Lokalsport

Kein Dopingfall Schumacher

Den 7. Oktober 2007 würde Stefan Schumacher wohl gerne aus seinem Kalender streichen. Nächtens gefeiert, Alkohol getrunken, Unfall gebaut. Lässliche Sünde? Vielleicht. Riesendummheit? Auf jeden Fall. Zumindest seit bekannt ist, dass neben Alkohol auch das Aufputschmittel Amphetamin im Spiel war. Seit gestern weiß man nun auch, was die ganze Sache nicht ist: ein Fall für die Doping-Fahndung.

BERND KÖBLE

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60 Tagessätze zu 250 Euro und zehn Monate Fahrverbot. So das Ergebnis einer durchfeierten Nacht mit Freunden in einer Stuttgarter Disco, die sich Stefan Schumacher eine Woche nach seinem dritten Platz bei der Straßen-WM in Stuttgart genehmigte. Die Kollision mit einem Gartenzaun in der Nürtinger Braike hätte freilich ernstere Konsequenzen nach sich ziehen können, als das jetzige Urteil. Denn Schumacher ist nicht irgendein Verkehrsteilnehmer, Schumacher verdient sein Geld im Radsport und dort schrillten spätestens die Alarmglocken als bekannt wurde, dass bei dem Unfall nicht nur Alkohol im Spiel war.

Die Spuren eines Amphetamin-Derivats, die die Polizei beim obligatorischen Drogentest festgestellt hat, kann Stefan Schumacher nach eigenem Bekunden nicht erklären. Muss er auch nicht, denn seit gestern steht fest, dass der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und die Welt-Antidoping-Agentur (WADA) aus dem Fall keine Doping-Affäre stricken werden. Zwar steht Amphetamin als Aufputschmittel auf der Dopingliste, ist aber laut Reglement der WADA nur während Wettkämpfen verboten. Schumachers ehemaliger Arbeitskollege Jan Ullrich hatte vor vier Jahren bei einem ähnlichen Fall weniger Glück. Damals galt noch der alte Code des Weltverbands UCI, der Amphetamine generell auf den Index setzte. Die Folge: Ullrich erhielt sechs Monate Sperre.

So oder so mit Doping zur sportlichen Leistungssteigerung hat der jüngste Fall des 26-jährigen Nürtingers nichts zu tun. Das sieht auch der BDR so: Schumacher habe sich vor und nach seinem dritten Platz bei der WM regelmäßigen Dopingkontrollen unterzogen ohne positiven Befund. Da zwischen dem WM-Rennen und der Polizeikontrolle nach Schumachers Unfall mehr als eine Woche liegen, sei davon auszugehen, dass die Amphetamine weder während des Wettkampfes noch in der Vorbereitungsphase in den Körper gelangt seien, teilt der Verband in seiner Stellungnahme mit. Wahrscheinlicher ist, dass Schumacher ob wissentlich oder unwissentlich bei seinem Discobesuch mit der derzeit angesagtesten Partydroge in Kontakt geraten ist. "Amphetamine, die in Pulverform geschnupft werden, sind in der Partyszene gang und gäbe", sagt Günter Carrle, der Leiter des Dezernats zur Drogenbekämpfung bei der Polizeidirektion in Esslingen. Seit Sommer 2007 habe sich das Aufkommen fast verzehnfacht. Amphetamine sind zudem nicht besonders lange nachweisbar. "Schon nach 48 Stunden sind so gut wie keine Spuren mehr vorhanden", erklärt der Experte.

Stefan Schumacher, der nach Aussage seines Managers Heinz Betz, von den Testergebnissen geschockt ist und seine Unschuld beteuert, radelt sich derweil im Trainingslager auf Mallorca den Frust von der Seele. Disziplinarische Schnellschüsse seitens des Teams braucht der Nürtinger freilich nicht zu fürchten. "Wir haben mittelfristige Verträge bis Ende 2009", sagt Heinz Betz. Deutliche Worte dürfte es trotzdem geben, denn Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer ist derzeit fieberhaft auf der Suche nach einem neuen Hauptsponsor. Dabei kann er eines am allerwenigsten gebrauchen: ein neues Dopingthema im eigenen Stall, auch wenn dies gar keines ist. Sonntagabend kehrt Stefan Schumacher von Mallorca zurück. Am Dienstag findet in Gerolstein die offizielle Team-Präsentation für die kommende Saison statt. Die beginnt für den besten Deutschen in der Pro Tour am 10. Februar mit der Mallorca-Rundfahrt. Spätestens dann bleibt Stefan Schumacher ohnehin keine Zeit mehr für die Disco.