Lokalsport

Kiedaisch löst alten Schuldbrief ein

Handball: Lenningens Ex-Coach wird in Owen zweiter Mann neben Christoph Winkler

Aufatmen bei Owens Handballern: Der künftige Landesligist hat die wochenlange Hängepartie in der Trainerfrage beendet. Holger Kiedaisch wird in der neuen Saison Co-Trainer beim TSV und hilft damit Christoph Winkler in den Chefsessel. Winkler hatte seine Zusage an die Bedingung geknüpft, einen entlastenden Mann an seiner Seite zu haben.

Bernd Köble

Owen. Einfach war die Sache nicht. Da hat man nun einen Wunschtrainer der auch will, und trotzdem fehlt ein letztes Steinchen, das das ganze Konstrukt am Ende zum Einsturz bringen könnte. Christoph Winkler hatte die Karten offen auf den Tisch gelegt: Trainerjob ja – aber nicht in alleiniger Verantwortung. Es ging um die dritte Trainingseinheit unter der Woche, die der Mediziner mit inzwischen eigener Praxis aus Zeitgründen nicht übernehmen kann. So deutlich wie Winklers Bedingung war auch die Reaktion Holger Kiedaischs. Der 37-Jährige war von den TSV-Verantwortlichen und auch von Winkler selbst als Wunschkandidat auserkoren worden, nachdem mit dem Ex-Fellbacher Joachim Rieck die letzte Alternative vergangene Woche abgesagt hatte. Kiedaisch jedoch hatte seinen Abschied bei der SG Lenningen nach vier Jahren mit einem klaren Ziel genommen: keinen Trainerjob in der kommenden Saison, Abstand gewinnen. Dabei blieb es auch – bis vorgestern.

Das Zünglein an der Waage war ein fast vergessener Schuldbrief, den Kiedaisch wohl noch irgendwo in einer Schublade fand. Fahnenflucht hatten sie im ersten Moment der Enttäuschung ihrem langjährigen Spielmacher und Kopf der Mannschaft vorgeworfen, als dieser im Sommer 2001 von der Teck zum TSV Neuhausen/Filder in die Oberliga wechselte. „Ich verspreche, irgendwann komme ich wieder“, versuchte er die Gemüter damals zu beruhigen. Jetzt – in der Notlage, in der sich der Verein befand – hat er sich an diesen Satz wohl erinnert und eine alte Schuld eingelöst. „Meine Planung war eine andere“, sagt er. „Dies ist ein Freundschaftsdienst gegenüber dem Verein, in dem ich meine Wurzeln habe.“ Tatsächlich fließt bei kaum einem anderen mehr schwarz-gelbes Vereinsblut in den Adern als bei ihm, dem viele eine große Handballer-Laufbahn prophezeiten, hätte ihn eine Schulterverletzung nicht zum vorzeitigen Karriereende gezwungen. Kiedaisch ist einer, der in Owen alle Mannschaften durchlaufen hat und der das gelbe Trikot trug, da konnte er sich noch nicht mal selbst die Schuhe binden.

Jetzt darf sich der TSV über geballte Kompetenz auf der Trainerbank freuen. Das sieht nicht nur Abteilungsleiter Dietmar Kerner so, dem am vergangenen Donnerstag mit Kiedaischs Zusage ein Stein vom Herzen fiel. „Holger ist ein Super-Fachmann“, urteilt auch Coach Christoph Winkler. „Wir werden uns sicher gut ergänzen.“ Geballte Kompetenz am Spielfeldrand ist ab der neuen Saison kein Luxus, sondern Überlebensstrategie: Der TSV Owen steht nach dem Abstieg vor einem radikalen Neubeginn in der Landesliga. Wohin die Reise gehen wird, weiß keiner, auch nicht der Trainer: „Dass wir bei null anfangen, ist doch das Schöne daran“, sagt Winkler. „Wir haben viele talentierte Spieler, und wir haben alles selbst in der Hand.“ Der langjährige Regionalliga-Spielmacher und Owener Rekordtorschütze während seiner Zeit als Spielertrainer im gelben Trikot gilt als Positivdenker, als Teamplayer und Kommunikator. Von ihm erhofft man sich nach zwei turbulenten Jahren unter Markus Brodbeck nun ruhigere Zeiten – auch im Umfeld des Vereins.

Leidenschaft und unbedingter Wille – was Winkler auf dem Spielfeld auszeichnete, will er nun auf seine junge Mannschaft übertragen. Ein Saisonziel, daran hat sich nichts geändert, lässt er sich auch diesmal nicht entlocken: „Wir wollen schnellen und attraktiven Handball spielen, sagt er. „Gelingt uns das, kommt der Erfolg ganz von allein.“

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