Lokalsport

"Klettertempel" eingeweiht

Kirchheim hat eine neue sportliche Attraktion: Am Samstag wurde an der Walter-Jacob-Halle im Beisein von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die erste Indoor-Kletteranlage der Teckstadt eingeweiht.

REIMUND ELBE

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KIRCHHEIM Für die Bezirksgruppe Kirchheim des Deutschen Alpen Vereins (DAV) war der Eröffnungsakt ein Happyend nach einem über sechzehn Jahre andauernden Marsch durch die Institutionen. Jenes zähe Ringen um einen anspruchsvollen und vorzeigbaren Indoor-Kletterplatz war allerdings bei der samstäglichen Feier vergessen. Bis hinauf in fast zehn Meter Höhe sind somit ab sofort "nahezu alle Spielarten des Kletterns möglich", wie der Vorsitzende der DAV-Bezirksgruppe Kirchheim, Dr. Martin Gienger, vor den über 100 Feierstunde-Gästen erläuterte.

In der Tat reicht das Spektrum bis hin zum berühmt-berüchtigten Schwierigkeitsgrad 9. Der geneigte Kletterer kann sich gar an einem Überhang oder direkt unter der Hallendecke in schwindelerregenden Höhen in der Vertikalen fordern. Dem Jesinger, seit zehn Monaten Vorsitzender der DAV-Bezirksgruppe Kirchheim, war zum einen die Freude über den festlichen Augenblick anzumerken, zum anderen die Tatsache, dass der Bau ohne finanzielle Drahtseilakte verwirklicht wurde. "Wir haben kaum Schulden gemacht", betonte er stolz.

Möglich wurde das durch mehrere Einflussfaktoren. So beteiligte sich der Kirchheimer Stadtverband für Leibesübungen nach einem Sinneswandel es gab zunächst lange Jahre grundsätzliche Bedenken gegen das Klettern in der Halle fast zur Hälfte an den Baukosten. 500 Euro ließ die Volksbank Kirchheim-Nürtingen dem Verein zukommen, einen großen Batzen steuerte zudem die DAV-Sektion Schwaben bei. Deren Vorsitzender Dieter Angst präsentierte am Samstag als Überraschungscoup zu den bereits beigesteuerten 45 000 Euro zusätzlich einen 5000-Euro-Scheck. Rund 8000 Euro Spendengelder taten ebenfalls gut und zu guter Letzt unterschritten die Gesamtbaukosten deutlich den Voranschlag. Statt 125 000 Euro, wie zunächst angenommen, kam das Bauwerk 10 000 Euro billiger.

"So etwas kommt auch nicht alle Tage vor", meinte der Wendlinger Architekt und Bauleiter Heinz Gfrör augenzwinkernd bei seinem Statement. Die Kostenersparnis war auch ein Verdienst ehrenamtlicher Hilfe, "die bis an unsere Leistungsgrenze ging" (Gienger). Eins wurde zudem klar: Der neue, moderne Kirchheimer "Klettertempel" weckt Begehrlichkeiten und Hoffnungen und das ist laut Vorsitzendem Gienger auch gut so. "Die DAV-Bezirksgruppe ist in Kirchheim bisher kaum als lokaler Verein wahrgenommen worden", rekapitulierte der über langjährige Kletter- und Expeditionserfahrung verfügende Doktor der Physik selbstkritisch, "durch diese neue Anlage wird sich das hoffentlich ändern, denn wir intensivieren die Jugendarbeit und suchen zudem den Kontakt zu Schulen." Speziell zum angrenzenden Schlossgymnasium gibt es bereits enge Bande. Vorteil: Dort existiert bereits eine Arbeitsgemeinschaft "Klettern".

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker hob in ihrer Rede letztgenannten Aspekt besonders hervor: "Es ist ein gut gewählter Standort, denn die Kontakte zwischen der Bezirksgruppe und dem Schlossgymnasium lassen sich trefflich mit dem Thema Ganztagesbe-treuung verknüpfen." Die Oberbürgermeisterin ("Klettern boomt") würdigte in ihrem Beitrag zudem das Engament der DAV-Bezirksgruppe für die neue Kletteranlage: "Sie haben wahrlich einen Gipfel erklommen und Ausdauer bewiesen." Die vereinseigene Anlage könnte Strahlkraft über die Stadtgrenze von Kirchheim hinaus entwickeln. Auch deshalb, weil die DAV-Bezirksgruppe Nürtingen ebenfalls einen Zuschuss beisteuerte.

Deren Vorsitzender Ernst Eberhardt fand einprägsame Worte für diese Zusammenarbeit: "Früher gab es so etwas wie einen eisernen Vorhang zwischen den Bezirksgruppen Kirchheim und Nürtingen, mit diesem Bau hat sich das grundlegend geändert. Ich habe die Vision, dass die Kontakte noch enger werden." Unter den Sportkletterern ist übrigens der langfristige Erfolg des Neubaus ausgemachte Sache. "Die weite Fahrerei in andere Hallen entfällt endlich", freute sich beispielsweise der sechszehnjährige Kirchheimer Nachwuchs-Gipfelstürmer Florian Böbel, "jetzt kann ich sozusagen vor der Haustür wetterunabhängig trainieren." Auch für den Nürtinger Andreas Bopp, nach eigenem Bekunden seit 25 Jahren Sportkletterer, hat das neue Kirchheimer Trainingsgelände einen hohen Stellenwert: "Es ist das größte im Umkreis von 30 Kilometern und kann qualitativ mit anderen Anlagen im Land locker mithalten."

ONLINE-INFOwww.dav-kirchheim-teck.de