Lokalsport

Kicken nach Konzept zeigt große Wirkung

Dem Zufall wird im Kinderfußball des TSV Weilheim schon lange nichts mehr überlassen. Seit Anfang vergangenen Jahres fußt die Nachwuchsarbeit von den Bambini bis zu den D-Junioren auf einem Konzept. Dank des Mottos "Unsere Kinder unsere Zukunft" hat sich die Jugendabteilung zu einer der größten und renommiertesten im Bezirk gemausert.

PETER EIDEMÜLLER

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WEILHEIM Nicht erst seit der begeisternden Fußball-WM vor eineinhalb Jahren steht die Jagd nach dem runden Leder bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs: Der Boom im Fußball ist bereits seit Jahren ungebrochen auch beim TSV Weilheim ist die Zahl der kickenden Mitglieder im Nachwuchsbereich seit der Jahrtausendwende in die Höhe geschnellt. Mittlerweile gehen 18 TSVW-Mannschaften von den Bambini bis zur A-Jugend innerhalb des Bezirks Neckar/Fils auf Torehatz.

Dass jedem Spielzug, jeder Finte und Ballstafette und selbst jedem Spurt Richtung Ball ein allumfassendes Konzept zugrunde liegt, ist zu großen Teilen das Verdienst von Uwe Fechter. Seinen Weg ins Trainer-Ehrenamt kann man als geradezu klassisch beschreiben: Als sich vor rund fünf Jahren Filius Luca den TSVW-Kickern anschloss, wurde der Herr Papa kurzerhand an der Außenlinie aktiv ohne jedoch genau zu wissen, wie man ein Jugendfußballtraining sinnvoll gestaltet. "Mich hat gestört, dass es keine einheitliche Linie in Sachen Ausbildungsinhalte gab", erinnert sich der heute 47-Jährige, der innerhalb der Abteilung schnell auf offene Ohren mit seiner Idee für ein Konzept im Kinderfußball stieß.

"Wir sind in Weilheim in der glücklichen Situation, dass wir Top-Leute im Jugendbereich haben", so Fechter. In der Tat strotzen die Verantwortlichen unter der Limburg nur so vor Fußballsachverstand: Aus- und Fortbildungsbeauftragter ist mit Thomas Gundelsweiler ein Mitglied des WFV-Lehrstabs, als Jugendtrainer sind der ehemalige Köngener Landesligacoach Peter Kuch und Kirchheims Oberliga-Mittelfeld-Ass aus den Achtzigerjahren, Uwe Heth, aktiv. Dieser war auch schon im Jugendbereich des VfB Stuttgart tätig nur drei von insgesamt 37 Betreuern, die sich in Weilheim um den kickenden Nachwuchs kümmern.

Wie aber dieses geballte Fußball-Knowhow einem sechsjährigen Steppke vermitteln? Die Antwort auf diese und viele weitere Fragen finden sich in dem von Uwe Fechter maßgeblich mit ausgearbeiteten Konzept, das seit 1. Januar vergangenen Jahres unter dem Motto "Unsere Kinder unsere Zukunft" die Arbeit von den Bambini bis zu den D-Junioren regelt. Grundsätzliches Ziel dabei ist, dass die Ausbildung der Kinder und nicht der sportliche Erfolg im Vordergrund stehen. "Kinder haben eine instinktive Spielfreude, die man nutzen muss", weiß Uwe Fechter. Darum greift die TSVW-Fußballjugend auch gerne auf das Angebot des Weilheimer Kindersports zurück, wo einmal pro Woche abteilungsübergreifend koordinative und motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten geschult werden unabhängig von der jeweiligen sportlichen Heimat. "Da gibt es absolut kein Konkurrenzdenken unter den Sportarten", betont Fechter, "es geht einfach darum, alle Kompetenzen innerhalb des Vereins optimal zu nutzen." Egal, ob Fußballer, Leichtathleten oder Handballer: Der Weilheimer Kindersport schafft die Grundlage, auf der in den einzelnen Abteilungen aufgebaut wird.

Auf dieser Basis fußen bei den Nachwuchsfußballern sämtliche in den Trainingseinheiten angewandte Übungen wie Ballführung, Dribbling oder beidfüßiges Schießen. Taktisch sieht das Konzept ein ballorientiertes Spiel nach "Tannenbaumsystem" (3-2-1) vor, aus dem im weiteren Verlauf das heute gängige 4-3-3-System hervorgehen soll. "Je breiter die Ausbildung angelegt ist, desto besser", glaubt Uwe Fechter, der bei aller Professionalität einen Faktor nicht außen vor lassen will: "Freude und Spaß am Spiel stehen bei uns ganz oben." Konkret geschieht dies über die Schaffung von Erfolgserlebnissen, beispielsweise beim Torschusstraining oder einem simplen Fangspiel. "Wenn man alles in eine Art Wettbewerb verpackt, sind die Kids mit Feuereifer dabei", sagt Fechter.

Dass das beste Konzept nur dann funktioniert, wenn die Ausführenden entsprechend qualifiziert sind, ist den TSVW-Machern bewusst. Deshalb legt der Verein viel Wert darauf, dass Trainer den kostenlosen WFV-Basislehrgang "Kindgerechtes Training" besuchen und darüber hinaus die Bereitschaft zur Weiterbildung mitbringen. "Du kannst heute nicht einfach nur mit zehn Bällen im Kofferraum zum Training fahren und dann loslegen", weiß Uwe Fechter.

Der Erfolg gibt ihm und seinen Mitstreitern Recht, denn nach knapp einem Jahr trägt das Konzept bereits erste Früchte. "Das sieht man schon an Bewegungsabläufen und der Spielweise", freut sich Fechter, der mitunter eine gelungene Spieleröffnung ("Bloß nicht den Ball einfach nur hoch nach vorne dreschen") höher bewertet, als einen Sieg. "Klar ist Gewinnen schön, aber man darf nicht zu ergebnisorientiert arbeiten."

Den Lohn der Mühe empfängt Uwe Fechter ohnehin an ganz anderer Stelle. "Mit Kindern zu arbeiten, gibt einem ein super Feeling", sagt er. "Man gibt selbst eigentlich ganz wenig und kriegt doch so viel zurück." Damit die Wirkung all dieser Bemühungen nicht verpufft, wird dieses Jahr ein entsprechendes Konzept für die C- bis A-Junioren erarbeitet, die auf diesem Weg langfristig in die jeweiligen Bezirksstaffeln aufsteigen und irgendwann den Sprung zu den Aktiven schaffen sollen um den Nachwuchs braucht man sich beim TSV Weilheim wahrlich keine Sorgen machen.

INFO

Jugendfußball TSV WeilheimMitglieder unter 18 Jahren: 270Mitgliedsbeitrag Schüler bis 18:

65 Euro/JahrAnsprechpartner:

Armin Oeffinger, Martin Pfauth und Klaus HartmannKontakt:

fussball-jugend@tsv-weilheim.deHomepage:

www.tsv-weilheim.de und www.weilheim-kicker.de