Lokalsport

Knights beschenken die Merlins

Vor beeindruckender Kulisse haben die Kirchheim Knights im letzten Spiel des Jahres verdient gegen den direkten Verfolger aus Crailsheim mit 87:97 verloren. Schwach im Abschluss, nachlässig in der Verteidigung und ohne erkennbares Konzept drohte dem Tabellenführer streckenweise eine höhere Niederlage.

THOMAS AUERBACH

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CRAILSHEIM Die Crailsheim Merlins hatten zwei Tage vor Weihnachten angerichtet: Feinster Sportparkett und NBA-Korbanlagen schufen in der Hohenlohe Arena den Rahmen für ein Basketballfest. Das auf 19 Uhr angesetzte Spiel begann erst mit halbstündiger Verspätung. Grund dafür war ein ausgedehnter Show-Vorspann mit Rapgruppe, Cheerleaders und spektakulärer Abseilnummer von Crailsheims Hallensprecher und Publikumsanimateur "Pimp." Während die Merlins sich die Show ersparten und in der Kabine blieben, warteten die Knights leicht irritiert, aber geduldig auf dem Spielfeld.

Der Start verlief dann auch erwartet nervös auf beiden Seiten. 7:8 lautete die erste und einzige Führung der Knights nach knapp fünf Minuten. Tim Burnette musste zwischenzeitlich mit Nasenbluten pausieren, Crailsheim hatte einen ersten Lauf und zog auf 21:12 davon. Coach Pat Elzie reagierte nicht, nahm keine Auszeit und vertraute offenbar dem Kampfeswillen seines Teams. Die fingen sich zunächst auch wieder und gingen mit 15:21 Rückstand ins zweite Viertel, das mit zwei Dreiern für Crailsheim begann. Während Kirchheim unorganisiert den Korb unter Beschuss nahm, schien das Visier der Crailsheimer bestens geschärft. Vor allem Greg Miller glänzte mit vier von sechs Dreiern in der ersten Hälfte.

Eigentlich hatte sich Kirchheim einiges unter den Körben ausgerechnet. Denn Crailsheims einzig Langer, Karim Aw, konnte verletzungsbedingt nicht auflaufen und so hätte die Lufthoheit durchaus bei Kirchheims Centern Andi Hornig und Sascha Kesselring liegen können. Doch die beiden erreichte im Angriff kaum ein Zuspiel und unter dem Kirchheimer Korb griffen die Crailsheimer Verteidiger deutlich beherzter zu. Allein dem Ex-Mainzer Sean Brooks gestatteten die Ritter in der ersten Hälfte 14 Punkte. Die Konsequenz: Crailsheim konnte bis auf 15 Punkte davonziehen. Erst kurz vor der Halbzeit fing sich Kirchheim wieder ein wenig und verkürzte geringfügig zum Halbzeitstand von 44:33 für die Merlins.

In der Kabine der Knights müssten die Halbzeitstatistiken eigentlich Tränen in die Augen getrieben haben. Eine Trefferquote von 30 Prozent aus dem Feld stand zu Buche. Alleine Tim Burnette versenkte von elf Würfen nur drei. Auch die Assists sprachen eine deutliche Sprache. Acht verbuchte Crailsheim zur Pause, Kirchheim nur drei. Es lief nicht im Spielaufbau, Punkte resultierten oft nur aus Einzelaktionen. Wer auf das oft so starke dritte Viertel der Knights gehofft hatte, wurde enttäuscht. Die Rettungsversuche von Pat Elzie mit einer Ganzfeldpresse verpufften schnell. Crailsheim zog weiter davon und baute die Führung kurz vor dem Schlussviertel sogar auf 20 Zähler aus.

Im letzten Viertel keimte dann doch noch einmal Hoffnung. Endlich arbeitete die Verteidigung konsequenter und erzwang Ballverluste bei Crailsheim. Rund vier Minuten vor Spielende schien noch etwas zu gehen. Nur noch 86:81 führten die Merlins vier Minuten vor Schluss. Aber die Gastgeber agierten cleverer und abgebrühter, erhöhten den Abstand postwendend wieder auf zehn Zähler und ließen sich diesen in den Schlussminuten auch nicht mehr nehmen. Resigniert hingegen wirkten Pat Elzie und sein Team. Crailsheim gewann verdient und präsentierte seinen 3 000 Fans ein wohlverdientes Weihnachtspräsent.

Hatte Kirchheim vielleicht zu optimistisch auf einen Sieg vertraut, die Vorbereitung und Einstellung auf das Spiel zu locker genommen? Farblos blieb diesmal Andi Hornig mit nur zwei Punkten und sechs Rebounds. Kaum eingesetzt die Routiniers Tom Klemm (sieben Minuten) und Paul Howard (sechs Minuten), sodass die Last vor allem auf sechs Spielern lag. Auch wenn die Niederlage an Kirchheims Tabellenführung nichts ändert, in der Form war sie sicher nicht nötig. Dass es anders geht, können die Knights am 5. Januar zeigen, wenn im letzten Hinrundenspiel München zu Gast in der Sporthalle Stadtmitte ist.

VfL Kirchheim Knights:

Kranz (15 Punkte/5 Dreier), McCray (21 Punkte, 5 Assists), Burnette (22), Wysocki (12/2 Dreier, 5 Rebounds), Lenger, Peter Klemm (n.e.), Howard, Reichmuth (n.e.), Tom Klemm (1), Kesselring (14, 10 Rebounds), Hornig (2, 6 Rebounds).Teamstatistik:

32:66 Würfe (48 %), 7:25 Dreier (28 %), 16:24 Freiwürfe (67 %), 30 Rebounds, 19 Ballverluste, 10 Assists, 7 Ballgewinne, 22 Fouls.Proveo Crailsheim Merlins:

Pratta (11/2 Dreier), Reynolds (2), Kadmous (6), Miller (30/6 Dreier), Harris (14), Cardenas (4/1 Dreier), Brooks (22, 11 Rebounds), Dörr (8, 6 Rebounds).Teamstatistik:

33:61 Würfe (54 %), 9:22 Dreier (41%), 22:30 Freiwürfe (73 %), 28 Rebounds, 14 Ballverluste, 20 Assists, 11 Ballgewinne, 20 Fouls.Viertelergebnisse:

21:15, 23:18, 32:26, 21:28 Zuschauer:

3 000