Lokalsport

Kein Ernstfall vor dem Ernstfall

Handball-Landesligisten gehen sich beim 23. Teckbotenpokal-Turnier aus dem Weg – 16 Teams an zwei Tagen

Bei wem stimmt die Fitness, wer hat bereits die spielerische Reife und wer hat in der Vorbereitung geschlampt? Antworten bekommen Handballfans am Wochenende bei der 23. Auflage des Teckbotenpokal-Turniers. Mit 16 Männer- und Frauenteams bietet Ausrichter VfL Kirchheim zwei Tage lang einen Vorgeschmack auf den Saisonstart in einer Woche.

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Bernd Köble

Kirchheim. Letzte Gelegenheit zur Feinabstimmung: Am 6. September beginnt mit dem ersten von zwei aufeinanderfolgenden Pokal-Wochenenden die neue Handballsaison. Bevor am 21. September dann endgültig der Liga-Alltag Einzug hält, stellen sich beim Teckbotenpokal-Turnier 16 Teams aus der Region einem letzten Formtest.

Vier Landesligisten führen das Achterfeld bei den Männern an, da­runter Pokalverteidiger TSV Owen, der auch in diesem Jahr als Favorit ins Rennen geht. Dass es am Wochenende nicht zu einem ersten Gipfeltreffen der drei Teckteams kommt, nahm man nicht nur beim Gastgeber VfL Kirchheim enttäuscht zur Kenntnis. Die Absage der Landesliga-Konkurrenten TSV Weilheim und SG Lenningen lässt schon manches von der explosiven Mischung erahnen, die in der diesjährigen Staffel 4 steckt. Urlaubs- oder verletzungsbedingte Personalnot und Terminüberschneidungen nennen die beiden Trainer Markus Beichter (Weilheim) und Holger Kiedaisch (Lenningen) als Gründe für die Abwesenheit. Doch klar ist auch: Man lässt sich so kurz vor Saisonbeginn ungern in die Karten schauen. Erst recht dann, wenn die Runde aus lokaler Sicht gleich mit einem Paukenschlag beginnt. Mit den Begegnungen Owen gegen Lenningen und Weilheim gegen Grabenstetten ist gleich am ersten Spieltag alles geboten, was die Staffel 4 in diesem Jahr zum Straßenfeger macht. Lenningens Coach Holger Kiedaisch, hinter dessen halbem Kader derzeit noch ein Fragezeichen steht, bringt‘s auf den Punkt: „Wenn ich mir gegen Owen jetzt schon eine Klatsche abhole, ist das nicht besonders gut für die Motivation.“ Sein Owener Kollege sieht das freilich anders: „Für uns wäre es in dieser Phase der Vorbereitung wichtig gewesen, ein möglichst stark besetztes Turnier zu spielen.“ Brodbeck hat gut lachen: Der neue Spielertrainer des Pokalverteidigers muss seinen Kader in den kommenden Wochen von derzeit 17 Spielern auf 14 bis Saisonbeginn reduzieren.

Wenig Berührungsängste scheint man auch auf der Alb zu spüren. Mit dem TSV Grabenstetten ist nicht nur der zweite Württembergliga-Absteiger in Kirchheim mit von der Partie, sondern auch jene Mannschaft, die den Owenern in der Vorsaison gleich zweimal wichtige Punkte abknöpfte, die in der Endabrechnung zum Klassenerhalt fehlten. Der Auftritt der blutjungen Grabenstetter Mannschaft wird von Gastgeber VfL Kirchheim mit besonderem Interesse erwartet, schließlich kehrt mit Ex-VfL-Trainer Sascha Mitranic ein Abtrünniger an seine alte Wirkungsstätte zurück. VfL-Abteilungsleiter Marc Eisenmann freut sich nach eigenem Bekunden auf ein Wiedersehen, auch wenn der Zeitpunkt des Abschieds beim VfL „für Irritationen gesorgt„ habe. Mitranic hatte den Verein just in dem Moment verlassen, als es endlich mit dem lang ersehnten Bezirksliga-Aufstieg geklappt hatte. „Dass er von sich aus fürs Turnier gemeldet hat, zeigt, dass das Verhältnis intakt ist“, meint Eisenmann. Der Geheimfavorit des Turniers kommt für den Turnierchef hingegen aus dem Erms­tal: Die zweite Mannschaft des TV Neuhausen um Trainer Hans Hahn hat einige Talente in ihren Reihen, die sich dringend für die Regionalliga empfehlen wollen. Dass Favoriten hingegen nicht immer halten, was die Papierform verspricht, bewies im Vorjahr eindrücklich der Gastgeber selbst, der als vermeintlicher Underdog bis ins Finale vorstieß. Sollte ­Kirchheims neuem Trainer Ralf Wagner am Wochenende das gleiche Kunststück gelingen, wäre dies für den Köngener in VfL-Diensten ein Einstand nach Maß.

Auch bei den Frauen, die am Sonntag um Pokal und Preisgelder kämpfen, sind mit den beiden Bezirksligisten aus Owen und Weilheim zwei lokale Vertreter diesmal nicht am Start. Das gilt auch für den Pokalverteidiger und Landesliga-Aufsteiger HC Wernau, der am Wochenende ein Trainingslager bestreitet. Damit hat Landesligist SG Lenningen die Bürde des Favoriten wohl allein zu tragen.

Aufschlussreiche Begegnungen, die vor dem Saisonstart die letzten Erkenntnisse bringen, erhoffen sich die Trainer, packende Kämpfe und eine entsprechende Zuschauerkulisse der Ausrichter. „Die Atmosphäre in der Halle war im vergangenen Jahr super“, begründet Marc Eisenmann den Verzicht auf ein größeres Starterfeld. Der Modus mit zwei Vierergruppen pro Turniertag habe sich bewährt. Zwölf Gruppenspiele plus vier Finalrunden-Begegnungen ist das, was an einem Tag und in einer Halle gut zu bewältigen ist, meint er. Mehr Mannschaften oder mehr Spielzeit als die gegenwärtigen zweimal 15 Minuten hieße, das Geschehen auf zwei Hallen zu verteilen. „Darunter würde sicherlich die Stimmung leiden“, ist der Abteilungsleiter überzeugt.

Zur prächtigen Stimmung nach den Spielen will auch der Gastgeber seinen Teil beitragen. Nach Turnier­ende am Samstag steigt im Foyer der Sporthalle Stadtmitte, was inzwischen bei keinem Ballsport-Turnier mehr fehlen darf: die sogenannte Players Night.