Lokalsport

Kirchheimer Ex-Stars feiern in Neidlingen ein Comeback

NEIDLINGEN Spaß soll's machen den Spielern ebenso wie den Fans. Der Auftritt einer VfL-Nostalgiemannschaft aus den Achtzigerjahren im Rahmen des 42. Teckboten-



Anzeige



THOMAS PFEIFFER

pokal-Turniers in Neidlingen gerät zur fußballerischen Retrospektive: Glanzvolle Zeiten erlebten die Kirchheimer Kicker-Fans damals. Morgen nun, mit Anpfiffzeit um 15.15 Uhr, leben die unvergessenen Oberliga-Zeiten aus dem letzten Jahrtausend wieder auf 18 VfL-Altstars (Chris Bieber, Norbert Bielke, Herbert Bucher, Manfred Lang, Uwe Köber, Jochen Köber, Uwe Deininger, Dieter Stadler, Claus Maier, Bippo Forzano, Thomas Kärcher, Uwe Skultety, Rolf Baumann, Josef Eder, Uwe Heth, Roland Hirsch, Norbert Müller, Dietmar Weil) geben sich ein einmaliges Stelldichein. Gegner sind die Oldies des TV Neidlingen. Die sind vergleichsweise nicht so stark, aber womöglich vom Gedanken beseelt, den damals für Amateurverhältnisse nicht gerade schlecht entlohnten local heroes aus der Teckstadt einen kampfbetonten und würdigen 60-Minuten-Fight zu liefern.


Wie gut die VfL-Altcracks derzeit körperlich drauf sind, war bis zuletzt die offene Frage: Selbst Team-"Manager" Dietmar Weil rätselte noch, als er seine ehemaligen Mitspieler per Telefon endlich zusammen getrommelt hatte. "Keine Ahnung". Seit vorgestern ist Weil nun schlauer: Am Donnerstag wurde ganz wie in den Oberliga-Tagen das Abschlusstraining angesetzt. Elf VfL-Altstars marschierten da auf den Catania-Platz, übten satte eineinhalb Stunden lang für's Neidlinger Comeback-Match. Und der "Manager" war hinterher zufrieden: "Alle sind noch ziemlich fit."


Auch Ex-"Bomber" Roland Hirsch (38) ist das "ich hab noch keinen Bauch", betont der Albershausener schwäbisch-salopp. Hirsch, der in seiner langen Laufbahn Hunderte von Toren für den VfL Kirchheim schoss und zwischendurch Vertragsamateur des Hamburger SV war (1988/89), treibt seit Jahren keinen Sport mehr keine Zeit. Woher also das immer noch respektable "Kampfgewicht"? Hirsch sagt: "Das kommt von der Arbeit." Von Handarbeit: Als Geschäftsführer (s)einer Sanitär-, Fliesenleger- und Heizungsbaufirma geht Hirsch selbst auf Montage. Fittrimmen auf dem Bau.


Spannende Frage: Hat der "Bomber" von einst, das Kirchheimer Kopfballungeheuer, morgen noch Treffer im Köcher? Schön wär's für ihn, Fans und Mitstreiter. Letztere, mittlerweile in alle Winde verstreut, galten damals als verschworener Haufen. "Die Kameradschaft war einfach fantastisch. Oft saßen wir nach Oberliga-Spielen noch lange zusammen", erinnert sich Ex-Mittelfeldspieler Claus Maier. Damals war er keine 20, jetzt ist er 35 und kritisch geworden. Maier nimmt kein Blatt vor den Mund: "Viele Spieler heutzutage verschwinden nach dem Training einfach." Damals sei vieles anders gewesen. Auch besser.


Claus Maier ist Nostalgiker und kommt gerne zum VfL-Traditionsspiel. Vielleicht auch, weil er einen trifft, der als Synonym für den Kirchheimer Fußballaufschwung inklusive Oberliga-Aufstieg (1986), württembergischen Meisterschaften, unzähligen Spielerabstellungen in die WFV-Auswahl, WFV-Pokalendspielteilnahme und DFB-Pokalauftritt wie kein zweiter steht: Trainer Helmut Groß. Der Geislinger, mittlerweile 58, galt damals als eiserner Verfechter der "ballorientierten Raumdeckung" und führte dieses System praktisch über Nacht ein beim VfL. Als er nach drei erfolgreichen Jahren wieder Abschied nahm, feierten sie ihn beim VfL als eine Art Messias.


Jetzt kehrt Helmut Groß zurück zu seinen Schützlingen von einst. Wer ihn kennt, weiß: Auch morgen, im Nostalgiekick gegen die TVN-AH, wird Groß für Raumdeckung plädieren.