Lokalsport

Kirchheim flirtet mit Hambüchen & Co

Dass die Kirchheimer in puncto Turnen ein begeisterungsfähiges Völkchen sind, ist nicht erst seit dem Landeskinderturnfest 2003 oder dem viel umjubelten Bundesliga-Aufstieg der VfL-Frauenriege bekannt. Jetzt winkt der Stadt ein echter Knüller: Kirchheim ist einer von sechs Kandidaten für die Ausrichtung der Deutschen Kunstturnmeisterschaften 2006.

BERND KÖBLE

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KIRCHHEIM Das Jahr 2005 dürfte als eines der erfolgreichsten in die Geschichte der VfL-Kunstturnabteilung eingehen. Mit dem Bundesligaaufstieg der Frauenmannschaft beim Relegations-Wettkampf im November hat die kleine Kirchheimer Kunstturngemeinde nicht nur sportliche Klasse, sondern auch organisatorisches Talent bewiesen. Der reibungslose Ablauf dieser Veranstaltung, die Heerscharen freiwilliger Helfer und nicht zuletzt die Begeisterung des Kirchheimer Publikums in der Sporthalle Stadtmitte all dies hat offensichtlich Eindruck an höchster Stelle hinterlassen. Anders ist kaum zu erklären, dass die Teckstadt beim Deutschen Turnerbund (DTB) als einer von insgesamt sechs Kandidaten für die Ausrichtung der Deutschen Kunstturnmeisterschaften vom 1. bis 3. September 2006 auf der Agenda steht. "Kirchheim ist im Rennen", bestätigt Birgit Roth, die beim Schwäbischen Turnerbund (STB) in Stuttgart für die Organsisation der DM verantwortlich ist.

Als Ausrichter der Weltmeisterschaften 2007 in Stuttgart hat der STB in diesem Jahr auch für die nationalen Titelkämpfe den Zuschlag erhalten. Bei der Suche nach einem geeigneten Austragungsort scheint man sich in der Landeshauptstadt nun überraschend an die prächtige Stimmung erinnert zu haben, die das VfL-Team schon beim Aufstiegskampf im November beflügelte. "Das wäre das absolute Highlight", freut sich auch Kirchheims OB Angelika Matt-Heidecker, auch wenn die Stadt im Erfolgsfall knapp 30 000 Euro locker machen müsste, die bisher noch nirgendwo eingeplant sind.

Über Finanzierungsfragen zu streiten wäre freilich verfrüht, denn die Konkurrenz ist nicht von Pappe: Kirchheim sitzt in einem Boot mit Städten wie Ludwigsburg und Tübingen. Doch die Verbandsfunktionärin geizt nicht mit Lob für den vermeintlichen Zwerg unter den Kandidaten: "Die gute Nachwuchsarbeit und die Begeisterung fürs Turnen in Kirchheim ist bekannt", sagt Birgit Roth. Auch an der organisatorischen Kompetenz des möglichen Partnervereins VfL Kirchheim herrsche kein Zweifel.

Trotz der üppigen Vorschusslorbeeren stellt sich freilich die Frage, ob die Teckstadt die erforderlichen Hallenkapazitäten aufbieten kann. "Nach derzeitigem Kenntnisstand wäre auch dies kein Problem", sagt Roth. Gemessen an den Vorgaben des DTB wäre die Sporthalle Stadtmitte mit ihren 800 Zuschauerplätzen ausreichend vorausgesetzt, die alte Turnhalle bei der Alleenschule könnte den Athleten zum Einturnen dienen. Einziger Unsicherheitsfaktor bleibt der Aufmarsch der Fernsehanstalten. Wie groß der sein wird, ist zur Stunde noch nicht abzuschätzen. Je größer das Medieninteresse, desto größer der Platz, den die Sender für ihre technische Infrastruktur beanspruchen.

Den Stellenwert der Veranstaltung jedenfalls schätzt die Fachwelt als außerordentlich hoch ein, denn die Deutschen Meisterschaften dienen gleichzeitig der Qualifikation für die WM im Oktober im dänischen Aarhus. "Die Wettkämpfe werden in diesem Jahr hochkarätig besetzt sein", ist deshalb auch Birgit Roth überzeugt. Weil der Termin Anfang September noch in den Sommerferien liegt, wird zudem mit entscheidend sein, welcher Ausrichter die erforderliche Helferschar am ehesten mobilisieren kann.

Antworten auf all diese Fragen wollen die Verantwortliche beim STB bereits in den kommenden Tagen, auf jeden Fall noch im Januar finden. "Wir wollen eine rasche Entscheidung", sagt die Verbandssprecherin und macht dem Underdog Mut: "Ich bin mir sicher, dass die Veranstaltung in Kirchheim in guten Händen wäre", sagt sie. "Die Chancen sind auf jeden Fall da."