen um einen Platz in der Aufstiegsrunde dem erprobten Team.

Was hektische Betriebsamkeit auslösen kann, hat zuletzt Gegner SSC Karlsruhe erleben müssen. Vom Tabellenletzten der zweiten Liga aus Würzburg war Juniorennationalspieler Edwin Offori-Attah (20) gekommen, seine noch mangelhafte Integration führte zur Niederlage im Derby gegen Rastatt. SSC-Coach Drazan Salavarda: "Da habe ich ihn viel zu lang auf dem Feld gelassen, obwohl er schlecht drauf war." Das war die Wende zu Gunsten von Rastatt. Dieses Problem hatte Salavarda, der Mitte der Woche mit Fieber im Bett lag und das Training nicht leiten konnte, am vergangenen Wochenende nicht, Offori-Attah fiel mit einer entzündeten Patellasehne aus und wird wahrscheinlich auch in Kirchheim nicht antreten können.

Trotzdem hat der Tabellensechste Karlsruhe immer noch ein sehr starkes Team, das an einem guten Tag jeder Mannschaft in der Liga gefährlich werden kann. Der derzeit beste Flügel im Südwesten ist wohl Kapitän Thorsten Kustos (18,7 Punkte pro Spiel, 3,1 Dreier), dessen 35 Punkte (5 Dreier) am Sonntag die 92:97-Heimniederlage nach Verlängerung gegen die SG Heidelberg-Kirchheim aber auch nicht verhindern konnten. Mit dieser sechsten Saisonschlappe war der Zug in Richtung Aufstiegsrunde endgültig abgefahren, und es wird spannend sein zu sehen, wie die Profis des SSC, die im Bundesligakader der BG Karlsruhe stehen und mit einer Zweitlizenz in der Regionalliga antreten, mit der veränderten Perspektive umgehen. Salavarda war schon vorher nicht richtig zufrieden mit Simovic (19,1), Popovic und Kollegen: "Die sind alle noch sehr jung und schauen ein bisschen zu sehr auf ihre eigenen Statistiken."

Die Abwärts-Tendenz in Karlsruhe ist also offensichtlich, genau in die andere Richtung zeigt die Formkurve in Kirchheim: "In Tübingen hat sich viel für uns getan, in punkto Disziplin und klarem Kopf", sagt Co-Trainer Pasko Tomic, der wohl noch näher am Team dran ist als Headcoach Leftakis. Die Knights können allerdings auch jedes Jota Klasse brauchen: Die heiße Phase der Saison beginnt morgen, leichte Spiele gibt es nicht mehr, Niederlagen dürfen nicht vorkommen, will man das Ziel Aufstiegsrunde im Auge behalten.

Nach dem Heimspiel gegen Karlsruhe geht es nach Ludwigsburg, dann kommt Weißenhorn, bevor es am 4. März zum absoluten Hit beim Tabellenführer TV Rastatt-Rheinau kommt. Spannend dürfte auch werden, wie die Fans auf die Verlegung bis Ende März ins Schlossgymnasium reagieren. Die Knights rechnen zwar mit deutlich weniger Zuschauern (Saisonschnitt bisher knapp 800) und deshalb weniger Einnahmen. Aber vielleicht überraschen die Kirchheimer ihre Basketballer ja auch.

Die Unterstützung von jedem Einzelnen könnten sie in diesen Zeiten jedenfalls gut gebrauchen.

mad