Lokalsport

"Keinen Stress machen"

KIRCHHEIM Recht unterschiedliche Ansichten gab es bei Trainern und Spielern nach dem mühevollen 79:77 des VfL. Man weiß ja, dass Trainer immer kritischer sind als Spieler. Deshalb darf es nicht verwundern, wenn einige der Kirchheimer Spieler das erste Match zu Hause etwas besser sahen als ihr Chef.

Anzeige

Den optimistischten Eindruck hatte dabei Neuzugang David Bouwmeester, der allerdings auch der beste Spieler beider Mannschaften war: "Das ist doch im Großen und Ganzen gut gelaufen, wir waren doch gar nicht so schlecht. Natürlich hat uns weh getan, dass Heidelberg jeden Dreier getroffen hat und wir gar nichts." Tatsächlich traf die SG vor der Pause sieben von zehn, was deren Coach Michael Moritz wiederum gar nicht erstaunte: "Das ist kein Zufall. Ich war selbst Flügelspieler und ein starker Dreierschütze, ich habe da so meine Methoden im Training." In der zweiten Hälfte klappte das allerdings nicht mehr so gut, da rauschten nur noch zwei von acht durch die Reuse.

Einer hatte da den Abend längst hinter sich: Wilu Lenger war schon während der zweiten Hälfte zurück aus dem Krankenhaus. Seine Schilderung des Unglücks in der zweiten Minute: "Ich wollte einen blocken, komm' runter, lande auf dem Fuß eines anderen - und der Knöchel schlägt durch bis zum Boden." Der andere war übrigens Nenad Lukic, der zum Rebound herangeeilt war. Zum Glück hat Lenger beruflich mit Physiotherapie zu tun, er wird sich so intensiv selbst behandeln, dass die übliche Pause von sechs Wochen mindestens halbiert werden dürfte.

Einer, der das Spiel kritisch sah aber nicht so schwarz malen wollte, war Neuzugang Kai-Uwe Kranz. Er hatte seine Heimpremiere gleich mit zwei erfolgreichen Dreiern begonnen und dann sieben Fahrkarten fabriziert. "Natürlich haben wir zwischendurch komplett scheiße gespielt, das war mehr als chaotisch. Aber wir dürfen uns deshalb keinen Stress machen. Wir haben unsere Schwächen gesehen, da wird sich was ändern. In der nächsten Woche werden Ross und ich jeden Tag Wurftraining machen." Das scheint bitter nötig: vier von 24 Dreiern, da erscheint der Sieg fast wie ein Wunder.

Ross Jorgusen sieht das anders: "Dass wir schlecht werfen, das kann einfach mal passieren. Aber wir müssen aggressiver in der Abwehr spielen. Das ist das Wichtigste: Um zu gewinnen, müssen wir den Gegner stoppen." Das gelang am Samstag selten, aber das lag natürlich auch am Gegner. "Die SG liegt uns einfach nicht", weiß Jorgusen, "schon letzte Saison hatten wir viel Mühe, und jetzt sind sie deutlich stärker. Alle können dribbeln und schießen, das mögen wir nicht."

Bouwmeester lobte derweil den Gästecoach: "Moritz hat das Maximale aus dieser Mannschaft herausgeholt." Der so Gepriesene konnte das Kompliment allerdings nicht zurückgeben: "Ich war enttäuscht von Kirchheim. Der Trainer muss viel mehr aus dieser Mannschaft herausholen, da ist so viel Potenzial." Theo Leftakis mochte den Vorwurf gar nicht abstreiten: "Ich versuche es, aber was soll ich tun, wenn meine Werfer versagen und die Abwehr im Tiefschlaf versinkt. Als Wilu raus war, konnten sie in unserer Zone spazieren gehen. Unsere Center mögen nun mal keine Defensive."

Man kann sich allerdings hundertprozentig sicher sein, dass der Trainerfuchs da Veränderungen erzwingt. Schließlich müssen sechs neue Spieler zusammengefügt werden, das kann in vier Wochen nicht funktionieren. Etwas besser sollte es aber nächsten Sonntag klappen. Die SG Mannheim hat als Aufsteiger bisher zweimal auswärts antreten müssen. Der 84:62-Sieg in Leimen am Samstag deutete schon an, welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Man kann sich vorstellen, wie heiß die Kurpfälzer bei ihrem ersten Heimspiel sein werden.

mad