Lokalsport

"Keiner macht das, was wir trainieren"

Den erwarteten Sieg fuhren die Kirchheimer Regionalliga-Basketballer bei der Bundesliga-Reserve des SV 03 Tübingen ein. Beim 79:63 (51:27) war allerdings nur die erste Hälfte ansehnlich.

TÜBINGEN Manchmal sagen Zahlen mehr als viele Worte. Zwei Beispiele? 52 Prozent, 53, 41, 19. Oder 2, 3, 5, 7. Ersteres zeigt die Wurfquote der Kirchheimer Basketballer beim Auswärtsspiel in Tübingen über die vier Viertel, zweiteres die Anzahl der Ballverluste. In Worten: Nach einem guten Spiel in den ersten 20 Minuten ließ beim VfL die Konzentration immer mehr nach, was Tübingen ein bisschen aufholen ließ und Trainer Theo Leftakis auf die Palme brachte.

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Das war seine Schimpfkanonade nach dem Spiel: "In der Pause habe ich gesagt: Nicht nachlassen! Weiter konzentriert! Aber die zweite Hälfte war Hullygully. Vorne eigensinnig, hinten nicht verteidigt. Viele haben totalen Unsinn gemacht. Jeder will unbedingt Punkte machen, keiner macht das, was wir trainiert haben. In der Auszeit habe ich auf Knien gefleht: Spielt den einfachen Pass! Sie machen es nie. Wozu trainieren wir das Ganze? Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Vielleicht müssen wir mit fünf Bällen spielen."

In der Erregung hat Leftakis hier sicherlich etwas überzogen, schließlich zeigte das Team in der ersten Hälfte, dass es spielen und auch zusammen spielen kann: 17 Assists, also direkte Anspiele zum Korberfolg, zeugen davon. Aber der erhoffte Durchbruch war dieser Arbeitssieg durch die fahrige Art nach der Pause eben nicht, das Team hat immer noch nicht richtig zusammen gefunden. Und das macht dem Trainerfuchs Sorgen. Schließlich kommen jetzt mit dem Spiel bei der heimstarken BSG Ludwigsburg (auswärts wieder ganz schwach beim 67:84 in Heidelberg) und den beiden Heim-"Hämmern" MTV Stuttgart (am Samstag 114:84 gegen Leimen) und KGJ Schwenningen die Richtung weisenden Spiele für die gesamte Saison da hätte das Team einen kleinen Schub fürs Selbstvertrauen gut gebrauchen können.

Zum Spiel: Eine Woche hauptsächlich Verteidigung trainiert, dann bei den ersten drei Angriffen sieben Punkte kassiert das ging für den VfL katastrophal los. Doch es folgten ein 17:2-Lauf und 26:7 Punkte bis zur Viertelpause, obwohl Ross Jorgusen von der Rolle war und nur Fahrkarten schoss. Auch in den zweiten zehn Minuten wurde gut getroffen (Jorgusen jetzt 3:3 Dreier), zusammengespielt (9 Assists) und ordentlich verteidigt (51:27). Doch mit einem 0:9-Start begann das Gewürge der zweiten Halbzeit. Die Konzentration war trotz der Beschwörungen von Leftakis in der Kabine geblieben, auch Ross Jorgusen war sein Wurf wieder abhanden gekommen (0:6 nach der Pause), die 60 Kirchheimer Fans unter den 100 Zuschauern hätten getrost nach Hause fahren können.

Im letzten Viertel gelangen nur noch drei Feldkörbe, zum Glück war Tübingen zu schwach, vor allem zu jung, um daraus Kapital schlagen zu können. Okay, Schwamm drüber aber zum letzten Mal! Am Ende doch noch etwas Positives: James Hayden scheint sich langsam wieder an seine Form heranzutasten. Obwohl ihm nur sieben Punkte gelangen, war er der effektivste Kirchheimer, wozu seine zehn (!) Rebounds, acht Assists und nur zwei Fehlwürfe stark beitrugen. Vielleicht können sich die anderen an dem oft als Egozocker verschrieenen Hayden ein Beispiel nehmen: Nicht nur Punkte zählen in einem Basketballspiel!

mad

SV Tübingen: Weng, Gomez, Pfüller, Polunic (10/2), Bösing (5), Steffen (2), Kochendörfer (4), West (5), Gyamerah (10), Klemm (2), Ortlieb, Hörrmann (18/2).VfL: Bouwmeester (12), Bruck (4), Hayden (7), Jorgusen (10/3), Kikic (5), Kranz (20/4), Lenger, Lukic (11/1), Reiter (2), Stifel (4), Tsouknidis (4), Weiß.Dreier: 8 (VfL), 3 (SV).Fouls: 28 (VfL), 19 (SV).Freiwürfe: 11:23/47,8 % (VfL), 16:38/42,1 % (SV).Viertel: 14:26, 13:25, 17:15, 19:13.Schiedsrichter: Bernd Neumann (Weil im Schönbuch) und Peggy Reinhardt (Zavelstein) hatten keine Probleme mit dem Spiel.Zuschauer: 100.