Lokalsport

Kein Platz für Fans: Fast-Eklat in Crailsheim

Noch nie gab es ein Basketball-Zweitligaspiel in Deutschland vor 3000 Zuschauern behaupteten zumindest die Crailsheim Merlins. Neben viel Lob kassierten die Hohenloher im Heimduell gegen den VfL Kirchheim allerdings auch Kritik: Die Fans waren sauer stinksauer sogar.

MAX DANIEL

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CRAILSHEIM Da kamen sie eine dreiviertel Stunde vor Spielbeginn in die Halle, suchten den reservierten Fanblock und wurden angewiesen: Verteilt euch irgendwie in der Halle. Die war aber schon proppenvoll, nur noch Plätze für Sponsoren gab es, und schon gar keinen zusammenhängenden Block für die knapp 100 Knights-Anhänger. Mit der engagierten Hilfe des stellvertretenden TSV-Abteilungsleiter Joachim Wieler fand man dann doch ein Plätzchen: direkt hinter einem Korb. An richtiges Trommeln war da, im Stehen, nicht zu denken, Platz war eigentlich auch nicht genug da, viel sahen diejenigen in der vierten und fünften Reihe natürlich nicht, aber man blieb friedlich. Ein gutes Drittel der Kirchheimer baute sich sogar hinter der Spielerbank der Knights auf.

Gestern, nachdem auf der Homepage der Kirchheim Knights die schlechte Gastfreundschaft beklagt worden war, kam in deren Geschäftsstelle die Erklärung für den Fauxpas an. Wieler: "Die fehlende Reservierung der Plätze war ein Fehler, der von uns verschuldet wurde und für den wir uns entschuldigen. Durch mehrmaliges Umplatzieren sind die 100 Kirchheimer Plätze sowie die 60 Plätze für einen unserer Topsponsoren vergessen worden." Kann passieren, keine Frage, womöglich auch, dass man in der Aufgeregtheit vergaß, dies den Kirchheimer Verantwortlichen und Fans direkt vor Ort mitzuteilen und so zur Entspannung beizutragen. Durch die Besonnenheit der Squires und von Rot-Weiß-Leberkäs, den beiden Fanklubs, konnte in Crailsheim ein Eklat vermieden werden.

Nur einmal wurde es brenzlig. Bei einer umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidung beim Stand von 58:56 für die Knights dreieinhalb Minuten vor Schluss sprangen zwei Kirchheimer Fans erregt aufs Spielfeld, allerdings nur für wenige Sekunden. TSV-Manager Martin Romig sah sich dennoch bemüßigt, für Ordnung zu sorgen und kam dabei einem Squire ziemlich nahe: Zwischen die beiden Nasenspitzen passte kein Blatt Papier mehr. Was er gesagt hat, darüber gibt es zwei Versionen "Witzbold" oder ein weit unfreundlicheres Wort, was mit den selben zwei Buchstaben beginnt. Jedenfalls führte der Auftritt fast zu Handgreiflichkeiten, aber blitzschnell standen sämtliche mitgereisten Kirchheimer Funktionäre in der Ecke und beruhigten zusammen mit einigen besonnenen Crailsheimern die Szenerie. Die letzten 200 Sekunden mussten die Fans allerdings durch ein Spalier von Ordnern beobachten. Trotzdem konnten die meisten den letzten Wurf von Willie Young sehen, der vielen noch Minuten nach Spielschluss die Augen feucht machte.

Trotz all diesem Frust blieben die Kirchheimer ihrem Ruf treu, zu den besten und sportlichsten Schlachtenbummlern der Liga zu gehören. Bei der anschließenden Party war alles wenn schon nicht vergessen, so doch vergeben, es gab reichlich Verbrüderungsszenen zwischen Schwaben und Hohenlohern. Und als die Busse von Bedis und Weissinger gegen eins vom Parkplatz gen Heimat fuhren, dominierte bereits die Freude, bei einem Basketball-Event live dabei gewesen zu sein. Und genau aus diesem Grund hatten die Knights damals im Juni den Merlins ja auch zugesagt.