Lokalsport

Keine Chance für "Schlaftabletten"

Tobias Unger bleibt über 200 m in Deutschland eine Klasse für sich: Bei den deutschen Hallenmeisterschaften in Karlsruhe stürmte der Kirchheimer Sprinter ungefährdet zu seinem vierten Titelgewinn in Serie über die volle Hallenrunde und düpierte einmal mehr die nationale Konkurrenz.

PETER EIDEMÜLLER

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KARLSRUHE Der vierte Titel ist geschafft: Wie schon in den drei vergangenen Jahren heißt der deutsche Meister über 200 m in der Halle heuer erneut Tobias Unger. Als einzigem war es dem 26-jährigen Abonnementsieger in der Karlsruher Europahalle gelungen, unter der Marke von 21 Sekunden zu bleiben: Waren es im Vorlauf für ihn noch recht beschauliche 20,90 Sekunden, so steigerte er sich im Finale auf 20,79, die locker dazu reichten, die Verfolger in Schach zu halten. Über Silber konnte sich Sebastian Ernst (21,07), über Bronze Till Helmke (21,79) freuen. Trotz des immensen Vorsprungs zollte Unger seinen Gegnern Respekt: "Mit Sebastian Ernst hatte ich einen starken Gegner im Rücken und die anderen sind ja auch keine Schlaftabletten."

Wie wichtig ihm dieser Sieg war, zeigte der Verzicht auf den Endlauf über 60 m nur knapp eine halbe Stunde zuvor. Nach 6,75 Sekunden im Vorlauf war er als Fünftschnellster für das Finale qualifiziert, verzichtete aber auf die Titelverteidigung über die Kurzdistanz. "Ich bin in diesem Jahr über 60 Meter nicht so richtig reingekommen", so Unger, "nächstes Jahr greife ich über die Strecke aber wieder an." Nach dem erwartungsgemäßen Titelgewinn über 200 m gilt die volle Konzentration nun der Freiluftsaison mit dem großen Ziel Europameisterschaft im schwedischen Göteborg im August. "Jetzt ist es wichtig, dass ich verletzungsfrei in den Sommer komme", sagte Unger, der unfreiwillig zu einem "Opfer" der Winter-Olympiade wurde: Der SWR hatte ihn eigentlich für die Sendung "Sport im Dritten" gestern Abend eingeladen, seinen Auftritt kurzerhand aber auf kommenden Sonntag verschoben Gäste im Stuttgarter Studio waren stattdessen die baden-württembergischen Turin-Fahrer Stefanie Böhler, Georg Hettich und Jens Gaiser.

Zu einem nicht mehr für möglich gehaltenen Einsatz kam Hürdensprinterin Stephanie Lichtl aus Kleinbettlingen. Nach einem Arztbesuch und einem letzten Training am Freitagabend entschieden sich die 20-Jährige und ihr Trainer Micky Corucle für einen Start über 60 m Hürden in Karlsruhe. Ursprünglich war an eine Teilnahme Lichtls aufgrund einer Rückenverletzung nicht zu denken gewesen. Doch die heilenden Hände von Szene-Doktor Dimitr Jontschew aus Uhingen machten's möglich. Zwar hatte Lichtl gegen eine andere Jontschew-Patientin, die Mannheimerin Kirsten Blom (Siegerin in 7,91 Sekunden), im Finale keine Chance, blieb in 8,35 Sekunden aber innerhalb ihres Leistungsniveaus und freute sich über den fünften Platz. Im vergangenen Jahr war's noch Rang vier.