Lokalsport

Kirchheimer Minimalisten

Von einer Zweiklassengesellschaft auf dem Feld konnte keine Rede sein. Beim 88:75-Erfolg der Kirchheim Knights gegen das Schlusslicht aus Wolfenbüttel bot der Außenseiter dem Tabellenführer trotz Notbesetzung phasenweise Paroli. In einem schwachen dritten Viertel der Gastgeber kämpften sich die Dukes sogar bis auf Tuchfühlung heran. Dass die Knights die letzte Heimschlappe bei ihren Fans vergessen machen wollten, war diesmal jedoch vom Start weg zu spüren.

THOMAS AUERBACH

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KIRCHHEIM Teamgeist und Entschlossenheit waren schon beim Einlaufen und Aufwärmen der Hausherren deutlich vernehmbare Signale. Und diesmal war auch der Auftakt entsprechend: Die Starting-Five mit David McCray, Tim Burnette, Tom Klemm, Sascha Kesselring und Andi Hornig ging konzentriert zu Werke, verteidigte gut und spielte ihre Punkte konsequent heraus. Bereits nach etwas mehr als fünf Minuten hatten sich die Knights auf 20:9 abgesetzt. Herausragend in dieser Phase war Tom Klemm, der alleine neun Punkte, zwei davon per Dreier, beisteuerte. Es schien, als würde das Spiel der Tabellensituation entsprechend seinen Lauf nehmen. Doch die Dukes verstanden es, mit Dreipunktewürfen zur rechten Zeit wieder ins Spiel zu finden und verkürzten binnen weniger Sekunden auf 20:15. Kirchheim war gewarnt und erarbeitete sich bis zum Ende des ersten Viertels wieder einen 29:19-Vorsprung.

Das zweite Viertel machte deutlich, dass die Dukes das Spiel nicht aufgegeben hatten. Es folgte ein offener Schlagabtausch, in dem auf Kirchheimer Seite vor allem Tim Burnette brillierte. Mal mit unwiderstehlichem Zug zum Korb an drei Gegnern vorbei, mal mit sicherem Wurf von jenseits der Dreipunktelinie. Ebenfalls stark: Andi Hornig, der nicht nur fleißig Rebounds pflückte, sondern auch offensiv punktete. Ein weiterer Kirchheimer schoss sich in dieser Phase warm: Kai-Uwe Kranz. Er trug dazu bei, dass die Knights sich bis zum Halbzeitstand von 56:42 eine etwas komfortablere Führung erarbeiten konnten. Eine Führung, die wohl zu komfortabel erschien. Nach dem Seitenwechsel war die Luft im Team von Pat Elzie raus. Während auf Kirchheimer Seite nur zwei von vier Freiwürfen das Ziel trafen und aus dem Feld gar nichts mehr ging, ackerten sich die Gäste, die von Co-Trainer Janusz Klimek betreut wurden, Punkt für Punkt bis auf 58:53 heran. Vielleicht war es ein Sinnbild für das Spiel der Knights, dass in dieser Phase auch noch das Licht in einem Teil der Halle ausfiel. Für die Ritter sollte dieses Viertel tatsächlich zum dunkelsten Kapitel des Abends werden.

Nach einer kurzen Zwangspause hatte der Tabellenletzte jedenfalls die lichteren Momente. Mit dem 60:58 rund drei Minuten vor Ende des Viertels hatten die Dukes den Anschluss wieder hergestellt. Hektik und Ballverluste auf beiden Seiten prägten diese Phase, bevor Kai-Uwe-Kranz einen Dreier zum 66:60 versenkte. Mit dem Viertelergebnis von 10:18 konnte auf Kirchheimer Seite aber niemand zufrieden sein. Sollte das Spiel erneut zur Zitterpartie werden? Die Antwort darauf gab Kai-Uwe Kranz: Im Alleingang donnerte er in den ersten beiden Minuten des Schlussviertels zwei Dreier durch die Reuse und schloss einen Fastbreak zum 74:64 ab.

Kirchheim hatte plötzlich wieder etwas Luft, das Spiel wurde intensiver. Als dann vier Minuten vor Schluss erst Neuzugang Gordon Scott einen Dunk versenkte und erneut Kai-Uwe Kranz per Dreier den Vorsprung auf 16 Punkte zum 83:67 ausbaute, war die Vorentscheidung gefallen. Den alles in allem verdienten Sieg ließen sich die Ritter nicht mehr nehmen. Fazit: In einem Spiel mit Licht und Schatten zeigten die Knights, welches Potential in der Mannschaft steckt. Vor allem im dritten Viertel offenbarte sich aber auch eine altbekannte Schwäche der Kirchheimer, als sie angesichts des respektablen Vorsprungs Konzentration und konsequente Abwehrarbeit vermissen ließen. Der Tabellenführer tat das, was für einen Sieg nötig war nicht mehr, aber auch nicht weniger.

In guter Form zeigte sich nach überstandenem Nasenbeinbruch wieder Tim Burnette, der bis zur Halbzeit allein 20 Punkte markierte. Grundsolide und eine Bank unter den Körben war Andi Hornig, obwohl noch sichtlich unter seiner Erkältung leidend. Stark zu Beginn der Partie auch Tom Klemm. Der Mannschaftskapitän, der leicht angeschlagen war, blieb später auf der Bank. Beim ersten Heimspiel noch nicht in Höchstform zeigte sich Neuzugang Gordon Scott, der erst im letzten Viertel besser ins Spiel fand und von der Dreipunktelinie häufig vergeblich sein Wurfglück suchte. Gut im Aufbau, aber offenbar im Zug zum Korb nach seiner Verletzung noch etwas gehemmt: David McCray. Wenn auch nicht korbgefährlich, war er doch ein wertvoller Passgeber mit solider Deckungsarbeit. Herausragend präsentierte sich an diesem Abend Kai-Uwe Kranz. Seine Dreierquote von 60 Prozent war an diesem Abend ein spielentscheidender Faktor.

Nach den Siegen von Freiburg, Essen und Crailsheim ändert sich an der Spitze der Pro B nichts. Der Kampf um die Meisterschaft bleibt weiter spannend.

VfL Kirchheim Knights:

Kranz (20 Punkte/6 Dreier), McCray (6 Punkte, 11 Assists), Burnette (25/3 Dreier, 5 Assists), Wysocki (1), Lenger, Gordon Scott (6), Tom Klemm (9/2 Dreier), Kesselring (7, 5 Rebounds), Hornig (14, 20 Rebounds), Peter Klemm (n.e.), Howard (n.e.), Reichmuth (n.e.).Teamstatistik:

29:62 Würfe (47 %), 11:31 Dreier (35,5 %), 19:31 Freiwürfe (61 %), 45 Rebounds, 21 Ballverluste, 18 Assists, 10 Ballgewinne, 18 Fouls.Wolfenbüttel Dukes:

Klimek (5/1 Dreier), Grier (9/1), Theis (23/2, 8 Rebounds), Knopke (4/1, 6 Rebounds), Simic (1), Warwick (21/1, 10 Rebounds), Fleischmann (1), Sheard (11).Teamstatistik:

29:73 Würfe (39,7 %), 6:25 Dreier (24%), 11:17 Freiwürfe (65 %), 50 Rebounds, 24 Ballverluste, 6 Assists, 11 Ballgewinne, 24 Fouls.Viertelergebnisse:

29:19, 27:23, 10:18, 22:15.Zuschauer:

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