Lokalsport

Keine Chance für Stimmungskiller

Sie haben ein wenig den Touch des FSV Mainz 05: Die Kicker des FC Frickenhausen, am kommenden Samstag Derbygegner des VfL, sind so etwas wie die Spaßfußballer ihrer Liga.

REIMUND ELBE

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FRICKENHAUSEN Während allerdings der Bundesliga-Aufsteiger aus dem Rheinischen den Klassenerhalt vor Augen hat und der ungebrochene Frohsinn mehr als verständlich ist, sieht die Lage für den Verbandsliga-Neuling aus dem Neuffener Täle schon etwas anders aus.

Zehn Punkte, damit Letzter ein Stimmungskiller ist diese nahezu aussichtslose Situation trotzdem nicht. Das liegt in erster Linie an dem von Saisonbeginn an konsequent verbreiteten Realismus. "Wir haben nach unserem Aufstieg die Verbandsliga als ein Abenteuer gesehen und gewusst, dass es schwierig wird", sagt Frickenhausens Trainer Klaus Fischer, "wenn wir wieder absteigen, ist das aber für den Verein und das Umfeld kein Beinbruch. Wir werden diese Saison trotzdem positiv in Erinnerung behalten und eben in der Landesliga einen neuen Anlauf starten."

In der Tat griffen und greifen in Frickenhausen nicht jene Mechanismen, die sonst bei erfolglosen Mannschaften üblich sind: Weder wurde der Trainer gefeuert, noch verließen Funktionäre im Streit den Club, finanziell läuft alles in ruhigen Bahnen, auch der Kader ist noch weitgehend derselbe wie zu Rundenbeginn. Wer somit im Sportgelände Tischardtegart nach deprimierten Gestalten sucht, wird garantiert nicht fündig. Im Gegenteil: Nach dem Training sitzen Spieler und Funktionäre wie zu Landesligazeiten mit entspannten Mienen in der Clubgaststätte Waldhorn zusammen, lassen dort gemeinsam das Geschehene Revue passieren und sprechen über das Kommende.

Sie haben sozusagen ihr Bestes gegeben, aber es war eben nicht genug für die höchste würtembergische Fußball-Liga. "In dem ein oder anderen Spiel hat sicher auch das Glück und die Routine gefehlt", rekapituliert Fischer den wenig erfolgreichen Saisonverlauf für den FCF, der erstmals nach dem sportlichen Niedergang des FV 09 Nürtingen in den Achtziger-Jahren wieder höherklassigen Fußball in die Nürtinger Ecke brachte.

Diese Woche sollte für die Frickenhausener Fußballer mit zwei Lokalderbys vor heimischen Publikum binnen drei Tagen noch einmal eine ganz besondere werden. Der erste Teil des Derby-Doppels fiel allerdings flach. 15 Minuten vor Spielbeginn entschied sich der Unparteiische am Mittwochabend, das Match gegen die TuS Metzingen abzusagen. Alle drei Plätze (inklusive des nicht verbandsligatauglichen Hartplatzes) waren anscheinend unbespielbar. Wasser, aber auch herumliegende Steine auf den Feldern sollen den Schiedsrichter zu der kurzfristigen Absage bewogen haben.

Der samstägliche VfL-Gegner geht somit auf Grund des Spielausfalls einen Tick frischer in das morgige Spiel. Die Worte von Frickenhausens Pressewart Werner Schmid sollten für die längst noch nicht geretteten Kirchheimer Warnung genug sein. "Wir wollen uns mit Anstand aus der Verbandsliga verabschieden und vor allen Dingen in den Lokalderbys noch für Überraschungen sorgen", erklärte der langjährige Medienbetreuer des FCF.

Die Spaßfußballer des FCF nehmen das Derby gegen den VfL also durchaus noch ernst.